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Segen bringen und Segen sein

Film zur Sternsingeraktion mit Willi Weitzel Segen bringen und Segen sein

Am 6. Januar ist Dreikönigstag. Der Stadtallendorfer Helmar „Willi“ Weitzel hat zur 57. Sternsingeraktion des Kindermissionswerks einen Film gedreht. Dafür besuchte er Hilfsprojekte für mangelernährte Kinder auf den Philippinen.

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Das macht betroffen: Willi Weitzel erfährt etwas über die Hintergründe von Mangel- und Fehlernährung von Kindern auf den Philippinen.

Quelle: Bettina Flitner

Marburg. Die Sternsinger laufen normalerweise von Tür zu Tür, klingeln, bringen Segen und sammeln Spenden. Bei Fernsehreporter Willi Weitzel riefen sie einfach auf dem Mobiltelefon an. „Sie fragten, ob ich nicht Lust hätte, in das Aktionsland zu reisen, mir Hilfsprojekte anzuschauen und einen Film darüber zu drehen“, erklärt der gebürtige Stadtallendorfer gegenüber der OP. Ohne zu zögern sagt Weitzel zu: „Ich war früher selbst als Sternsinger unterwegs. Da musste ich gar nicht lange überlegen, schließlich ging es um eine gute Sache.“

Das war im Jahr 2012. Weitzels erster Film entstand daraufhin für die Sternsingeraktion 2013 in Tansania. 2014 stand der Besuch in einem Flüchtlingslager im Mittelpunkt. Und für den Film der diesjährigen Sternsingeraktion, die den Titel „Segen bringen, Segen sein. Gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen und weltweit“ trägt, war der 42-Jährige in dem Inselstaat im Pazifik unterwegs.

„Ich fliege dorthin, um zu sehen, wofür das Geld der Sternsinger verwendet wird“, berichtet er. In erster Linie solle der Film Kinder und Jugendliche motivieren, als Sternsinger von Tür zu Tür zu ziehen. Darüber hinaus machen die Filme laut Weitzel deutlich, warum es sich auf jeden Fall lohnt, die Sternsinger ins Haus zu lassen und ihnen mit gutem Gefühl eine Spende in die Hand zu drücken. „Denn mit dem Geld kann ganz schön was bewegt werden“, sagt er.

Tageslohn reicht nicht, um einen Fisch zu kaufen

Auf den Philippinen ist jedes dritte Kind mangelernährt: „Das heißt, es bekommt zwar häufig genug zu essen, aber die Nahrung ist zu einseitig. Die Armen essen fast ausschließlich Reis, weil sie sich Obst, Gemüse und Fisch gar nicht leisten können“, sagt Weitzel. Also bekommen Kinder wie Erwachsene nicht ausreichend Vitamine und Mineralien.

Ein Gespräch mit einem philippinischen Fischer zu diesem Thema hat sich Weitzel nachhaltig eingeprägt: „Zwölf Stunden ist der Familienvater auf dem Boot unterwegs, arbeitet unglaublich hart und holt tonnenweise Fisch aus dem Meer. Wenn er nach Hause geht, bekommt er schließlich seinen Tageslohn: Und der reicht nicht einmal aus, um nur einen einzigen Fisch für seine Familie zu kaufen“, berichtet der Stadtallendorfer.

Projekte sollen Kinder aus Armutsspirale befreien

In Manila, der Hauptstadt der Philippinen, hat Weitzel den „Engel im Müll“ kennengelernt – eine Frau, die sich mit ihrer Stiftung für die Kinder, die mit ihren Familien auf der Müllkippe im Armutsviertel Manilas leben, einsetzt, für sie kocht und ihnen zeigt, wie man sich gesund ernähren kann. „Das ist echt krass dort. Die Leute leben im wahrsten Sinne des Wortes im Müll. Sie haben sich aus Müll Hütten gebaut und essen, was im Müll zu finden ist“, erklärt der Fernsehreporter und erzählt von desolaten Zuständen und dem „Blick in den tiefen Abgrund unserer Welt“.

Die Not auf den Philippinen ist groß, die Spirale aus Armut, wenig Bildung und schlechter Ernährung riesig. „Mit einer guten Ernährung können die Kinder in der Schule auch aufpassen, sich Bildung aneignen und damit den Kreis vielleicht durchbrechen“, hofft Weitzel. Deshalb hat er für seinen Film auch ein Gartenprojekt in einer Grundschule besucht: Dort wird den Kindern im Fach „Ernährung“ gezeigt, wie sie im Garten ganz einfach Obst und Gemüse anbauen können.

Das dritte von Weitzel besuchte Projekt ist ein umfangreiches Programm zur Reduzierung der Mangel- und Unterernährung, das sich auf ehrenamtliche Helfer stützt, die Familien und Kinder besuchen und unterstützen.

„Die Dreharbeiten für die Sternsingerfilme gehen mir immer echt nah und sind sehr erdend“, schildert der Reporter, wie es ihm nach der Heimkehr ergeht. Dennoch ist auch stolz in seiner Stimme zu hören. Stolz, ein kleiner Teil einer großen Bewegung zu sein. „Die Sternsingeraktion ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder“, betont er.

Gesunde Ernährung steht im Mittelpunkt

Die Zahlen des Kindermissionswerks, welches die Sternsingeraktion bereits seit dem Jahr 1959 organisiert, belegen das: Im Januar 2014 sammelten die Sternsinger deutschlandweit rund 44,5 Millionen Euro. Rund 330 000 Jungen und Mädchen beteiligten sich damals in 11 075 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten an der Spendenaktion. Mit den gesammelten Spenden können dem Kindermissionswerk zufolge rund 1 800 Projekte für Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt werden.

Im Mittelpunkt steht dabei fast immer die gute und gesunde Ernährung und Entwicklung von Kindern. Aber auch Straßenkinder, Aids-Waisen, Flüchtlingskinder, Kindersoldaten, und Jungen und Mädchen, die nicht zur Schule gehen können, kein festes Dach über dem Kopf haben oder in Krisen- und Kriegsgebieten aufwachsen profitieren von den gesammelten Geldern.

Für die Sternsingeraktion 2016 war Willi Weitzel übrigens vor einige Wochen auch schon unterwegs – und zwar in Bolivien.

  • Unter dem Titel „Unterwegs für die Sternsinger: Willi auf den Philippinen“ kann der Film auf dem Internetportal Youtube angesehen werden. Zudem ist er auf der Homepage des Kindermissionswerks zu finden.

von Katharina Kaufmann

 
Hintergrund: Die Philippinen
  • Die Philippinen sind ein Inselstaat im Pazifik. Das Land besteht aus insgesamt 7107 Inseln, von denen 860 bewohnt sind.
  • Die Philippinen haben 106 Millionen Einwohner. Im Großraum Manila leben rund 17 Millionen Menschen – so viele wie in Österreich und der Schweiz zusammen.
  • Es gibt auf den Philippinen insgesamt 107 Sprachen und Dialekte. Offizielle Amtssprachen sind Englisch und Filipino.
  • Mehr als ein Viertel der Einwohner lebt unter der Armutsgrenze.
  • Jedes dritte Kind auf den Philippinen ist unter- oder mangelernährt – und das obwohl der Inselstaat ein sehr fruchtbares Land ist.
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