Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Sinnliche Bilder voller Leidenschaft

Circus Roncalli Sinnliche Bilder voller Leidenschaft

1000 Besucher feierten die Artisten des Circus Roncalli am Freitagabend mit stehenden Ovationen.

Voriger Artikel
Von Parkplätzen bis zur Elektro-Mobilität
Nächster Artikel
Nach der Schule in den Schichtdienst bei der OP

Die "Petersburger Schlittenfahrt" wurde beim Circus Roncalli auch mit Huskys unternommen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mit Bildern voller Sinnlichkeit und Leidenschaft zu epischer Musik setzten Ambra und Yves Nicols den artistischen Schlusspunkt im zweieinhalbstündigen Programm des Circus Roncalli. Die wie goldene Statuen erscheinenden Körper wanden sich an zwei Tüchern bis unter die Kuppel, wobei es zunächst Ambra war, die ihren Mann mit starken Armen in die Höhe zog. Yves zeigte später, dass auch er Biss hat und hielt Ambra mit der Kraft seiner Zähne unter dem Zirkushimmel. Wie im Flug war die Zeit vorher vergangen. Die nahtlos miteinander verknüpften Auftritte wurden nur durch die 20-minütige Pause unterbrochen. Dem Ensemble des international berühmten Circus Roncalli, der im 40. Jahr seines Bestehens erstmals in Marburg gastiert, gelingt es mit seinem Geburtstagsprogramm „Salto Vitale“, den Traum vom schönen, poetischen Zirkus zu verwirklichen.

Etwa 1 000 Besucher feierten die Artisten des Circus Roncalli am Freitagabend mit Ovationen.

Zur Bildergalerie

Die Lichter gehen aus, das Orchester beginnt zu spielen. Der weiße Clown Yann Rossi, der im Laufe des Abends mit seinen Kollegen immer wieder die Zuschauer mit musikalischen Einlagen und anderen Kabinettstücken zum Lachen bringt, trägt eine verträumte Weise auf dem Saxophon vor. Als er draußen ist, betritt ein weißes Pferd die Manege, legt sich zunächst ins Sägemehl. Schließlich folgen die Reiterinnen und vier Tänzerinnen. Gemeinsam führen drei rassige weiße Araber und Andalusier mit ihnen ein Ballett zur Riverdance-Musik auf. Auf dieses romantisch-ästhetische Zusammenspiel von Menschen und Tieren folgt die erste akrobatische Nummer. Tempo-Jonglage mit Bällen, Keulen, Hüten und knapp über den Köpfen der sich duckenden Zuschauer dahinschwirrenden Bumerangs.

Dann der erste Auftritt des Flötenkomikers Gabor Vosteen (rundes Foto rechts: Manfred Schubert). Der lange Mann mit den nach oben und zur Seite stehenden Haaren flötet zunächst einige Besucher an und steigert die Zahl der Blockflöten, die er nicht nur mit dem Mund, sondern auch den Nasenlöchern mehrstimmig spielt, immer mehr. Schließlich erklingt auf fünf Flöten gleichzeitig „Freude schöner Götterfunken“, wobei der studierte Blockflötist auf einem Bein stehen muss, denn mit dem anderen schiebt er eine Flöte zur Nase.

Dem Spaß kommt ohnehin ein hoher Stellenwert zu. Auch die anderen Clowns zeigen virtuose Musik-Kunststücke, geradezu genial und zum Brüllen komisch Verdis „Nabucco“-Gefangenenchor mit dem Hintern auf zwei einfachen Plastik-Fußpumpen gespielt. Wobei einige Akrobaten ebenfalls komödiantische Talente ausspielen, wenn einer in einem riesigen Luftballon hereinhüpft. Oder wenn Konstantin Mouraviev ebenso komisch wie artistisch gekonnt versucht, sich auf dem Rhönrad schlank zu turnen.

Die zweite Tiernummer an diesem Abend zeigen dieselben Damen, die zuvor geritten sind. Tiziana Saabel und ihre Töchter Kelly und Alexandra lassen in einer temporeichen Dressur neun sibirische Huskys und Samojedenspitze durch eine Eislandschaft Schlitten fahren und andere Tricks vorführen. Die Töchter beeindrucken außerdem bei ihrer Handstand-Equilibristik mit Partnerakrobatik voller Biegsamkeit, Kraft und Körperbeherrschung. Männliche Gegenparts waren Giuseppe und Emanuel Curatola, die herausragende Hand-auf-Hand-Kunst zeigten. Zum Staunen brachten der auf dem Schlappseil tanzende und jonglierende Andrej Ivakhnenko in seinem Stachelkostüm die Zuschauer ebenso wie die Magie des italienischen Illusionisten Jimmy Saylon. Dieser ließ nach und nach sechs Assistentinnen auf geheimnisvolle Weise aus verschiedenen Behältnissen in der Manege erscheinen und manchmal sich selbst dabei verschwinden. In puncto Schnelligkeit konnten Elena und Ehemann Victor Minasov durchaus mithalten. Sie wechselten in Sekundenschnelle vielfach ihre Kleidung und legten eine flotte Sohle aufs Manegen-Parkett. Zur vollkommenen Atmosphäre trug das Orchester bei, das ein breites Repertoire von klassischer Zirkusmusik bis zu Rock beherrscht und Sängerin Bluma bei ihren Liedern begleitete.

nDer Circus Roncalli gastiert mit „Salto Vitale“ bis Sonntag, 29. Mai am Messeplatz, ­ Afföllerstraße. Weitere Aufführungen am Mittwoch, Donnerstag und Samstag jeweils ab 15.30 Uhr und 19.30 Uhr sowie am Freitag (nur 19.30 Uhr) und Sonntag (ab 15 Uhr). Tickets: per Telefon 01806/150555, an der Circuskasse täglich von 12.30 Uhr bis 19.30 Uhr oder an den bekannten Vorverkaufsstellen.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr