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"Sie treibt es mit jedem"

Prozess "Sie treibt es mit jedem"

Wegen einer mutmaßliche Rache- und Verleumdungsaktion muss sich ein 26-jähriger Mann seit gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Weil ein Zeuge nicht erscheinen konnte, musste der Prozess vertagt werden.

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Marburg. Laut Anklage soll der Mann in mehreren Fällen eine junge Frau belästigt, durch Verbreitung von Schriften verleumdet sowie unwahre Angaben über sie in der Öffentlichkeit und bei der Polizei gemacht haben.

Vor etwa einem Jahr legte der 26-Jährige auf einer angeblichen Erotik-Seite ein Internetprofil mit den Daten der jungen Frau an. Auf diesem bot die vermeintlich echte Userin sexuelle Handlungen für andere Nutzer an. Das Profil versah der mutmaßliche Täter zudem mit herabsetzenden, anzüglichen Einträgen wie „Sie treibt es mit jedem“ und anderen beleidigenden Äußerungen.

Bereits Anfang des Jahres hatte der Mann mehrfach versucht, mit der jungen Frau in Kontakt zu treten. Im Januar 2013 traf die junge Frau in einem Universitätsgebäude erneut auf den Angeklagten, dieser versuchte mit ihr ins Gespräch zu kommen. Als sie sich weigerte und ihn zurückwies, soll er sie gepackt und festgehalten haben. Laut Anklage drängte er sie gewaltsam in einen leeren Gang des Gebäudes, um ein Gespräch zu erzwingen. Im Dezember desselben Jahres soll der Angeklagte zudem der Polizei in Gießen mitgeteilt haben, dass die Frau selbstmordgefährdet sei und vorhabe, sich aus dem Fenster zu stürzen, um sich das Leben zu nehmen.

Angeklagter: „Ichwerde selber belästigt“

Die daraufhin alarmierten Beamten begaben sich zur Wohnung der Zeugin, um diese zu befragen und die vermeintlich Gefährdete vor sich selber zu schützen. In einem Gespräch mit der überraschten Frau konnten die Polizisten bei ihr jedoch keine Suizidgefahr feststellen, so die Anklage.

Der Prozess musste noch vor Beginn der Beweisaufnahme ausgesetzt werden, da der Hauptzeuge, einer der Polizisten, aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Gericht erscheinen konnte.

Bevor die Verhandlung geschlossen wurde, meldete sich der Angeklagte kurz zu Wort. Er bestritt die Vorwürfe. „Ich tue den Leuten nichts, sondern werde selber belästigt“, betonte der Mann aufgebracht. Ein neuer Verhandlungstermin ist noch nicht bekannt.

von Ina Tannert

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