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Selfie-Forscher erkunden Selbstbilder

Tagung Selfie-Forscher erkunden Selbstbilder

Eine Tagung über Selfies – die per Smartphone fotografierten fotografischen Selbstporträts, die über „Soziale Medien“ verbreitet werden –  fand zwei Tage lang an der Marburger Uni statt.

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Sogar Selfie-Forscher können sich selbst per Smartphone fotografieren.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Auch Selfie-Forschern macht es Spaß, Selfies von sich zu „schießen“. Dies bewiesen die Teilnehmer der Marburger Tagung „#Selfie – Imag(in)ing the Self in Digital Media“. Zu Beginn der Konferenz bat Tagungsleiter Professor Jens Ruchatz alle Anwesenden, sich mit ihren Smartphones selbst abzulichten. Mit Begeisterung zückten die Tagungs-Teilnehmer ihre Mini-Kameras und schritten zur Tat.

Genau um diese Lust, sich selbst zu fotografieren und dann diese Schnappschüsse in ein soziales Netzwerk zu stellen, war das Thema der deutschlandweit ersten Tagung dieser Art im Marburger Ernst-von-Hülsen-Haus, die sich nur den Selfies widmet.

Jens Ruchatz hatte in seinem einleitenden Vortrag jede Menge Selfie-Anschauungsmate­rial mitgebracht, das er den Zuhörern in einer „kommentierten Bilderschau“ präsentierte – natürlich immer unter dem wissenschaftlichen Blickwinkel gesehen. Der Medienwissenschaftler von der Marburger Universität zeigte beispielsweise, dass es  neben den allseits bekannten „Star-Selfies“ von Hollywood-Schauspielern oder Fußballspielern auch ganz ungewöhnliche Arten der Smartphone-Selbstporträts gibt, wie die Hunde- oder Katzen-Selfies, bei denen die vierbeinigen Lieblinge der Menschen sich selbst per Pfotendruck fotografieren. „Es gibt sogar Apps, die Katzen motivieren,  Selfies zu machen“, berichtet Ruchatz.

Einem speziellen Subgenre von Fotografien widmete Ruchatz ebenfalls einige Randbemerkungen. Es handelt sich dabei um Fotos von Menschen, die Selfies machen. Die Urhebern dieser Aufnahmen, die sich selbst fotografierende Personen in einem amerikanischen Museum fotografierte, fühle sich wohl den „Selfie“-Fotografen überlegen, kommentierte Ruchatz. Bei der Tagung soll es auch darum gehen, wieso Selfies, deren Anfertigung theoretisch schon seit rund 15 Jahren  möglich waren, erst in den vergangenen ein, zwei Jahren einen solchen weltweiten Siegeszug schafften und zu einem Riesen-Medienthema wurden.

Hunderte von Seiten mit Selfies durchforstet

Eine philosophische und prinzipiell kulturkritische Herangehensweise hatte in seinem Vortrag Hagi Keenan (Tel Aviv/Israel). Ausdrücklich betonte er, dass er selbst bisher kein „Selfie-Produzent“ gewesen sei. Im Vorfeld der Tagung durchforstetet er aber Hunderte von Seiten mit Selfies aller Art. Dabei machte er folgende Beobachtung: „Es ist sehr interessant,viele Gesichter zu sehen. Aber mit der Zeit kommt dann auch Langeweile auf.“

Klar sei, dass es den Machern der Selfies beim Posten auf Facebook oder Twitter auch auf positive Rückmeldungen zu ihren Selbst-Fotos ankomme. Mit Hilfe der selbst angefertigten Fotos von sich selber gehe es den Fotografierenden auch darum, eine Kontrolle über ihre Außenwirkung zu behalten.

Allerdings, so Keenans Kritik, seien die massenhaft hergestellten Selfies ästhetisch eher austauschbar und dienten so eher als Basis für eine Selbst-Promotion. Andere Forscher sehen die innovative Kraft, die in dem neuen Bildmedium steckt, jedoch sehr viel positiver.

von Manfred Hitzeroth

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