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Skepsis bei der Kastrationspflicht

Tierschutz Skepsis bei der Kastrationspflicht

Mit einem Erlass des Kabinetts macht das Land Hessen den Weg frei für eine Kastrationspflicht in Städten und Gemeinden. Der Tierschutzverein Marburg und Umgebung begrüßt diese Initiative.

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Kommunen haben die Möglichkeit, eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen einzuführen. Außerdem sollen die Katzen registriert werden.

Quelle: Federico Gambarini

Marburg. . Wo unkastrierte Katzen frei umherstreunen können, werden sie oder ihre verwilderte Nachkommenschaft häufig zum Problem. Katzennachwuchs, um den sich niemand kümmert - das bedeutet Verwahrlosung, Hunger und Krankheiten, durch die die Katzen mehr schlecht als recht überleben. Viele landen in überfüllten Tierheimen, sie dort aufzupäppeln oder vermittelbar zu machen kostet viel Geld, bei anderen ist eine Vermittlung gar nicht mehr möglich. Auf den Kosten bleiben die Tierheime, private Initiativen und Städte und Gemeinden, die die Tierheime mitfinanzieren, sitzen.

Die Hessische Landesregierung gibt den Kommunen nun die Möglichkeit, auch die Tierhalter in die Pflicht zu nehmen. Laut Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) dürfen die Städte und Gemeinden durch den Erlass der Landesregierung die entsprechende neue Rechtsgrundlage im Bundestierschutz nutzen. „In Orten, wo Katzen verpflichtend kastriert werden müssen, gibt es sehr schnell einen spürbaren Rückgang an streunenden Katzen“, so die Ministerin. Mit der Kastrationspflicht müssen die Tiere auch per Mikrochip oder Tätowierung registriert werden.

Auch der Tierschutzverein Marburg und Umgebung sieht das so und begrüßt diese Neuerung ausdrücklich. Er kümmert sich seit langem mit Kastrationsaktionen um eine Reduzierung des Nachwuchses von Streunern. Daneben bestückt der Verein Futterplätze für freilebende Katzen und finanziert Pflegeplätze inklusive medizinischer Versorgung. Nach seiner Statistik fielen dafür in den Jahren 2010 bis 2012 Kosten von insgesamt gut 92.000 Euro an (2010: 26500, 2011: 30740 und 2012: 36630 Euro) - Tendenz steigend.

Tierheim beklagt steigende Kosten für Kastrationen

Im Tierheim in Cappel beklagt man eine „Katzenschwemme“. „Wir haben im vergangenen Jahr 100 Katzen beziehungsweise Kater kastriert. Anschließend wurden die Tiere zeitnah wieder in den angestammten Lebensraum zurückgebracht“, erklärt Robert Neureuther, Geschäftsführer des Tierheims.

Die Anzahl der Kastrationen wird in diesem Jahr weit übertroffen. „Wir haben jetzt schon die Zahl Hundert erreicht und gehen davon aus, dass wir bis zum Jahresende weit über dem Vorjahr liegen“, so Neureuther. Im vergangenen Jahr hatte das Tierheim für die Kastration und tierärztliche Versorgung zusätzliche Kosten von 15000 Euro. „Ein Drittel konnten wir durch großzügige Spenden und Zuschüsse abdecken. Aber 10000 Euro musste das Tierheim aufbringen“ so Neureuther.

Kommunen, die eine Kastrationspflicht für Katzen einführen wollen, haben die Möglichkeit, eine Satzung zum Paragrafen 13b Tierschutzgesetz zu fertigen. Die Umsetzung des Paragrafen bedeutet nach Ansicht des Umweltministeriums nicht per se, dass Katzenhalter ihre Tiere anmelden müssen oder dass eine Katzensteuer erhoben werden wird, teilt Mischa Brüssel de Laskay, Pressesprecher des hessischen Umweltministeriums auf OP-Anfrage mit.

Im Kreis sieht man die Einführung einer Kastrationspflicht für Katzen eher verhalten. „Wir haben streunende Katzen im Bürgerpark“, sagt Neustadts Bürgermeister Thomas Groll. Im Sommer war das Kastrationsmobil vor Ort und kastrierte 15 der rund 30 streunenden Katzen. Generell hält Groll die Kastrationspflicht „für eine gute Sache“. „Wir werden darüber nachdenken“, sagt Groll, der aber nicht weiß ob sie für Neustadt sinnvoll ist. Er hätte gern Erfahrungsberichte aus anderen hessischen Kommunen.

Die Stadt Marburg sieht die Möglichkeit, eine Kastrationspflicht für Katzenhalter einzuführen positiv. In der Stadt „sind in den vergangenen Jahren nur sehr wenig Fälle über streunende Katzen bekanntgeworden. Gemeinsam mit dem Tierheim wurden bisher immer Lösungen gefunden“, teilt der Magistrat mit.

Die wildlebenden Katzen, die vom Tierheim kastriert werden, seien fast alle aus dem Landkreis und nicht aus der Stadt Marburg. In diesem Jahr hat das Ordnungsamt keinen einzigen Hinweis über streunende Katzen erhalten. Die Stadt beobachtet die Situation. Sollte es vermehrt Hinweise auf wildlebende Katzen geben, werde auch eine Katzenkastrationspflicht einzuführen sein.

„In Wetter haben wir sehr engagierte Tierschützer, die sich darum kümmern, sagt Bürgermeister Kai-Uwe Spanka. Die Einführung einer Kastrationspflicht sei in Wetter bisher kein Thema, da an die Stadtverwaltung bisher keine größeren Probleme herangetragen wurden.

Katzen-Problem in Rauischholzhausen

„Das Thema beschäftigt uns“, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz. „Wir prüfen es, aber es ist ergebnisoffen.“ In Ebsdorfergrund gibt es in Rauischholzhausen ein großes Katzen-Problem. Aus anderen Ortsteilen sei nichts dergleichen bekannt. „Bis jetzt haben wir auf Freiwilligkeit gesetzt“, so Schulz. Nach seiner Auffassung wäre es besser, die Katzenhalter würden ihre Tiere auf freiwilliger Basis kastrieren. Wenn dies nicht fruchte, müsse die Gemeinde handeln.

von Michael Agricola und Heike Horst

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