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So denkt Marburg vor der Wahl

Bamberger oder Spies? So denkt Marburg vor der Wahl

Am Sonntag entscheidet sich, wer ab 1. Dezember neuer Oberbürgermeister in der Universitätsstadt wird. Die OP hat Marburger gefragt, wieso sie (nicht) wählen gehen und welche Themen ihnen am wichtigsten sind.

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Christian Kupries schüttet vor zwei Wochen beim ersten Wahlgang im Bauamt die Urne aus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Wahlbeteiligung in der Universitätsstadt befindet sich im Sinkflug. Während 1999 bei der ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl noch 66,8 Prozent der damals 54 089 stimmberechtigten  Marburger ein Votum abgaben, waren es 2005 noch 49,5 % und vor zwei Wochen fiel die Quote auf das Rekordtief von 42,9 %.

Am Sonntag droht ein weiteres Absacken, denn bereits bei der letzten Stichwahl vor 16 Jahren – Dietrich Möller (CDU) gewann damals gegen den heutigen OB Egon Vaupel (SPD) –  sank die Stimmabgabe-Quote zwischen dem ersten und zweiten Urnengang auf 52,5 %.

„Die Direktwahl eines Bürgermeisters ist nicht dasselbe wie eine Form von direkter Demokratie, die auf ein konkretes Politikproblem bezogen ist. Es bleibt eine Wahl, die oft nicht für besonders bedeutend gehalten wird“, sagt Politikwissenschafts-Professor Rüdiger Schmitt-Beck. Bürger hätten das Gefühl, dass Entscheidungen nicht auf der kommunalen Ebene fallen. „Ich finde es wichtig, mich politisch zu beteiligen und ein bisschen politisch mitzubestimmen“, entgegenet die Marburgerin Rita Zorn bei einer OP-Umfrage in der laufenden Woche. „Parkplätze und Seilbahn  fand ich am wichtigsten. Ich bin beim Thema Seilbahn hin und her gerissen, würde dazu eher nein sagen. Aber es gibt auch Städte, wo sowas gut ankommt“, sagt Franz-Josef Tüns.

Eine OP-Analyse zeigt, dass am 14. Juni eine Wahlbeteiligung von mehr als 50 % nur in wenigen Bezirken erreicht worden ist: in Wehrshausen, Dilschhausen, Bortshausen und Ronhausen. In der Kernstadt gab es die größten Wahlbeteiligungen mit rund 48 % in Südviertel III (Staatsarchiv) und Wehrda III (Bürgerhaus) mit etwa 46 %.

Zur Wahl stehen Dr. Thomas Spies (SPD) und Dirk Bamberger (CDU).

Umfrage: Wieso gehen Sie (nicht) wählen und welche Themen sind Ihnen am wichtigsten?

Edeltraut Niehoff: Ich war schon im Rathaus wählen, denn es ist ein Grundrecht, das wir nutzen sollten. Wir müssen versuchen, Menschen für das zu interessieren, was um sie herum passiert.
Ulrich Förster: Ich weiß noch nicht, ob ich wähle. Ist Beteiligung wirklich gewollt? In den Programmen steht zwar viel von Bürgerbeteiligung, aber wenn es konkret wird, tun Parteien alles dafür, dass Bürger wenig Einfluss haben, siehe Ortsbeirats-Befragung.
Jonas Goltz: Mit am wichtigsten finde ich die Wohnungssituation. Meine Freundin und ich haben uns vor kurzem nach einer neuen Wohnung umgeschaut und festgestellt, dass es viel zu wenige Wohnungen gibt und die Mieten unbezahlbar für uns Studenten sind.
Lisa Etzoldt: Ich finde die Toleranz gegenüber Homosexuellen wichtig, das kam leider nicht so sehr zur Sprache im Wahlkampf. Ich bin für die Gleichstellung der Ehe und das Adoptionsrecht für Homosexuelle.
Irene Nollberger: Wichtige Wahlkampfthemen waren für mich der öffentliche Nahverkehr, die Wohnungsnot und der Parkplatzmangel. Was mir ein wenig gefehlt hat, ist das Thema Begrünung der Stadt.
Manfred Gleisner: Wählen ist für mich eine Bürgerpflicht. Ich will mitbestimmen, wer hier in Marburg Oberbürgermeister wird. Mein Herz schlägt jedenfalls sozialdemokratisch.
Heike Schneider: Die Unterscheidbarkeit bei den beiden verbliebenen Kandidaten vermisse ich, irgendwie sind sie sich doch in vielem einig, klingt alles nach „weiter so“. Zwar gehe ich wählen, aber vermutlich gebe ich keinem der beiden meine Stimme.
Johann Schlanstein: Die Stadt ist in vielen Bereichen einfach total überlaufen. Das macht sich während des Semesters auch an der Uni bemerkbar. Es gibt keinen Platz zum Lernen. So richtig wiedergefunden in einem Kandidaten habe ich mich aber nicht.
Stephanie Kleindopf: Ich bin extra früher aus dem Urlaub gekommen, um wählen zu können. Die Gesellschaft verändert sich sehr schnell, da ist es wichtig als Bürger zu zeigen: wir sind noch da. Mit seiner Stimme kann man schon etwas bewegen.
Jonas Nahrgang: Ich werde wählen gehen, um meine Stimme nicht verstreichen zu lassen.  Wir brauchen ein Gegengewicht im sehr links geprägten Marburg.  Ich wünsche mir Parkplätze in der Innenstadt für Studenten, weil es überall sehr teuer ist.
Karl-Heinz Müller: Zum Stadtbild und zur Sauberkeit wurde mir zu wenig gesagt, dabei wimmelt es in der Innenstadt überall von Schmierereien. Ich fühle mich zwar nicht unsicher, aber das mit dem Vandalismus hat meines Erachtens wirklich überhandgenommen.
Elisabeth Gotsch: Mir sind Barrierefreiheit und Parkplätze wichtig. Ich will im Alter noch Sachen machen können, ins Theater gehen etwa. Deshalb verstehe ich überhaupt nicht, wie man eine Stadthalle ohne Parkplätze bauen kann.
Andreas Korpf: Die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze habe ich in den vergangenen Wochen im Wahlkampf vermisst. Wie lockt man Firmen an? Wie hilft man dem Mittelstand vor Ort? Ich habe zwar eine Tendenz, mich für Sonntag aber noch nicht entschieden.
Arthur Brieger: Am meisten interessierten mich im Wahlkampf die Themen Anbindung auf die Lahnberge und der soziale Wohnungsbau. Ich bin selbst gerade auf Wohnungssuche und merke, wie schwer es ist, etwas zu finden.
Franz Becker: Eine Wahlbeteiligung unter 50 Prozent ist eine Schande für eine Demokratie. Wichtig sind deshalb nicht die Wahlkampfthemen, sondern dass sich die Politiker später auch daran halten. Früher gab es jedes Jahr eine Versammlung im Ortsteil, wo Bürger ihre Fragen stellen konnten.
Helga Stegmann: Natürlich war ich wählen und ärgere mich, dass ich jetzt wieder zum Rathaus humpeln muss. Ich wünsche mir mehr kleine und schnelle Busse, keine Attraktionen. So eine World-Disney-Geschichte in Marburg wie die Seilbahn finde ich albern.
Pascal Esser: Ich habe mir für die Stichwahl vorgenommen wählen zu gehen. Beim ersten Wahlgang war ich nicht. Als Student habe ich den Wahlkampf nicht verfolgt, da ich in ein paar Jahren wieder hier weg bin, aber ich sehe das Wählen schon als eine Pflicht an.
Marie Weber: Ich wähle einfach, um mitzubestimmen, wer Oberbürgermeister wird. Es ging mir dabei nicht primär um die Themen, sondern um den Kandidaten, wer mir am sympathischsten war. Ich mache es auch an der Partei fest. Ich habe keine Themen vermisst.
Frederik Matt: Ich gehe nicht wählen, weil ich mich einfach nicht für Politik interessiere. Am Ende passiert sowieso das, was die Politiker wollen, egal ob es den Leuten gefällt oder nicht.

von Björn Wisker, Ruth Korte und Peter Gassner

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