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Selbst die Lehrer sagen "Danke, Can"

Gesangstalent Selbst die Lehrer sagen "Danke, Can"

Verbrannte Bonbons, stolze Mitschüler und Lehrer sowie die Freiheit zum Singen: ein Schulbesuch mit Marburgs Kandidat für "The Voice Kids", Can Sisamci.

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Er hat gut lachen: Can Sisamci hat in der Schulküche den Zucker für die Bonbons anbrennen lassen. „Bleib lieber beim Singen“, war die Antwort der Freunde. Der 14-Jährige ist, seitdem er bei „The Voice Kids“ auf Sat1 mitmacht, ein kleiner Star an der Richtsberg-Gesamtschule. Fotos: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Große Pause. Das ist das, worauf die meisten Schüler warten. Klar. Zeit zum Frühstücken. Zeit zum „Schwätzen“. Für Can ist das die Zeit, um zu singen. Der 14-Jährige packt seinen Kram in den Rucksack, fährt sich mit den Fingern durch seine dichte schwarze Haartolle und schlendert durch den Flur der Richtsberg-Gesamtschule (RGS).

„Hey Can, geile Sache“, kommentieren ein paar entgegenkommende Jungs die Tatsache, dass er gefilmt wird. Ein paar kleine Mädchen kichern und schauen ihm bewundernd nach. Seitdem Can Sisamci bei der Talentshow „The Voice Kids“ mitgemacht hat und in die sogenannten „Battles“ eingezogen - also eine Runde weitergekommen ist -, ist er an der RGS ein kleiner Star. „Ich finde es super, dass er da mitmacht. Er hat eine echt tolle Stimme und kann super singen“, findet Klassenkameradin Kim Wicht. Mitschüler Pius Hobsch empfindet das genauso: „Als ich Can im Fernsehen gesehen habe, war das ein komisches Gefühl, aber auch ein gutes“, erinnert er sich lachend.

Auch wenn Can mittlerweile auf seiner Facebook-Seite mehr als 2000 Freunde hat, ist er ganz der „Alte“ geblieben. Abgehoben? Arrogant ob des frühen Ruhms? Bei Can keine Spur. „Hä? Nee, der Can, der ist ganz normal geblieben, eher sogar noch bisschen offener und lustiger geworden“, betont Mitschüler und Freund Alexander Kuhnert. Der 14-Jährige ist mit Can unterwegs in den Musikraum, der den Schülern der RGS immer offensteht. Ein paar Mädchen sind bereits da und nutzen die Pause ebenfalls zum Singen und zum Musik machen.

„Wir haben hier voll die krassen Möglichkeiten, und das ist echt super“, betont Chantal Seibert. Sie selbst hat mit einer Mitschülerin auch einen eigenen Song geschrieben und ihn im hauseigenen Tonstudio professionell aufgenommen. Damit war sie nicht allein, viele Schüler haben ihre ganz persönlichen Songideen verwirklicht und anschließend in Videos festgehalten, die sie dann sogar selbst geschnitten haben.

Das offene Musikangebot ist ein erfolgreiches Konzept an der RGS, die aus diesem Grund den Titel „KulturSchule des Landes Hessen“ trägt. Darauf ist auch der stellvertretende Schulleiter Marcus Kauer stolz. „Unseren musikalischen Schwerpunkt nennen wir Perlentauchen, weil wir ja gar nicht wissen, wer Interesse an Musik hat und welche Begabungen in einem Schüler schlummern“, sagt Kauer, der auch für den Musikbereich verantwortlich ist.

Dass das Musikkonzept der Schule Can nun so erfolgreich macht und im Umkehrschluss durch ihn in die Öffentlichkeit strahlt, macht Kauer glücklich: „Can hat sich hier immer engagiert. Man kann eigentlich nur sagen: ‚Danke, Can!‘“

Can selbst nimmt den Trubel um seine Person ganz gelassen. Er setzt sich mit seinem Freund Alex an den Flügel und fängt an zu singen. In der Show hat er sich gegen Lena Meyer-Landrut und gegen Sascha, aber für Mark Forster als Coach entschieden. Mit ihm erhofft sich Can, in der Show möglichst weit zu kommen. „Aber auch wenn nicht, ist es ok, die Erfahrungen, die ich bis jetzt gemacht habe, sind einfach super“, sagt er und interpretiert „Once I was seven years old“ von Lukas Graham. Seine Stimme ist für sein Alter sehr tief, das fand auch Popstar Mark Forster gut.

Die Pause ist vorbei. Can und Alex müssen den Flügel stehenlassen und zurück zum Unterricht. Biologie steht auf dem Stundenplan. Backen ist da angesagt. In der Schulküche sind die Mitschüler bereits voll zugange.

Auch Can will mithelfen und schnappt sich den Kochtopf mit dem karamelisierten Zucker, aus dem Bonbons werden sollen. „Sieht aus wie das, was man auf die Kartoffeln macht, Rahmsoße“, sagt er lachend und rührt. Kurze Zeit später qualmt es fürchterlich aus dem Kochtopf. Angebrannt. „Can, du solltest doch lieber beim Singen bleiben“, rufen seine Kumpels, lachen herzlich und klopfen ihrem Freund auf die Schulter.

„The Voice Kids“ läuft jeden Freitag, ab 20.15 Uhr auf Sat1. Gestern Abend war Can nicht zu sehen, da bei den Blind Auditions weitere Kandidaten die erste Runde bestreiten mussten. Die Battles kommen in den nächsten Folgen.

von Nadine Weigel

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