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So läuft der Gesundheits-Check

Flüchtlinge So läuft der Gesundheits-Check

Nach dem Windpocken-Fall im Flüchtlings-Camp rückt eine Massen-Impfung der 330 Bewohner näher. Da Infektionskrankheiten hessenweit häufiger auftreten, wird nun ein landesweites Impfkonzept erarbeitet.

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Die Wäsche der 330 Bewohner des Flüchtlings-Camps in Cappel trocknet am Bauzaun, Kinder spielen auf der Asche: Bislang ist kein weiterer Asylbewerber an Windpocken oder anderen gefährlichen Infektionen erkrankt.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Empfehlung für eine Immunisierung aller Marburger Asylbewerber? Das Gesundheitsamt des Landkreises hat nach Angaben des Regierungspräsidiums Gießen (RP) „die Notwendigkeit einer zeitnahen Umsetzung eines geeigneten Impfkonzepts für alle in Einrichtungen untergebrachten Flüchtlinge unterstrichen“. Unter Federführung des Sozialministeriums solle daher nun ein „landesweit gültiges Impfkonzept erarbeitet werden“, sagt Gabriele Fischer, Sprecherin der Behörde, auf OP-Anfrage.

Indes gab es rund eine Woche nach dem ersten Windpocken-Fall in Cappel laut RP noch keine weiteren Erkrankungen. Die Inkubationszeit bei Windpocken beträgt allerdings zwischen zwei und drei Wochen. In etwa so lange, schätzt das RP, werde der verhängte Aufnahme- und Weiterleitungs-Stopp für das Zelt-Camp gelten.

Die OP erklärt, wie die medizinischen Checks ablaufen:

Alle in Marburg lebenden Flüchtlinge werden vor ihrer Verlegung in das Cappeler Zelt-Camp in Gießen darauf untersucht, ob sie aus ihrem jeweiligen Heimatland Krankheiten mitgebracht haben. Insgesamt steht dafür derzeit ein Team von 13 Ärzten (auch Kinderärzte) zur Verfügung. „Derzeit laufen Verhandlungen auf Hochtouren, die uns hoffen lassen, dauerhaft weiteres medizinisches Personal für die Erstaufnahme-Einrichtung gewinnen zu können“, heißt es aus dem RP.

Nach der Aufnahme und Registrierung der Flüchtlinge folgt nach Angaben des RP die ärztliche Untersuchung. Diese wurde in der Vergangenheit „möglichst innerhalb der ersten Tage nach der Aufnahme durchgeführt“. Aufgrund der hohen Zugangszahlen – in Gießen alleine sind derzeit mehr als 4 500 Flüchtlinge untergebracht – könne dies „derzeit nicht mehr garantiert werden“, sagt Gabriele Fischer.

Jeder Flüchtling wird einem individuellen Check unterzogen, bei dem in erster Linie darauf geachtet wird, dass keine ansteckenden Krankheiten vorhanden sind und etwaige akut behandlungsbedürftigen Vorerkrankungen behandelt werden. Sofern Probleme vorliegen, werden diese behandelt, Medikamente verordnet oder in ein Krankenhaus überwiesen.

500 Geburten in Gießen

 Routinemäßig erfolgt bei der Erstuntersuchung das Röntgen der Lunge, um Tuberkulose ­ausschließen zu können. Die Ärzte prüfen die Neuankömmlinge zudem auf Masern, Milzbrand, Meningokokken-Meningitis, Typhus, Diphtherie, Varizellen (Windpocken), Pest sowie andere im Infektionsschutzgesetz gelisteten Krankheiten (siehe Paragraf 6, IfSG).

Erkrankt ein Asylbewerber in Cappel, ordnet das Personal einen Transfer nach Gießen an. Dort wird der Betroffene untersucht. Sofern dringende Beschwerden vorliegen, organisieren die Sozialbetreuer vor Ort eine Fahrgelegenheit und einen Dolmetscher, um den Patienten zu einem niedergelassenen Arzt oder zu einer Klinik zu bringen.

Für Schwangere stehen freiberufliche Hebammen zur Verfügung. In der Gießener Hauptaufnahmestelle gibt es jedes Jahr mehr als 500 Geburten, die in den umliegenden Krankenhäusern entbunden werden. Die Nachsorge werde von ­Hebammen übernommen.

von Björn Wisker

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