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Ski-Show soll Kassen klingeln lassen

„Red Bull“ plant Großereignis Ski-Show soll Kassen klingeln lassen

Abgefahrenes Mega-Event: Der Actionsport-Weltkonzern „Red Bull“ wird in Marburg ein Skirennen veranstalten. Voraussetzung für das 2020 geplante Rennen ist der Bau des Schrägaufzugs – er wird als Lift dienen.

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Es ist zwar noch etwas hin bis zum Super-Ski-Event: Bei einem Vorort-Termin haben die Veranstalter jedoch schon einmal Skier auf der Schlossmauer platziert.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Die Pisten sollen am Landgrafenschloss beginnen. Geplant sind je ein Abfahrts- und Slalomwettbewerb sowie eine „Rote-Bullen-Tempojagd“ auf jeweils verschiedenen Strecken. Die Ziele sollen auf dem Marktplatz, am Wilhelmsplatz und in der Ketzerbach liegen.

Nach OP-Informationen prüft der Magistrat derzeit Genehmigungen für verschiedene Pistenverläufe. Eine soll demnach oberhalb vom Bückingsgarten beginnen, in die Landgraf-Philipp-Straße münden, über die Ritterstraße bis auf den Marktplatz führen.

Die zweite Piste könnte am Startpunkt Hainweg beginnen und über den Renthof sowie Roten Graben, rechts vorbei an Zwischenhausen in Richtung Ketzerbach oder Pilgrimstein verlaufen. Eine weitere Route soll vom Gisonenweg über die Luther- und Sybelstraße sowie das Barfüßertor bis an den Wilhelmsplatz möglich sein.

Universität signalisiert Bereitschaft

„Das Uphill-Mountainbike-Rennen 2013 in Marburg war das erste in Deutschland, es lief super, die Steigungen waren perfekt – und was bergauf gut ist, ist es auch bergab“, sagt ein Unternehmens-Sprecher im OP-Gespräch. Mit Jon DeVore und Jon Olsson sollen zwei der bekanntesten Red-Bull-Extremsport-Athleten – deren Fahrkünste von Millionen Zuschauern in Youtube-Videos gesehen werden – in Marburg dabei sein.

Voraussetzung ist der Bau des Schrägaufzugs zum Schloss. Sowohl Co-Finanzier Deutsche Vermögensberatung als auch Universität – Besitzerin des Physik-Grundstücks am Renthof – sollen ihre Bereitschaft für einen Baustart im Jahr 2018 signalisiert haben.

Begeisterung in Marburg: „Wir haben schon 2007 mit der Campus-Invasion und dem Uphill-Race sowie Boat-Battle bewiesen, dass wir ein attraktiver, stimmungsvoller Veranstaltungsort sind“, sagt Jan-Bernd Röllmann, Stadtmarketing-Koordinator, zur OP. „Red Bull“ habe der Stadtspitze Anfang des Jahres die konkreten Pläne vorgestellt.

Vom Prinzip schwebt den Veranstaltern ein Konzept wie bei den Ski-Veranstaltungen „Auf Schalke“ in Gelsenkirchen vor. Langlauf-Sprints und Biathlon-Wettbewerbe werden seit 2002 regelmäßig in Städten und Stadien ausgetragen. Zehntausende Zuschauer strömen zu den Wintersportveranstaltungen.

Touristiker jubeln über
 Entscheidung für Marburg

Großbildleinwände am Marktplatz, Steinweg und Wilhelmsplatz sollen die von bis zu zwölf Kameras verfolgte Ski-Show live übertragen. „Für den Standort Marburg wäre das ein Riesending, für die heimische Wirtschaft bei Tausenden zu erwartenden Gästen ein Festwochenende.“

Röllmann ist bereits mit mehreren Oberstadt-Gastronomen im Gespräch, um Ideen für Après-Ski-Partys zu entwickeln. Die kommunale Tourismusgesellschaft MSLT erwartet Buchungsrekorde im Hotelgewerbe, Umsatzexplosionen in Restaurants und Kneipen. „Jetzt können wir der ganzen Welt zeigen, dass Marburg weit mehr ist als eine romantische mittelalterliche Puppenstube“, sagt ein Sprecher. Und mit dem in Aussicht stehenden Bau des Schrägaufzugs werde es „endlich eine nachhaltige touristische Nutzung des Schlossareals geben“.

Allerdings teilen nach OP-Informationen sowohl das Ordnungs- als auch das Rechtsamt Sicherheitsbedenken, was die Spaßski-Rennen angeht. Die Straßen könnten zu schmal sein, um zusätzlich Fangzäune oder Gummi-Absperrungen zu installieren, falls ein Fahrer stürzt.

Das Verletzungsrisiko und die damit verbundene Haftung in Millionen-Euro-Höhe schätzen Verwaltungsjuristen laut einem internem Rechtsgutachten als „sehr hoch“ ein. Der Veranstalter „Red Bull“ sieht das anders: Die Straßen seien breit genug, viele Pisten in vielbesuchten Skigebieten seien nicht breiter, Ziehwege schon gar nicht.

Kunstschnee wird nach Marburg transportiert

Und da das Gefälle für Skipisten-Verhältnisse flach sei, es auf dem Niveau der anfängergeeigneten sogenannten blauen Pisten (maximal 25 Prozent Längs- und Quergefälle) liege, sei die Sturzgefahr für die an den Start gehenden professionellen Extremsportler „absolut minimal“.

Pistenpräparatoren aus Willingen und Helfer aus Klein-Gladenbach könnten die Strecken „nach höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards herrichten“, Kunstschnee – der auch bei moderaten Plusgraden nicht schmilzt – wird aus Indoor-Skihallen wie jenen in Neuss, Bottrop und Bispingen nach Marburg transportiert.

Ein weiteres Problem, das dem Magistrat offenbar die größten Sorgen bereitet, ist die Nutzung der Kunstschneepiste durch Hobbyskifahrer. „Es ist keinesfalls sicherzustellen, dass sich jemand ohne Befugnis Zutritt zur Strecke verschafft und sie befährt. Kommt es zu einer Verletzung auf öffentlicher Straße, muss die Stadt bei einer Klage mit hohen sechsstelligen Schadenersatz- und Schmerzensgeldsummen rechnen“, heißt es in dem Rechtsgutachten, das der OP vorliegt.

Finanzielle Entschädigung für Anwohner wird gezahlt

Vor allem die Tatsache, dass es fast auf allen Streckenverläufen Anwohner gebe, die für ein Wochenende quasi in ihren Häusern eingesperrt wären oder anderswo untergebracht werden müssten, erschweren die Umsetzung der Ski-Show-Pläne. „Eine Klage vor Gericht, und alles muss abgesagt werden“, sagt ein Verwaltungsmitarbeiter, der anonym bleiben will.

Der Magistrat plant wohl, bei jedem Anwohner für Akzeptanz zu werben, „Red Bull“ soll zudem bereit sein, jedem betroffenen Oberstadt-Bewohner 100 Euro pro Tag oder zwei Hotelübernachtungen wegen der zu erwartenden Unannehmlichkeiten zu zahlen.

Ein Manko, das auch der österreichische Konzern eingestehen muss: Den Athleten – es sollen je 30 Sportler an den Start gehen – am Streckenrand zuzujubeln, dürfte aufgrund der schmalen Pisten nur bei einem der drei Wettbewerbe möglich sein: beim kürzesten, der „Rote-Bullen-Tempojagd“, die von der Wasserscheide an der Neustadt („Dienstbote-Christian-Statue“) in das Ziel am unteren Steinweg führt.

von Björn Wisker

 
 
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