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Senioren sehen Gesetzgeber in der Pflicht

Führerschein Senioren sehen Gesetzgeber in der Pflicht

Angestoßen durch die Berichterstattung der OP beschäftigt sich die Arbeitsgemeinschaft 60 plus der SPD mit der Fahrtauglichkeit älterer Menschen - und fordert regelmäßige, gesetzlich vorgeschriebene Sicherheits-Checks für alle Autofahrer.

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Alte Führerscheine, eingezogen und für ungültig erklärt von der Führerscheinstelle Marburg-Biedenkopf. Ihre früheren Besitzer wurden in ärztlichen Tests als nicht mehr fahrtüchtig eingestuft. Eine Situation, vor der sich viele ältere Menschen fürchten.Foto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Debatte entstand durch die Berichterstattung der OP über altersbedingte Fahruntauglichkeit. Die Polizei hatte sich in einer Sicherheitsstudie eingehender mit dem Thema beschäftigt. Statistik steht hierbei gegen Statistik, die gestiegenen Unfallbeteiligung älterer Verkehrsteilnehmer auf der einen, die belegte umsichtigere Fahrweise von Senioren auf der anderen Seite.

Der Thematik stellte sich die Arbeitsgemeinschaft 60 plus der SPD und appellierte an einen offenen Umgang mit dem Thema - und an selbstkritische Eigenverantwortung. Rund 25 Mitglieder erörterte gemeinsam mit Experten Fakten und Lösungsansätze für das sensible Thema. „Es ist wichtig, dass die Alten dieses Thema anstoßen“, sagte Teilnehmer Hans-Reiner Mudersbach. Wie seine Kollegen ist sich der 75-Jährige darüber im Klaren, dass die sensible Thematik bei den Betroffenen eher auf offene Ohren stößt, wenn sie von Altersgenossen angeschoben wird.

TÜV bietet freiwillige Leistungstests

Über die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen sprach Joachim Sontowski vom TÜV Hessen. Er stellte eine Studie des europäischen Sicherheitsrates vor. Diese ergab, dass bei Menschen zwischen 65 und 75 Jahren wenig Auffälligkeiten hinsichtlich ihrer Fahrtauglichkeit ermittelt werden konnte. Ab 75 Jahren setze jedoch eine deutliche Erhöhung des Unfallrisikos ein, ab 80 verdoppele es sich. Ab 85 Jahren sei das Risiko mit dem von Fahranfängern gleichzusetzen, so die Studie.

Statistiken seien schön und gut, aber alles über einen Kamm zu scheren der falsche Weg. Man müsse viel eher differenzieren: Eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr hängt von vielen Faktoren ab, betonte der Verkehrspsychologe. Der individuelle Zustand, insbesondere gesundheitliche Aspekte, Reaktionsfähigkeit, Sehvermögen oder die Einnahme von Medikamenten, welche die Fahrtauglichkeit positiv oder negativ beeinflussen, gilt es zu beachten. Um diese individuelle Fähigkeit zu ermitteln und den Senioren aufzuzeigen, bietet der TÜV seit etwa zehn Jahren freiwillige Leistungstests an, bei denen die Fahrtauglichkeit geprüft wird. Dabei messen Verkehrsspezialisten die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer. Die Ergebnisse werden gemeinsam besprochen, Experten geben Tipps zur Erhaltung der Fahrtauglichkeit.

Arbeitsgemeinschaft stellt Antrag an den Bundestag

Die Tests sind auf Wunsch anonym, die Gutachter unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Selbst bei völliger Fahruntauglichkeit erfolgt keine Meldung an Polizei oder Fahrerlaubnisbehörden. Das Angebot soll Fahrzeugführer zu einem selbstkritischen Umgang mit den eigenen Fähigkeiten animieren, ohne Angst vor sofortigen Konsequenzen haben zu müssen.

Trotzdem werden die Sicherheitstests schlecht angenommen. Der TÜV will gerade Verkehrsteilnehmer ansprechen, die durch Alter oder Krankheit unsicher im Umgang mit dem Fahrzeug geworden sind, erklärte Sontowski. „Es gibt genügend Betroffene, aber nicht alle sind in der Lage ihre ­Fahruntüchtigkeit einzusehen“, sagte der Psychologe. Häufig sei die Angst vor einer ­Überprüfung der eigenen Fähigkeiten groß - und viele stellten sich nur ungern dem vielleicht negativen Ergebnis. Der Wunsch nach Unabhängigkeit steht hier einer vielleicht ernüchternden Selbsterkenntnis gegenüber.

Senioren fordern Tests für alle Verkehrsteilnehmer

Der Gesetzgeber sehe bei dem Thema keinen weiteren Handlungsbedarf. Dies sehen viele Menschen, jung und alt, anders. Auch die Arbeitsgemeinschaft 60 plus. Dieser Ansatz wurde während der angeregten Diskussion deutlich: Die Senioren fordern staatlich geregelte, regelmäßige Sicherheitstests. Jedoch für alle Verkehrsteilnehmer, nicht nur für Ältere. Eine „altersdiskriminierende Grenze“ lehnen die meisten Senioren entschieden ab, wollen sich nicht in eine Statistik pressen lassen, die eine individuelle Tauglichkeit nicht wahrnimmt. Die Prüfung der allgemeinen Fähigkeiten sei wichtig, sowohl in jüngeren Jahren wie auch als regelmäßige Kontrolle für Senioren, war sich die Versammlung einig. Ebenfalls sprachen sich die Teilnehmer für eine gesetzliche Verpflichtung aus, der Ansatz der Freiwilligkeit habe keinen Erfolg gezeigt. Die Arbeitsgemeinschaft 60+ will demnächst einen entsprechenden Antrag an den Bundestag schicken.

Weitere Informationen über die TÜV-Mobilitätsberatung  lesen Sie hier

von Ina Tannert

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