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"Seilbahn? Nicht einmal geschenkt!"

Erreichbarkeit der Lahnberge "Seilbahn? Nicht einmal geschenkt!"

Die Bürgerinitiative gegen eine Seilbahntrasse (BI Geist) hat eine Bürgerinformation am Lahnufer veranstaltet.

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Am Lahnufer diskutierte die „Bürgerinitiative gegen eine Seilbahntrasse“ mit Gegnern und Befürwortern.

Quelle: Lisa Rossmann

Marburg. Für Georg Friedrich, Mitglied der Bürgerinitiative, gibt es mehrere Gründe gegen eine Seilbahn. Zum einen lägen die Kosten für die Umsetzung bei „deutlich über 50 Millionen Euro“. Dieser, von Befürwortern häufig genannte Betrag, beinhalte weder die Planungs-, noch die Kosten für Infrastruktur. Vielmehr sei mit einer Gesamtinvestition von 85 Millionen Euro zu rechnen, rechnet Friedrich vor.

Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) entgegnete, dass das Projekt bis zu 85 Prozent förderfähig sei und Marburg die Kosten somit nicht alleine trüge. „Die Betriebskosten für eine Seilbahn betragen darüber hinaus nur rund zehn Prozent der Betriebskosten für Busse“, sagte Kahle.

Dies begründete er mit der schnelleren Fahrzeit und dem großen Kilometerunterschied. Während Busse 15 bis 22 Minuten  vom Tal auf die Lahnberge brauchten, benötige eine Seilbahn nur zwei Minuten. Und: die Wegstrecke vom Tal auf den Berg beträgt per Bus 9 bis 16 Kilometer, per Seilbahn deutlich weniger.

Mehr Wald als angenommen müsste gerodet werden

Ein weiterer Grund gegen eine Seilbahntrasse stellt für Friedrich der massive Eingriff in das Stadtbild dar. Insgesamt vier Stationen müssten errichtet werden, die sowohl im Tal als auch entlang dem Berg deutlich zu sehen sein würden.
Er kritisierte weiter, dass der Eingriff in die Natur unterschätzt würde. „Es wäre fair, wenn miteinbezogen würde, wie viele Bäume gefällt werden müssen. Der benötigte Bauplatz ist derzeit nicht realistisch eingeschätzt“, sagte Friedrich.

Die Waldrodung beträfe insgesamt eine größere Fläche als zunächst angenommen.

Hinzu kämen noch Rettungs- und Fluchtwege seitlich der Strecke, die das Brutgebiet seltener Vogelarten, wie etwa des Buntspechtes, durchlaufen und die Vögel stören würden.

Zudem würden auch naturnahe Freizeit- und Erholungsbereiche an der Lahnaue, dem Schülerpark, sowie dem Spiegelslustturm durch massive Überbauung und Versiegelung zerstört.

Mit der Informationsleistung der Befürworter ist Friedrich nicht vollkommen zufrieden: „Ich fühle mich zwar nicht schlecht, aber einseitig informiert.“

Eine Prüfung des Projekts durch das beauftragte Ingenieurbüro ist seiner Meinung nach nicht objektiv genug. „Es wäre sinnvoller gewesen, die Prüfung Unabhängigen zu überlassen und nicht jenen, die ihr Geld mit dem Seilbahnbau verdienen“, erklärte er.

Tatsächlich beauftragte die Bürgerinitiative selbst Experten, sich die bislang veröffentlichten Studien anzusehen. Diese hätten die angegebenen Zahlen als zweifelhaft beurteilt und zu einer erneuten Überprüfung geraten, erläuterte Friedrich.

„Viele Bürger wollen die Seilbahn nicht einmal geschenkt“, schließt Friedrich aus einer von der Bürgerinitiative durchgeführten Befragung am Ortenberg. Von 350 befragten Haushalten hätten sich 95 Prozent gegen die Seilbahn ausgesprochen. Erhoben wurde die Befragung im Bereich Ortenberg, da im Falle einer Realisierung die Seilbahn vor allem dort Anwohner direkt betreffen würde.

Kahle: noch keine Vorentscheidung

„Ich würde mir wünschen, dass das Projekt nicht weiter verfolgt und vor allem nicht noch mehr Geld investiert wird, das an anderer Stelle besser genutzt werden könnte“, stellte Friedrich klar.
Derzeit seien für Gutachten bereits über 20 000 Euro investiert worden. Als Alternativen zur Seilbahn sieht die Bürgerinitiative vor allem das Fahrrad und den Busverkehr. „Die Stadtwerke sind in der Lage, auf den steigenden Bedarf zu reagieren und diesen zu decken“, sagte Friedrich.

Unklar bleibe, wie die Beförderung von der Bergstation zu Universitätsgelände und Klinikum erfolgen soll. „Denkbar wäre ein Shuttleservice oder man führt die Hauptlinien durch das Gebiet“, erklärte Bürgermeister Kahle.
Kahle erinnerte daran, dass bislang keine Entscheidung getroffen wurde, sondern das Projekt zunächst weiter geprüft werde. Es sei jedoch wichtig,   sich tiefer auf die Thematik einzulassen.
Dennoch stellte er klar: „Ein Nein kann auch in einer späteren Planungsphase noch kommen.“

von Lisa Rossmann

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