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Seit mehr als 65 Jahren Seite an Seite

Urgesteine am Pilgrimstein Seit mehr als 65 Jahren Seite an Seite

Karl Peter König führt entgegen der Erwartungen seines Vaters seine Autosattlerei am Pilgrimstein nun mehr seit fast 60 Jahren. Unterstützt wird er dabei von Frau Adele, mit der er jetzt die Eiserne Hochzeit feierte.

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65 Jahre verheiratet: Karl Peter und Adele König feierten ihre Eiserne Hochzeit im engsten Familienkreis beim Mittagsgebet in der ­Elisabethkirche.

Quelle: Tobias Kunz

Marburg. „Mal sehen, wie lange du es aushältst“, sagte sein Vater einst zu Karl Peter König, als er das Familiengeschäft am 1. Januar 1958 übernahm. Fast sechzig Jahre später lässt sich festhalten: sehr lange. Noch länger sind Karl Peter und Adele König indes verheiratet. Am 11. Oktober feierte das Ehepaar die Eiserne Hochzeit.

Mit 500 Mark Ersparnis übernahmen sie damals die Traditionswerkstatt der Familie. Auch heute noch ist das Geschäft angemeldet, wenngleich sich der Autosattlermeister nur noch an Kleinigkeiten versucht. „Vieles gelingt nicht mehr“, gibt Karl Peter König, der drei Tage nach dem Ehejubiläum 88 Jahre alt wurde, offen zu.

1956 ging er als Volontär in die Schweiz, 1994 feierte das Familienunternehmen 100-jähriges Bestehen. Immer an seiner Seite: Ehefrau Adele, die sich an schwere Zeiten zurückerinnert: „Angefangen haben wir damals mit 50 Pfennig in der Stunde.“

Kennen und lieben gelernt hatten sich beide bereits 1948 bei einem „Tanzvergnügen am Ortenberg“. 1952 folgte dann die Hochzeit. Für Adele König etwas besonderes, wie sie 65 Jahre später unverblümt zugibt. „Ich war ja ein einfaches Mädchen. Königs hatten schon damals einen Namen in Marburg“, sagt sie. Heute leben beide noch immer über ihrem Geschäft am Pilgrimstein.

Dort feierten sie auch mit ihren Gästen Karl Peters 88. Geburtstag. Die Eiserne Hochzeit beging das Paar im kleinsten Familienkreis beim Mittagsgebet in der Elisabethkirche. Zur Freude der beiden war dort auch Pfarrerin Dr. Anna-Karena Müller zugegen. „Zum Abschluss haben wir noch ‚Der Herr ist mein Hirte‘ aufgesagt. Das war mein Konfirmationsspruch“, freut sich die 87-jährige Adele.

Auch wenn beide nicht mehr allzu schnell zu Fuß sind, gehen sie doch regelmäßig noch aus dem Haus. Dann schnappt sich Karl Peter seinen Rollator und seine Schiffermütze und folgt Adele zum Wochenmarkt. Das Marburger Urgestein muss nur hier und da kurz verschnaufen. Seine Schlagfertigkeit hat er aber nicht eingebüßt. „Ich warte auf das U-Boot“, bekommt ein Passant da gerne mal zu hören, wenn er fragt, warum Karl Peter denn eine Pause einlegt.

Die Gesellschaft von anderen Menschen war dem Ehepaar König immer wichtig. Ob Feuerwehr, Marburger Volkschor oder Ketzerbachgesellschaft: Überall hatten Königs am Zusammenleben in Marburg ihren Anteil und engagierten sich ehrenamtlich. Auch heute nehmen beide gelegentlich noch an Veranstaltungen teil. Doch auch im eigenen Haus gibt es genug Arbeit. Zehn Studentinnen wohnen derzeit zur Miete bei Königs, darunter einige mit Migrationshintergrund. Auch Kinder hört man im Treppenhaus spielen.

So ist bei Königs am Pilgrimstein immer etwas los. Und wenn es Karl Peter doch einmal zu viel wird, zieht er sich in seine Werkstatt zurück, tüftelt an seinen alten Arbeiten herum oder schwelgt einfach nur in Erinnerungen. Auch dort immer an seiner Seite: Adele, die dann im Schaukelstuhl sitzt und liest.

von Tobias Kunz

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