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Seine Werke sind stadtbekannt

Bildhauermeister Rudolf Trautmann wird 75 Seine Werke sind stadtbekannt

Von seiner Hand stammen zahlreiche Werke in Marburg, die das Stadtbild bereichern, teils aus Sandstein oder Marmor, teils aus Bronze.

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Rudolf Trautmann (links) mit seinem Sohn Jan im Jahre 2008 bei der Arbeit am Tabernakel der Kugelkirche.

Quelle: Uwe Badouin (Archiv)

Hermershausen. Jeder Marburger hat sie schon wahrgenommen: die Brunnenschale am Augustinerplatz, den Sauhund oberhalb von Bückingsgarten, das Pferderelief in der Reitgasse, den Töpfer in der Ketzerbach, den Rosenbrunnen vor der Deutschen Vermögensberatung in der Rosenstraße. Wie  ansprechend sie sind, zeigt sich daran, dass immer wieder Passanten davor stehen und viele Kinder auf oder an seinen Werken spielen.

Bei der Sanierung von Sandsteinfassaden machten nicht nur der Klöpfelschlag auf Trautmanns Handwerk aufmerksam, sondern auch seine Kappe, sein Bart und seine leutseligen Informationen zu seiner Arbeit.

Die Familie Trautmann stammt aus Schlesien und fand nach dem Krieg eine neue Heimat in Westfalen. Ab 1957 machte Rudolf Trautmann eine Ausbildung als Holzbildhauer, ab 1962 eine weitere als Steinbildhauer.

Es folgten Studienjahre an der Folkwangschule in Essen, an der Accademia di Belle Arti in Florenz und an der Fachoberschule für Gestaltung in Bielefeld.

Nach weiteren zwei Jahren an der Meisterschule für Steinmetze und Steinbildhauer in Freiburg erhielt Trautmann dort 1972 den Meisterbrief.

Seitdem arbeitete er als selbstständiger Steinmetz und Bildhauer, zunächst in Freiburg, wo er seine Frau kennenlernte, dann im Kastell Groot Buggenum in den Niederlanden, wo er für den Architektur-Professor Helmut Hentrich aus Düsseldorf als Bildhauer und Restaurator tätig war.

Im Jahre 1975 zog Trautmann nach Marburg, in die Heimat seiner Frau. Aufträge erhielt er bald von öffentlichen Institutionen und zahlreichen Privatleuten, sodass er 1983 eine geräumige Werkstatt in Hermershausen einrichten konnte.

Einige seiner bemerkenswerten Arbeiten über die oben genannten  Plastiken im öffentlichen Raum hinaus seien hier noch aufgezählt: die Holzschnitzarbeiten an der Sparkassenweiterung Gutenbergstraße, die Restaurierungen im Rathaus sowie im Schloss, an vielen Grabdenkmälern am Barfüßer Tor, in der Ockershäuser Allee und auf Friedhöfen der Umgebung, an Bildstöcken in Moischt und Bauerbach.

Eine schwierige Aufgabe war der Nachbau der gedrehten Säulchen am Tabernakel der Kugelkirche, die er gemeinsam mit seinem Sohn Jan ausführte.

Für hervorragende Restaurierungen am Haus Biegenstraße 20 und am ehemaligen EAM-Portal in Gisselberg erhielt Trautmann einen Sonderpreis der Stadt.

Tierköpfe liebt er: Der originelle Sauhund am Schloss und das Pferderelief in der Reitgasse (mit Bezügen zu Marburg) sind ihm besonders gut gelungen.  

Über Marburg hinaus wurde er mit weiteren Bildhauer-Arbeiten bekannt, in Momberg, Eppstein, Waldau und Wetter. An einigen Ausstellungen war er beteiligt, so im Palazzo Strozzi in Florenz und beim Marburger Kunstverein.

Seit 2013 ist Rudolf Trautmann im Ruhestand. Den Bildhauerbetrieb im Marburger Stadtteil Hermershausen führt sein Sohn Jan weiter.

von Elmar Brohl

  • Unser Autor Elmar Brohl, geboren 1935, war von 1973 bis 1997 städtischer Baudirektor.
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