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Sex-Prozess: Angeklagter bricht Schweigen

Vergewaltigungs-Vorwürfe Sex-Prozess: Angeklagter bricht Schweigen

Das Landgericht hat einen alten, 16- seitigen Brief des mutmaßlichen Täters in die Beweisaufnahme eingeführt, in welchem der Angeklagte seine Version der Beziehung schildert. Er sieht sich als Rache-Opfer seiner Ex-Geliebten.

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Marburg. Das vermeintliche Opfer, eine 23-jährige Krankenschwester ist laut dem Schreiben, das vor mehreren Wochen in der Untersuchungshaft beschlagnahmt wurde, eine Sex-Besessene. „Sie wollte immer und konnte mich auch immer haben. Umgekehrt gilt das genauso“, schreibt der 29-Jährige. Jungfrau sei sie beim Start der Affäre 2012 - entgegen ihrer Schilderung beim Prozessauftakt - nicht gewesen

.

Bis zur ersten angeklagten Vergewaltigung in der Neujahrsnacht 2013 habe das Pärchen dutzendfach miteinander geschlafen, vor allem beim Petting habe er gemerkt, dass die Marburgerin nicht mehr jungfräulich gewesen sei. „Geht es um Sex, ist sie absolut wild, extrem und phantasievoll“. Die Zweifel an der Jungfräulichkeit werden durch einen Arztbrief gestützt, der bestätigt, dass die Marburgerin bereits vor der mutmaßlichen Vergewaltigung vaginalen Sex hatte. „Wir haben unsere Beziehung gelebt“, sagte die Krankenschwester beim Prozessauftakt im August aus. Damit meinte sie, so konkretisierte ihr Nebenklageanwalt Sascha Marx, dass sie miteinander schlafen, jedoch keinen vaginalen Geschlechtsverkehr, sondern andere Formen des Beischlafs praktizieren.

Angeklagter bezeichnet Opfer als rachedurstig

Der Gießener soll die Marburgerin Anfang März in seinem Auto nahe des Stadtbüros mit dem Gurt gewürgt, geschlagen und mit einer Pistole bedroht und sie zum Sex gezwungen haben. Zeugen, vor allem Freundinnen der Nebenklägerin, bestätigten große Teile der Opfer-aussage. Ihnen, etwa der besten Freundin und Cousine erzählte sie am Folgetag von den Geschehnissen und einer mutmaßlichen Vergewaltigung bereits am Neujahrstag.

Die Liebesbeziehung des Ex-Pärchens bleibt für die Strafkammer des Landgerichts indes weiterhin nebulös. Gespräche scheinen die junge Frau und der Mann kaum geführt zu haben, kommunizierten oft nur über das Handy, wie Nachfragen des Kammer-Vorsitzenden Doktor Carsten Paul schon an den ersten Verhandlungstagen zeigten. „Und am Wochenende gab es viel Sex“, schreibt der Angeklagte in dem Brief. Von der Krankenschwester zeichnet er in seinem Schreiben das Bild einer eifersüchtigen Furie, die ihm mit „der Zerstörung meines Lebens“ drohte. Da sie sich „zurecht von mir verarscht gefühlt hat, weil ich nebenbei mit meiner Frau und den Kindern zusammen war“, habe sie etwas gegen ihn in der Hand gehabt. Mal sei sie liebenswert gewesen, dann völlig ausgerastet. Ihre Gemütslage habe sich in dem mehr als einem Jahr Beziehung binnen Minuten immer wieder geändert. „Wollte sie mit mir schlafen, meldete sie sich immer wieder. Konnte ich mal nicht, oder lief der Sex nicht wie sie wollte, rastete sie aus.“

Er berichtet von Drohungen, von Fristen, die sie ihm setzte seine Ehefrau und die Kinder zu verlassen. „Sie wusste von allem und sie hat trotzdem alles mitgemacht. Jetzt will sie Rache“, schreibt der Beschuldigte. Entscheidend für den Prozess könnten Tausende SMS und Chatnachrichten sowie Verbindungsprotokolle der Handys werden, die während der folgenden Prozesstage ausgewertet werden.

Ab 28. Oktober, beim nächsten Verhandlungstermin, wird es der Kammer um die Frage gehen, wie lange die Krankenschwester und der Gelegenheits-Jobber ein Paar waren und ob sich Hinweise auf die Brutalität des Angeklagten oder die Sex-Besessenheit und Rachelust des Opfers finden. Dann wird die Nebenklägerin, die mittlerweile umgezogen ist, abermals vor Gericht aussagen, einige rätselhafte SMS erklären müssen.

von Björn Wisker

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