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Streit um Moschee und Minarett

So wie ein Kirchturm zur Kirche gehört

Mit einer Ausstellung im Rathaus und einer großen Plakataktion macht die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde auf ihre Lesart des Islam aufmerksam: "Frieden für alle, Hass für keinen."
Der Bundessprecher der Ahmadiyya-Gemeinde, Dawood Majoka, präsentiert  einige der Flyer, mit denen die Gemeinde in Marburg auf ihre Grundsätze aufmerksam machen will. Foto: Tobias Hirsch

Der Bundessprecher der Ahmadiyya-Gemeinde, Dawood Majoka, präsentiert einige der Flyer, mit denen die Gemeinde in Marburg auf ihre Grundsätze aufmerksam machen will.

© Tobias Hirsch

Marburg. „Frieden für alle, Hass für keinen“, steht auch auf den T-Shirts, die einige der jüngeren Mitglieder der Gemeinde übergestreift haben zur Pressekonferenz, auf der Bundessprecher Dawood Majoka über die Informationskampagne der Ahmadiyya-Gemeinde in Marburg informiert.

Sie will vom 17. bis zum 27. März mit einer Ausstellung, die im Rathaus stattfindet, über die Grundlagen des Islam, Grundlagen der Ahmadiyya Jamaat Gemeinde und die Geschichte des Islam informieren.

Zusätzlich wollen die Ahmadis mit einer groß angelegten Plakataktion auf ihre Gemeinde aufmerksam machen. An zehn großen Werbeflächen in der Stadt sowie an 18 Bushaltestellen werden in den kommenden Tagen Plakate mit Koranversen und Aussprüchen des Propheten Mohammed aufgehängt. Die großformatigen Plakate sollen helfen, das verbreitete Islambild in der Bevölkerung zu korrigieren und Vorurteile abzubauen, sagt Dawood Majoka.

Infostände in der Innenstadt

Zusätzlich soll es in den kommenden 14 Tagen Infostände in der Innenstadt geben, an denen die Ahmadis mit den Marburgern ins Gespräch kommen wollen. „Natürlich nehmen wir die Sorgen und Ängste ernst, die im Zusammenhang mit dem Islam existieren“, sagt Majoka. Der Islam, sagt er, ist ebenso wenig wie das Christentum eine einheitliche Religion, sondern umfasst viele Richtungen. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat definiert Majoka als eine „Reformbewegung“, die sich vor allem durch drei Grundsätze auszeichnet: Trennung von Religion und Staat, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie das Gebot der Friedfertigkeit.

Intensiver soll über diese Themen im Rahmenprogramm der Ausstellung gesprochen werden. Es steht noch nicht ganz fest, soll aber rechtzeitig bekanntgegeben werden.

Eröffnet wird die Ausstellung am 17. März um 14 Uhr von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Vertretern des „Runden Tischs der Religionen“.

Ausstellung und Plakataktion werden schon seit vielen Monaten geplant, und so ist es nur ein Zufall, dass sie ausgerechnet in eine Zeit fallen, in der in Marburg heftig über die Pläne der Marburger Ahmadiyya-Gemeinde diskutiert wird, eine Moschee im Gewerbegebiet Cappel zu errichten. Ja, räumt Majoka ein, man war schon ein wenig überrascht von den heftigen Reaktionen, die das Bekanntwerden der Pläne hervorgerufen hat. Es handele sich immerhin um die 57. Moschee, die die Religionsgemeinschaft in Deutschland bauen möchte. „Marburg ist eine weltoffene Stadt, eine Studentenstadt - aber die Diskussion war alles andere als sachlich“, sagt Majoka.

Anders als in der Nachbarstadt Gießen übrigens, wo die Ahmadiyya vor kurzem eine Moschee eröffnet haben - ganz ohne Protest der Bevölkerung. Dennoch halte die Ahmadiyya an ihrem Vorhaben fest, auch in Marburg eine Moschee zu bauen. „Unser Anliegen ist es, dass die Muslime in Deutschland besser integriert werden, und dazu gehören öffentliche, für jedermann sichtbare und für jedermann zugängliche Moscheen“, so der Bundessprecher. Die Ahmadiyya wollten jedem Marburger Gelegenheit geben, ihre Moschee zu besuchen und die Fragen zu stellen, die ihn bewegen.

Der Ortsbeirat Cappel hatte die Ahmadiyya-Gemeinde gebeten zu prüfen, ob sie nicht auf Minarett und Kuppel verzichten könne.

Kernbereiche einer Moschee sind Gebetsräume

Das seien „Einzelheiten“, sagt Majoka. Zunächst müsse aber über die Bauvoranfrage entschieden werden. „Wir sind zu Kompromissen bereit.“ Die Kernbereiche einer Moschee seien ihre Gebetsräume, über alles andere könne man reden. Die Ahmadis machen aber auch deutlich, dass der Verzicht auf Kuppel und Minarett für sie keine Kleinigkeit wäre: „Das Minarett ist ein Erkennungszeichen für eine Moschee wie der Kirchturm für eine Kirche“, sagt Majoka. Man solle dem Gebäude ansehen, dass es sich um eine Moschee handelt und nicht um eine Turnhalle. Nur sollen vom Minarett weder ein Muezzin rufen noch Lautsprecher erschallen. Und über die Höhe des Turms könne man „selbstverständlich“ reden.

Die Ahmadiyya bestreiten, ihre Moschee gezielt in die Nähe des Flüchtlingscamps bauen zu wollen. Man habe keine missionarischen Absichten, sagt Majoka. „Die Flüchtlinge, die dort leben, haben andere Sorgen und Probleme, und wir wollen ihre emotionale Lage nicht ausnutzen.“

Im Übrigen, fügt er mit Blick auf die aktuelle Schließung der „Balkanroute“ hinzu, könne man ein Bauvorhaben dieser Größenordnung nicht an einer „temporären Erscheinung“ wie dem Ansteigen der Flüchtlingszahlen ausrichten.

von Till Conrad

[Till Conrad]

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