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So viel zu tun und so wenig Zeit dafür

Schule: Kurzes Halbjahr So viel zu tun und so wenig Zeit dafür

Eben noch die Herbstferien genossen, schon nähert sich die Weihnachtszeit mit riesigen Schritten. Doch von Besinnlichkeit und Ruhe ist derzeit wenig zu spüren in den heimischen Schulen.

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Die Uhr tickt und die nächste Arbeit kommt bestimmt: Schüler und Lehrer haben einen straffen Zeitplan bis zu den Weihnachtsferien.

Quelle: Illustration: Sven Geske

Marburg. Nun kommt es Schlag auf Schlag. Eine Klausur folgt der Nächsten. Die Schüler lernen, bereiten sich vor, die Lehrer entwerfen die Arbeiten und korrigieren. Das ist an sich nichts Besonderes. Besonders ist in diesem Jahr der eng getaktete Zeitplan. Dass sie ein besonders hartes Los getroffen hat, sagen die Oberschüler an der Steinmühle. „Ich schreibe bis Weihnachten fast durchgängig zwei Arbeiten pro Woche und weiß gar nicht mehr genau, wann ich dafür lernen soll“, sagt die 16-Jährige Charlotte Mauersberger. „Wenn ich freitags nach Hause komme, müsste ich eigentlich von der langen Woche entspannen – aber dann muss ich doch wieder für die Klausuren lernen“.

Die Klausurübersicht liegt in den Klassen aus

Tobias Roth-Wabnegg, Gymnasiallehrer in Biedenkopf, kann den Unmut der Schüler und Eltern nachvollziehen. Das straffe Programm zum Jahresende sei auch eine Folge der späten Sommerferien, sagt der Pädagoge: „Lediglich sechs Wochen lagen zwischen Sommer- und Herbstferien. Danach sind es wiederum nur sieben Unterrichtswochen bis zu den Winterferien“. Um eine sinnvolle Grundlage für eine Klausur zu legen, brauche es mindestens drei Unterrichtswochen.
Richtig knapp mit den Klausuren werde es dann, wenn Besonderheiten wie Projekttage, ein Schüleraustausch oder Betriebspraktika anstünden. „Dann wird es mit den möglichen Klausurterminen noch enger“, sagt Roth-Wabnegg. Um den Unterricht dahingehend zu planen, liegt in jeder Klasse eine Klausurübersicht aus, bei der die Lehrer dazu angehalten werden, frühzeitig ihre Termine einzutragen. Dabei gilt jedoch, dass nicht mehr als drei Arbeiten in einer Woche geschrieben werden dürfen.

„Viele Arbeiten folgen direkt aufeinander“, sagt Leonie Burghardt, „also direkt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen“. Die Steinmühlen-Schülerin ist der Meinung, dass einige Klausuren aber auch schon früher im Halbjahr hätten geschrieben werden können: „In einigen Fächern hätte man das schon machen können“, sagt die 16-Jährige. Den gesteigerten Stress macht Leonie nicht nur bei sich selbst und ihren Mitschülern, sondern auch bei den Lehrkräften aus. „Die Lehrer, die sich um das Abi kümmern, sagen schon, dass es mit den Korrekturen länger dauert und dass sie viel zu tun haben“.

Die Belastung in den Schulen wird auch von höherer Stelle beachtet. Heike Grosser, leitende Schulamtsdirektorin in Marburg zeigt Verständnis für die Situation von Lehrern und Schülern, verweist gleichzeitig aber auf die bestehenden gesetzlichen Regelungen. „Es ist nunmal so, dass wir dieses Jahr ein sehr kurzes erstes Halbjahr haben“. Fakt sei aber auch, dass die Anzahl der Unterrichtstage in jedem Jahr gleich bliebe. Lediglich der Beginn der Sommerferien verschiebe sich jährlich um eine Woche. „In diesem Jahr war der spätmöglichste Beginn der Sommerferien“.

„Extrawurst“ in Sachen Ferien für die Bayern

Im kommenden Jahr beginnen die Sommerferien dann wieder eine Woche früher. In 2017 noch eine Woche früher. „So bewegt sich das immer hin und her“, sagt Grosser. Eine Ausnahme bildet der Freistaat Bayern. Dort beginnen die großen Ferien immer am ersten August. Begründung: Der Beginn der Erntezeit. Die übrigen Bundesländer haben rotierende Ferienzeiten.

„Ich kann schon verstehen, dass das in diesem Jahr alles gefühlt etwas kürzer erscheint“, sagt Grosser. Eine Verlegung der festen Halbjahresgrenzen sei aber keine Option, erklärt sie. Der 1. August und der 1. Februar seien fixe Termine. „Eine Änderung würde einen riesigen Verwaltungsaufwand bedeuten“, ist sich Grosser sicher. „Das würde zu weit schlimmeren Verwerfungen an den Schulen führen als ein kurzes Halbjahr.“ So seien zum Beispiel Einschulungen, Schulwechsel, die Abiturtermine oder der Semesterstart weitestgehend an den Schuljahren ausgerichtet. Deshalb komme es auf eine gute Vorbereitung und Planung an, sagt Grosser. Besonders bei den Klausurterminen sei darauf zu achten, diese passend zu platzieren. „Aber ich glaube schon, dass da an den Schulen gute und fundierte Arbeit geleistet wird“, sagt die Schulamtsdirektorin.

Länger Unterricht und weniger Zeit für die Hobbys

„Ich kann das schlecht vergleichen, vielleicht muss die Zeit vor dem Abi ja so sein“, sagt Janina Petri. Die Steinmühlen-Schülerin merkt den schulischen Stress derzeit besonders daran, dass sie Freunde weniger häufig sieht. Besonders unter der Woche bleibt wenig Raum für Verabredungen, sagt sie. Besonders in Wochen, in denen die 17-Jährige dreimal pro Woche bis 17 Uhr Unterricht hat: „Es ist echt viel im Moment“. Janina bleibt der Trost, dass es den Schülern an anderen hessischen Schulen auch nicht anders geht. Auch wenn es nur ein kleiner Trost ist.

von Dennis Siepmann

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