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Sich selbst wieder lieben lernen

Fastenaktion Sich selbst wieder lieben lernen

Knapp drei Millionen Menschen lassen sich jährlich auf die Fastenaktion der evangelischen Kirche „7 Wochen ohne...“ ein. Statt auf Schokolade oder Nikotin zu verzichten, versuchen sie jedoch, etwas Grundlegendes zu ändern.

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Für viele Menschen ein reales Problem: der Blick in den Spiegel. Die bundesweite Aktion "7 Wochen ohne..." will helfen, sich selbst wieder wertzuschätzen.

Quelle: Montage: Sven Geske

Marburg. Sieben Wochen lang die Alltagsroutine hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen und entdecken, worauf es im Leben wirklich ankommt – dazu regt die Aktion „7 Wochen ohne...“ an, die in diesem Jahr zum 32. Mal stattfindet. Das diesjährige Motto lautet: „Du bist schön! 7 Wochen ohne Runtermachen.“

Da haben sich Geschäftsführer der Aktion „7 Wochen ohne...“ Arnd Brummer und sein elfköpfiges Redaktionsteam ein herausforderndes Thema ausgesucht. Um kaum ein anderes Thema gibt es mehr Hype als um das eigene Aussehen. Jeden Tag lächeln uns dünne, große, sexy, perfekte Models mit strahlend weißen Zähnen von Plakaten und in Werbespots an und suggerieren uns, dass der Körper sich mit allen Mitteln perfektionieren lässt – mit Cremes, Diäten, Sport oder, wenn‘s sein muss, mit dem Skalpell.

Fehlende Zufriedenheit  mit dem Status Quo

„Wir empfinden uns selbst ständig im Defizit: Wir sind nicht schön genug, wir sind nicht erfolgreich genug, wir sind nicht klug genug. Wir wollen immer noch was werden und haben es schwer, zu sein“, kritisiert Brummer.

Die Fastenaktion soll diesem Hype nun einen Strich durch die Rechnung ziehen. Sie ruft dazu auf, sieben Wochen lang, von heute bis zum Ostersonntag, dem 5. April, die Routine des Alltags zu unterbrechen und neue Perspektiven auf das, was schön sein kann, zu werfen.

„Wir laden Sie ein, aus vollem Herzen zu sagen: ‚Du bist schön!‘ Wir wollen die Menschen ermutigen, ja zu sagen zu den Menschen an ihrer Seite und auch dem eigenen Spiegelbild“, fasst Brummer das Anliegen der Fastenaktion zusammen.

Sieben Wochen lang nicht nörgeln und stattdessen wertschätzen – die Unordnung des Partners, das Mitteilungsbedürfnis der Nachbarin, den Humor des Arbeitskollegen und natürlich auch die persönlichen Macken: die Vergesslichkeit, die Tollpatschigkeit und nicht zuletzt die vielen kleinen Fett-Pölsterchen an Bauch, Beinen und Po. Ob das gelingt?

„Mal schauen“, postet eine Teilnehmerin skeptisch im Facebook-Forum „7 Wochen ohne...“ – einer der Orte, an denen sich die Teilnehmer der Fastenaktion austauschen können. Wer das direkte Gespräch bevorzugt, kann auf der Homepage www.7wochenohne.de per Eingabe der Postleitzahl Fastengruppen in der Nähe ausfindig machen oder auch selbst eintragen.  

Dort findet man auch alles andere, was während der Fastenaktion nützlich sein könnte: Themenhefte, Bücher und natürlich den Fastenkalender. Er ist traditionell das zentrale Element der Fastenaktion und begleitet die Teilnehmer mit Texten aus Kirche, Kultur und Alltagsleben durch die Fastenzeit. In diesem Jahr ermutigt er sie dazu, „die Schönheit zu suchen, zu würdigen und zu feiern, vor allem da, wo sie sich nicht herausputzt und in Pose wirft“.

Wöllenstein: „Das ist kein reines Frauenthema“

Ist das nicht eher ein Frauenthema? „Nein“, findet die Marburger Pfarrerin Andrea Wöllenstein. „Schönheit, aber auch Gesundheit, Konkurrenz und der Umgang mit den eigenen Schwächen und der anderer sind auch Männerthemen.“ Wöllenstein, die selber, wie sie zugibt „eigentlich kein Fastenmensch“ ist, wird sich der Fastenaktion anschließen. Sie hofft, „dass es eine Zeit ist, in der ich bewusster auf mich und andere gucke und mich darin übe, ein bisschen liebevoller und wertschätzender mit mir und anderen umzugehen.“

Auch Brummer hofft: „Wenn man sich selbst liebevoller begegnet, dann wird es einem auch leichter fallen, seinen Mitmenschen so zu begegnen, sie nicht nur auf ihre Mängel und Defizite hinzuweisen, sondern den Spieß einmal umzudrehen und sie zu loben.“

HINTERGRUND

  • 1983 beschloss in Hamburg eine Gruppe von Journalisten und Theologen, sieben Wochen lang – von Aschermittwoch bis Ostern – zu fasten. Auf einen Aufruf in einer Kirchenzeitung der Nordelbischen Kirche meldeten sich 70 Teilnehmer. Ein Jahr später nahmen 300 Menschen teil. Die Idee breitete sich rasch aus. 1989 beteiligten sich bereits rund 500 000 Menschen an der kirchlichen Fastenaktion.

von Ruth Korte

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