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Seit 90 Jahren dem Frohsinn verpflichtet

Gemeinde Weidengrün Seit 90 Jahren dem Frohsinn verpflichtet

Vor 90 Jahren, im Jahre 1926, waren es junge Burschen aus dem Stadtteil Weidenhausen, welche die gesellige Vereinigung „Gemeinde Weidengrün“ in der Gastwirtschaft Schaumann gegründet haben.

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Die Gesangsgruppe „Nachtigallen von St. Jost“ bei der Fastnacht im Jahre 1978.

Quelle: privat

Marburg. Die Mitglieder waren Bürger des Stadtteils und der Vorstand setzte sich zusammen aus dem Gemeinderat. Als Vorsitzender wurde 1926 Bürgermeister Konrad Spies gewählt, weiterhin zählte der Gemeindeschreiber und der Gemeinderechner dazu.

Im Zweiten Weltkrieg ruhte das Vereinsleben. 1947 wurde das Gemeindeleben im Gasthof „Zum Erlenhof“ wiederbelebt und man traf sich einmal im Monat beim Gastwirt Prinz. Es sollte sich nach den Kriegsunruhen im ältesten Stadtteil Marburgs wieder Geselligkeit einstellen.

Zwei Bürger, Hermann Kuhl und Heinz Köster, können sich heute sehr gut an den Beginn 1947 erinnern, da sie nach dem Krieg mit die ersten waren, die das Gemeindeleben mitgestaltet haben. Köster war viele Jahre aktiv im Gemeinderat und hat für den Stadtteil bei der heutigen Erlengrabengesellschaft während der Graben- und Strandfeste die Kassenführung übernommen. Über Nachwuchsmangel konnte sich die Gemeinde, vor allem nach Kriegsende, nicht beklagen.

Es gehörten damals auch zu den Mitgliedern Spieler des Fußballvereins Germania 08, nachdem dieser seinen Spielbetrieb wieder aufgenommen hatte, wie auch Studenten des Verbindungshauses ATV.

Auch da mangelte es nicht an Nachwuchs, da Weidenhausen bekannt war für Kinderreichtum. Zu weiteren Mitgliedern gehörte der dritte Zug der Marburger Freiwilligen Feuerwehr.

Obwohl nach dem Krieg die wirtschaftliche Situation bei den meisten ziemlich schlecht war, hatten die jungen Bürger den Mut, die Gemeinde neu aufzubauen und die Geselligkeit aufblühen zu lassen.

Musikus Manfred gründete zwei Gesangsgruppen

Da die „Gemeinde Weidengrün“ immer größer wurde, musste 1954 der Umzug in die Gaststätte Konrad Karger, der gleichzeitig Bürgermeister war, stattfinden. Ab da engagierten sich die Gemeindemitglieder auch in der Fasenacht.

In den Jahren bis 1962 kamen immer mehr „Neubürger“ hinzu, unter anderem auch Manfred Brauer.

Alte Marburger werden ihn kennen, er ist Akkordeon-Musiker und belebte mit seiner „Quetsche“ von nun an mit Musik und Gesang sämtliche Gemeindefeste. Er sammelte alle Kneipenlieder und es entstand das Liederbuch „Gesellige Vereinigung Weidengrün“.

Anfang der 70er-Jahre kam Hans-Christian Sommer nach Marburg und brachte mit seinem rheinischen Frohsinn der Marburger Fastnacht neuen Glanz.

Auch für die Gemeinde Weidenhausen war es wie ein Neubeginn, denn es wurden vom Musikus Manfred zwei Gesangsgruppen gegründet, die „Nachtigallen von St. Jost“ und die „Weidengrüner Jungen“.

Bei den Umzügen, wie auch bei den Sitzungen, waren viele Weidenhäuser mit dabei: Bürgergarde, Tanzgarde, Grabenlieschen, Nachtigallen von St. Jost, wie auch die Weidengrüner Jungen, die das jeweilige Mottolied sangen.

Heutiger Bürgermeister der „Gemeinde Weidengrün“ ist Marcel Schaefer. Er ist der Urenkel aus dem Radiogeschäft Daniel, der sein damaliges Geschäft am früheren Krummbogen (heutige Stadtautobahn) hatte.

Neben allem Frohsinn denken wir auch an die eigene Endlichkeit: Eine Eiche auf dem Alten Friedhof in Weidenhausen ist uns von der Stadt als Ruhestätte für „Weidengrüner“ zur Verfügung gestellt worden.

Das heutige Vereinshaus „Hannes“ steht für alle Weidenhäuser offen.

von Wilhelm Lenz

  • Wilhelm Lenz (82) ist seit 65 Jahren Mitglied der „Gemeinde Weidengrün“, dort seit 40 Jahren aktiv im Gemeinderat und deshalb Ehrenbürger der Gemeinde.
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