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So teuer ist der erste Schultag

Schulranzen So teuer ist der erste Schultag

Den Schulbeginn nächste Woche im Blick müssen Eltern beim Großeinkauf tief in die Tasche greifen. Was steht heutzutage auf Checklisten für die Einschulung und wofür lohnt es sich, Geld auszugeben?

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Quelle: Archivfoto

Es ist mal wieder so weit. Die Zeit, die Eltern aufstöhnen und Schreibwarenläden beben lässt. In einer Woche fängt die Schulzeit wieder an; glücklich schätzen können sich da wohl diejenigen, die ihrer Checkliste nach nur ein paar Hefte oder Stifte nachkaufen müssen. Doch was braucht und kostet es, ein frischgebackenes Schulkind mit gutem Gewissen zum ersten Mal in die Schule zu schicken?
Marion Kraus, Angestellte bei Ahrens Marburg berät tagtäglich viele Eltern bei ihrem ersten Großeinkauf. Eine Checkliste für die Einschulung kennt sie beinahe auswendig; ein Korb mit allem nötigen Schulmaterial ist in 15 Minuten gepackt. Der endgültige Preis an der Kasse macht einen stutzig- eine komplette Neuausstattung kostet rund 70 Euro. Und der Schulranzen ist in dieser Rechnung noch außen vor. Warum so teuer?
„Viele Lehrer fordern bestimmte Marken und eine große Vielfalt, zum Beispiel bei Stiften“, erklärt Frau Kraus. „Häufig ist die vorgeschriebene Marke die teurere und Eltern fühlen sich gezwungen, ihrem Kind diese zu kaufen, damit es in der Schule nicht gehänselt wird.“

Die Lieblingsfarbe muss in den Einkaufskorb

Auch mit einem Set Buntstiften ist es noch lange nicht getan. „Gerade kleine Kinder brauchen dicke und stabile Stifte mit Grip. Dazu kommt neben Wachsmalkreide auch noch Knete, was früher gar nicht auf der Einkaufsliste stand.“
Sind alle Eltern vor diese Anforderungen und die damit verbundenen Kosten gestellt?
Stefanie Binder arbeitet sich gerade mit ihren zwei Kindern Luzie und Josef in dieser Mission durch die Reihen. Sie steht dieses Jahr gleich vor der doppelten Aufgabe: Luzie wird eingeschult und Josef kommt bereits in die zweite Klasse.  Erst jetzt wird deutlich, was Schuljahreseinkauf wirklich bedeutet. Hier wird nicht nur ein Korb mit Schulmaterial gepackt; jeder Hefter, jeder Stift und sogar die Bastelschere muss in der Lieblingsfarbe eingekauft werden.
Und das Teuerste hat Frau Binder bereits hinter sich. „Ich hab sogar schon meinen Ranzen!“, strahlt Luzie. „Dunkelblau und mit Blumen.“ Ihre Mutter hat bei diesem Kauf wahrscheinlich weniger auf Design als auf Komfort und Sicherheit geschaut.

Sport kann Rückenschäden vorbeugen

Denn schon der Schulranzen trägt dazu bei, dass das Kind als Erwachsener keine Rückenschmerzen haben wird. Die Liste der Kriterien laut Schulranzenratgeber der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. (BAG) ist lang. Neben Polsterung an Rücken und Tragegurten, ein Leergewicht von unter 1,3 kg gibt es noch ergonomische Faktoren: Der Ranzen sollte zum Beispiel nicht über die Schultern des Kindes hinausragen.
Klar. Der Ranzen muss passen, aber wie kann er das Kind schützen? Durch fluoreszierendes Material wie zum Beispiel grelle Neonflächen an allen Seiten des Ranzens können Kinder auch aus großer Entfernung gut gesehen werden. Reflektoren allein reichen nicht, denn sie leuchten nur, wenn Autos mit Licht fahren.
Richtet sich eine Mutter wie Stefanie Binder nach all diesen Geboten?
„Ich muss sagen, ich achte gerade auf die Sichtbarkeit der Ranzen sehr“, antwortet sie. „Mir gibt es einfach ein besseres Gefühl, wenn der Schulranzen meiner Tochter der Norm entspricht. Wir wohnen auf dem Dorf, da mangelt es an Beleuchtung.“
Doch seit wann wird neben Sicherheit auch auf ergonomischen Komfort so viel Wert gelegt? Und was kostet Eltern der Blick auf gesundheitliche Aspekte?
„Eltern werden allgemein immer vorsichtiger, wenn es um die Gesundheit ihrer Kinder geht“, erklärt Dr. Christian-Dominik Peterlein, Oberarzt für Kinder- und Jugendorthopädie am Universitätsklinikum Marburg.  Aber muss Vorsicht teuer sein? Von der BAG im Bereich Sicherheit und Komfort empfohlene Schulranzen kosten schnell bis zu 180 Euro. Herr Peterlein beruhigt: „Schulranzen sind über die Zeit um einiges leichter geworden. Tornister als Schulranzen sind zu empfehlen und das Gewicht sollte durch richtigen Sitz gleichmäßig auf dem Rücken verteilt sein. Solange das der Fall ist, sind die wichtigsten Kriterien erfüllt.“
Viel entscheidender als ein besonderer Schulranzen sei aus seiner Sicht die sportliche Aktivität und die daraus resultierende Haltung der Kinder. „Durch beispielsweise Schwimmen lasse sich die Rücken- und Bauchmuskulatur gut trainieren. Es muss also nicht zwingend der teuerste Ranzen sein. Und sobald Eltern bei der Wahl der Schultasche kein Mitspracherecht mehr haben, laufe es am Ende ja doch meistens auf die trendige Umhängetasche hinaus, lachen Hannah Drissen und Eva Rudolph vom Ledermaid Marburg.

Wichtige Merkmale für einen guten Ranzen:

  • Stabile Bauweise (Eigenstabilität, angemessene Maße)
  • Adäquates Eigengewicht (1100–1400 g)
  • Gefüllt ca. 10 % des Körpergewichts
  • Atmungsaktives Rückenpolster für Drucklastverteilung
  • Gepolsterte Tragegurte (4 cm breit, 50 cm lang)
  • Langer, bequemer Tragegriff
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