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Sex-Opfer schildert Martyrium

Prozessauftakt Sex-Opfer schildert Martyrium

Wegen des Vorwurfs zweifacher Vergewaltigung steht ein 29-Jähriger vor dem Landgericht. Am Freitag war Prozessauftakt - und das Opfer aus Marburg sagte umfassend aus, der Angeklagte schweigt.

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Nachgestellte Szene: In ihrer Wohnung in der Cappeler Straße
ist eine 23-Jährige offenbar vergewaltigt worden. Archivfoto

Quelle: Peter Steffen

Marburg. In der Neujahrsnacht 2013 sowie Anfang März soll ein Gerüstbauer seine Ex-Freundin (23) brutal vergewaltigt haben.

Nach Diskobesuchen in Gießen, so die Anklage, habe er die Marburgerin mehrfach geschlagen und zum Sex gezwungen. Einmal drohte er ihr offenbar mit einer Pistole.

Während der Beschuldigte zu den Vorwürfen schweigt, sagte das mutmaßliche Opfer -eine Krankenschwester - gestern umfangreich aus. „Ich hatte vor der ersten Vergewaltigung noch nie vaginalen Sex. Weder mit ihm noch mit einem anderen Partner “, sagt die 23-Jährige.

Als sie die mutmaßlichen Sex-Angriffe schildert, bricht ihre Stimme, Tränen laufen ihr über die Wangen. Ihre Version der ersten Sex-Attacke: „An Silvester ließ er mich lange alleine in der Disko sitzen, dann hatte ich keine Lust mehr und ging alleine Richtung Hauptbahnhof um nach Hause zu fahren“, sagte sie. Wenige Minuten später habe er sie mit dem Auto eingeholt, angeschrien und sei mit ihr nach Marburg gefahren. In der Wohnung des Opfers in der Cappeler Straße soll er die junge Frau auf die Knie und zum Oralverkehr gezwungen haben. „Er riss mich an den Haaren, zog mich durch den Flur, schlug mich, warf mich auf die Couch und zog mir das Kleid vom Körper“, sagt die Krankenschwester. Sie habe sich vergeblich gewehrt. Er soll mehrere Finger in ihre Scheide gerammt haben, dann seinen Penis bis zum Samenerguss - ohne Kondom.

„Er sagte, dass er das aus Liebe getan habe und ich das ja auch gewollt habe“, schildert sie. Bis zu zwei Stunden soll das Martyrium im Wohnzimmer gedauert habe. Ihr ganzer Unterkörper habe geschmerzt, sie habe sich in den folgenden Stunden erbrechen müssen. Zu einer gynäkologischen Untersuchung habe sie sich erst einige Tage später durchringen können.

Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung habe sie jeden Kontakt zu dem Angeklagten abgebrochen. „Ich saß wochenlang nur zu Hause, aus Angst, ihm irgendwo zu begegnen.“ Sie wechselte die Handynummer und sah ihn nach eigenen Aussagen monatelang nicht mehr - bis zu dem Tag der zweiten Vergewaltigung.

Zweite Vergewaltigung gegenüber des Stadtbüros

Zufällig, so das Opfer, traf sie Anfang März in derselben Gießener Disko wie bereits im Januar auf den 29-Jährigen. Er habe sie nach einem kurzen Wortgefecht aus dem Gebäude gezogen und in sein Auto gedrängt. Freundinnen des Opfers, die teilweise ebenfalls am Freitag aussagten, versuchten nach eigenen Angaben das zu verhindern. Die Bekannten des mutmaßlichen Täters sollen den Zeugenaussagen zufolge die Freundinnen zurückgehalten und beschwichtigt haben.

„Dann raste er wieder nach Marburg, zu meiner Wohnung“, sagt die 23-Jährige, die auch als Nebenklägerin in dem Prozess auftritt. In der Frauenbergstraße, auf einem Parkplatz gegenüber des Stadtbüros, habe der Gießener das Auto abgestellt, die Türen verriegelt und soll dann über sie hergefallen sein. „Er riss mir die Kleidung, einen Einteiler vom Körper und würgte mich mit dem Gurt“, sagt sie. Erst soll er abermals mit mehreren Fingern, dann mit dem Penis in sie eingedrungen sein. „Ich habe geschrien vor Schmerzen“, sagt sie. Kurz vor der erneuten Vergewaltigung klingelte das Handy des Angeklagten, die besorgten Freundinnen der Krankenschwester riefen an und verlangten zu erfahren, ob es der Marburgerin gut gehe. „Er gab mir das Handy und öffnete kurz zuvor das Handschuhfach, dort zeigte er mir eine Pistole und drohte, abzudrücken wenn ich nicht sage, dass es mir gut geht.“

Sowohl nach der ersten Vergewaltigung - nach welcher sie sich noch nicht traute, Anzeige zu erstatten - als auch nach dem zweiten Übergriff wurde sie von Ärzten untersucht, sie verschrieben ihr die Pille danach. Sowohl die Mediziner als auch Polizisten und Freunde des Angeklagten werden im Laufe des September gehört. Für den Prozess sind bislang fünf Verhandlungstage angesetzt. Der zweite Prozesstag beginnt am 4. September um 8.30 Uhr im Landgericht.

von Björn Wisker

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