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Sehende tauchen ein in Welt der Blinden

Aktion Sehende tauchen ein in Welt der Blinden

Während der Woche des Sehens machten bundesweit Blindenvereine auf Probleme durch Augenkrankheiten aufmerksam.

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Mit Langstock und Simulationsbrille ausgestattet, kämpften sich die Schüler der 6. Klasse der Emil-von-Behring-Schule durch den Blindenparcours der Christoffel-Blindenmission.Foto: Ina Tannert

Marburg. Treppen, Ecken, Hindernisse, Fallen: Eine besondere, völlig neue Erfahrung machten vergangene Woche zahlreiche Marburger auf dem Marktplatz - sie erlebten am eigenen Leib, welchen Herausforderungen sich blinde Menschen tagtäglich stellen müssen.

Mit Blindenstock und Simulationsbrille ausgestattet begaben sich die Besucher des Blindenparcours orientierungs- und hilflos für einige Minuten in die verschwommene Welt sehbehinderter Menschen.

Organisiert wurde die Erlebnis- und Informationsveranstaltung am Donnerstag und Freitag von der Christoffel-Blindenmission (CBM), die während der bundesweiten Woche des Sehens auf die weltweite Problematik verbreiteter Augenkrankheiten aufmerksam machte. Zu diesem Zweck hatte der Verein unter anderem einen Blindenparcours bereitgestellt: In dem zehn Meter langen Gang wurden Treppenstufen, eine Mülltonne, wechselnder Bodenbelag, herabhängende Gegenstände und andere Hindernisse zu einer echten Herausforderung für die mit einer Brille, die den grauen Star simuliert, ausgestatteten Teilnehmer.

Das Interesse an der Aktion war gut, mehr als 200 Besucher, inklusive vier Schulklassen, nutzten den Erlebnisgang und informierten sich bei den verschiedenen Vereinen über Erkrankung, Hilfsmittel und Probleme sehbehinderter Menschen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Interesse. Es ist wichtig, dass die Leute sich bewusst über die Probleme und alltäglichen Hindernisse für Blinde klar werden“, betonte Annette Keseberg von der CBM.

Neben der Entwicklungshilfeorganisation informierte ebenfalls der Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen, die Blista sowie die Beratungsstelle Blickpunkt Auge über das Thema. Die Besucher erfuhren den Umgang mit verschiedenen Hilfsmitteln wie tastbare Bilder, Bücher, Spiele oder Blindenschreibmaschine und lernten die Braille-Blindenschrift kennen.

Neben dem Parcours weckte die ausgeklügelte tastbare Schrift großes Interesse, vor allem bei den Kindern, welche die Veranstaltung besuchten und sich mit den gepressten Punktmustern vertraut machten. „Das ist wirklich interessant und macht vieles verständlicher“, zeigte sich etwa Tim aus der sechsten Klasse der Emil-von-Behring-Schule beeindruckt. „Man bekommt so erst einmal mit, wie normale Dinge wie sich gegenseitig einen Ball zuwerfen zum Problem für Blinde werden können“, fiel auch Mitschüler Nico auf.

„Marburg ist zum Glück gut bestückt mit Leitsystemen für Blinde“, sagte Annette Sander von der Bezirksgruppe Marburg des Blinden- und Sehbehindertenbundes Hessen. Immer problematischer für blinde Menschen werden in der heutigen Zeit jedoch moderne Techniken wie etwa die steigende Verwendung von Displays und Touchscreens anstelle von Schaltern im öffentlichen Raum, die vielfach ungeeignet für Blinde sind, erklärte die Mitorganisatorin der Marburger Aktion.

Die bundesweite Kampagne Woche des Sehens fand in diesem Jahr unter dem Motto „Gute Aussichten“ statt. Ziel der Aktionswoche ist ein stärkeres Verständnis und eine Vermeidung von Blindheit. Vor Ort machte unter anderem der CBM auf weltweit verbreitete Augenkrankheiten aufmerksam und sammelte Spenden. Die häufigste Ursache von Blindheit ist der graue Star, eine schleichende Trübung der Augenlinse, an dem weltweit rund 20 Millionen Menschen, vor allem in Entwicklungsländern leiden. Diese führt unbehandelt mit der Zeit zur völligen Blindheit. In der dritten Welt eine Folge wie auch eine Ursache von Armut - ein Teufelskreis, erklärte Keseberg. Der Verein unterstützt seit Jahrzehnten Bestrebungen zur Bekämpfung der Krankheit in Entwicklungsländern.

Weiter Informationen unter www.cbm.de

von Ina Tannert

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