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Singen für eine bessere Welt

Willi Weitzel in Tansania Singen für eine bessere Welt

Vor 30 Jahren interessierte ihn Schokolade mehr als die Frage, wohin die Spenden gehen. Willi Weitzel war Sternsinger in Stadtallendorf. Jetzt berichtet er aus Tansania, dem Beispielland der Sternsingeraktion 2013.

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Mittendrin statt nur dabei: Willi Weitzel bei den Dreharbeiten zum Sternsingerfilm in Tansania. Der Film ist übrigens unter www.sternsinger.org zu sehen.

Quelle: Bettina Flitner

Marburg. Vielleicht hätte er ein bisschen lauter gesungen, vielleicht auch ein bisschen schöner. Vielleicht einmal mehr mit der Spendenbox gerappelt. Vielleicht hätte er all das getan, hätte er ein bisschen besser Bescheid gewusst. Damals. Als er selbst ein Sternsinger war. Mit Krone und Umhang von Haus zu Haus zog, um Spenden zu sammeln. Aber damals, vor knapp 30 Jahren, interessierte ihn das Spendengeld recht wenig.

Tausende Sternsinger sammeln Millionenspenden

Er sang für Schokolade, Bonbons und Kaugummis. Heute sieht er das anders. Er, das ist Willi Weitzel. Fernsehreporter und Welterforscher.

Um den tausenden Sternsingern, die deutschlandweit unterwegs sind, eine Vorstellung davon zu geben, für was die Millionenspenden verwendet werden, ist er im September vergangenen Jahres durch Tansania gereist, das Beispielland der Sternsingeraktion 2013. Mitgebracht hat er 26 Filmminuten, die jeder Sternsinger vor seinem Einsatz per DVD erhalten hat.

Füße nach oben, Fernseher an und abtauchen in das Land, weit, weit weg von zu Hause. Willi Weitzel zeigt ein anderes Tansania, als es in den Reisesendungen zu sehen ist. Nicht nur wilde Tiere und die atemberaubenden Sonnenuntergänge. Dafür Szenen aus einer Region, in der sauberes Wasser Mangelware ist, in der eine einfache Infektion oftmals zum Tode führt. „Jedes Mal, wenn ich aus Afrika zurückkomme und den Wasserhahn aufdrehe, bin ich sehr dankbar“, sagt Weitzel. Auch bei seiner zweiwöchigen Reise durch Tansania wurde dem 40-Jährigen wieder bewusst, dass Wasser ein absolutes Luxusgut ist. „Ich erinnere mich an eine Szene, als wir zu einem Tümpel kamen. Das war eine Brühe, in die in Deutschland niemand einen Finger rein gehalten hätte. Die Menschen dort haben das Wasser aber getrunken.“

Die Folge: Schwere Erkrankungen, die nur unzureichend behandelt werden können. Es mangele, so Weitzel, nicht nur an einer ausreichenden Versorgung, sondern auch an Bildung. Das Wissen und die Einsicht, wie Krankheiten übertragen werden und Ansteckung verhindert werden können, fehlt. Weitzel ist in diesem Jahr erstmals im Auftrag der Sternsinger unterwegs. Er löst Armin Maiwald, bekannt aus der Sendung mit der Maus, ab. Eine Entscheidung, die der 40-Jährige nicht bereut hat.

Die zwei Wochen in Tansania haben ihn sensibilisiert, haben seinen Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben geschärft. „In vielen Ländern dieser Welt geht es nur ums Überleben. Während es in Deutschland darum geht, das Leben nur noch besser zu gestalten“, so Weitzel kritisch.

Weitzel möchte etwas verändern

Es war nicht das erste Mal, dass der Fernseh-Reporter Afrika bereiste. Seine Faszination für den Kontinent, die Menschen und die Mentalität gehen einher mit den Eindrücken von Not und Elend, die sich auch in Deutschland nicht so einfach verdrängen lassen. „Als ich zum ersten Mal von solch einer Reise zurückkam, wusste ich Tage und Wochen nichts mit mir anzufangen. Ich musste erst lernen, dass ich auch das Leben in Deutschland wieder genießen darf.“

Und auch nach seiner Tansania-Reise haben sich wieder Bilder auf seine Netzhaut gebrannt: „Diesen Eindrücken gegenüber wird man wohl nie abstumpfen.“ Trotzdem kehrte er mit dem Gefühl zurück, etwas verändern und bewegen zu können.

Im Gepäck: Etliche Stunden Filmmaterial und der Wille, den jungen Sternsingern von Morgen klarzumachen, wieso sie bei Wind und Wetter durch die Straßen ziehen. „Das ist eine Aktion von Kindern für Kinder. Ich möchte, dass den Sternsingern bewusst wird, dass sie so viel Geld sammeln und dass sie tatsächlich etwas damit bewegen können.“ 42,5 Millionen waren es im vergangenen Jahr. Weitzel hofft, „dass wir die Messlatte noch ein bisschen nach oben legen können“.

Er selbst hat in diesem Jahr den Sternsingern in seiner Straße nicht die Tür geöffnet. „Ich habe sie einfach verpasst.“ Dafür gab es eine Spende direkt in die Sammelbüchse, als er drei Könige durch die Straßen ziehen sah. Die Kinder haben ihn erkannt - als einer von ihnen. Den Mann, der Antworten auf so ziemlich jede Frage hat. Nur nicht auf die eine: „Welchen der drei Könige haben sie damals dargestellt?“ Willi Weitzels Antwort: „Ich weiß es wirklich nicht mehr. Ich vermute aber fast, dass ich der Kaspar war.“

von Marie Lisa Schulz

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