Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Sicherheit und Wahrnehmung im Fokus

Sonderforschungsbereiche Sicherheit und Wahrnehmung im Fokus

Großer Erfolg für die Hochschulen Marburg und Gießen: Zwei neue Sonderforschungsbereiche werden mit 18 Millionen Euro gefördert

Voriger Artikel
Experimentelles Nebenprodukt hat Erfolg
Nächster Artikel
Teures Spielzeug für die Stadtplaner

Wiederaufbau am „Ground Zero“: Nach dem Terroranschlag auf die Türme des „World Trade Centre“ am 9. November 2001 entflammte die weltweite Sicherheitsdebatte neu.Archivfoto

Marburg. „Es ist alles andere als selbstverständlich, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft gleich zwei Sonderforschungsbereiche unserer beiden mittelhessischen Universitäten bewilligt“, freute sich die Marburger Uni-Präsidentin Katharina Krause gestern über die Bekanntgabe der Entscheidung durch die DFG. Diese Förderzusage in zweistelliger Millionenhöhe belege ein Jahr nach dem Start einer Forschungsallianz beider Universitäten eindeutig die Forschungsstärke und hervorragende Zusammenarbeit der Historiker sowie der Hirnforscher und Psychologen.

„Der großartige Doppelerfolg zeigt, dass unsere beiden forschungsstarken Universitäten gemeinsam ihr Exzellenzpotenzial noch besser zur Geltung bringen können“, meint Krauses Gießener Amtskollege Professor Joybrato Mukherjee. Besonders außergewöhnlich ist es, dass ein geisteswissenschaftliches Verbundprojekt gefördert wird. Der SFB „Dynamiken der Sicherheit. Formen der Versicherheitlichung in historischer Perspektive“ wird von dem Marburger Historiker Professor Christoph Kampmann als Sprecher geleitet.

Alles dreht sich heute um die Sicherheit

In 19 Teilprojekten wollen die Forscher aus Marburg und Gießen untersuchen, wie sich vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart Vorstellungen von Sicherheit entwickelten und wie sie in den politischen Prozess gelangen. Dabei steht für Kampmann am Beginn der Forschungsarbeiten bereits ein Paradoxon fest. „Es ist zu beobachten, dass Streben nach Sicherheit häufig in ein Weniger an Sicherheit mündet“, erläutert der Historiker. Als Beispiel nannte Kampmann im Gespräch mit der OP die Tatsache, dass der Kampf gegen den Terrorismus nach dem 11. September 2001 teilweise auch zu einer stärkeren Durchleuchtung der Privatsphäre geführt habe.

Die Historiker wollen mit Zeitgeschichtlern, Völkerrechtlern Kunsthistorikern und Soziologen zusammenarbeiten. Es geht den Forschern auch um die Untersuchung eines veränderten Sicherheitsbegriffs. So sei Sicherheit längst nicht mehr nur ein Thema für Militärhistoriker, sondern betreffe zunehmend mehr Lebensbereiche. „Sicherheit ist der politische Schlüsselbegriff unserer Tage“, macht Kampmann deutlich.

Als Beispiele für Themen der Teilprojekte nannte Kampmann neben dem Festungsbau auch die Entwicklung eines Bewusstseins für Verkehrssicherheit in Deutschland oder die Frage nach Sicherheitsstandards bei öffentlichen Gebäuden. Der Sprecher des Sonderforschungsbereichs leitet selber ein Projekt, in dem es um die Eheverträge der Dynastien geht. Dahinter steht die Frage, wieviel die Fürstenehen zu Sicherheit und Unsicherheit ihrer Reiche beigetragen haben.

9,9 Millionen Fördergeld über vier Jahre

Der Sonderforschungsbereich soll sich ausdrücklich nicht auf einen Zeitabschnitt beschränken, sondern auch Epochengrenzen überschreiten. Ein Schwerpunkt ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Form eines Graduiertenkollegs. Auch Tagungen sowie Ringvorlesungen in Marburg und Gießen gehören zu dem Konzept. Gefördert wird der SFB für die kommenden vier Jahre mit einer Summe von 9,9 Millionen Euro. Bei einer positiven Beurteilung könnte sich die Zeitdauer noch um zwei Perioden von jeweils vier Jahren verlängern.

  • Mit acht Millionen Euro wird in den kommenden vier Jahren der Sonderforschungsbereich „Kardinale Mechanismen der Wahrnehmung“ gefördert. Nach Darstellung der Uni-Pressestelle ist es deutschlandweit der zweite SFB unter Federführung von Psychologen. Geleitet wird der SFB von dem Gießener Psychologie-Professor Karl Gegenfurtner. Der Marburger Neurophysiker Professor Frank Bremmer gehört ebenfalls zum Leitungsgremium. Untersucht werden soll, wie das menschliche Gehirn aus sensorischen Eingangssignalen übergeordnete Bedeutungszusammenhänge ableitet.

Wir funktioniert die menschliche Wahrnehmung? Wie können Menschen den zukünftigen Zustand ihrer Umgebung und mögliche Konsequenzen für ihre Handlungen vorhersagen? Und wie bewerten sie mögliche Risiken sowie den Nutzen ihrer Reaktionen? Das soll in einer Kombination aus Verhaltensexperimenten, Physiologie und Modellierung erforscht werden. Langfristiges Ziel der Forscher ist es, die Entwicklung dieser Mechanismen über die gesamte Lebensspanne zu erfassen. Dabei möchten die Forscher auch herausfinden, welche Bedeutung die untersuchten Mechanismen bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen haben können.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr