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„Seele braucht eine spirituelle Verbindung“

Runder Tisch der Religionen „Seele braucht eine spirituelle Verbindung“

Sören Rekel aus der Uni-Stadt Göttingen berich­tete, was es bedeutet, zu einer anderen Religion zu konvertieren.

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Die Teilnehmer des Runden Tischs der Religionen im Garten der Kugelkirche.

Quelle: Verena Pophanken

Marburg. Im Garten der Kugelkirche versammelten sich Menschen aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften, um sich darüber auszutauschen, was eine Konversion zu einer anderen Religion bedeutet. Unter der Leitung der evangelischen Pfarrerin Katja Simon entwickelte sich der Gesprächsabend trotz eines kurzen Regenschauers zu einer anregenden Runde voller verschiedener Meinungen.

Nach einigen kurzen Begrüßungsworten vom katholischen Pfarrer Franz Langstein erzählte Sören Rekel von seinen Erfahrungen mit einer Konvertierung zu einem anderen Glauben. Er war von der evangelisch-lutherischen Kirche zu den Bahai konvertiert. Bei den Bahai handelt es sich um eine junge Glaubensgemeinschaft aus dem 19. Jahrhundert. Gestiftet wurde sie in Persien (heutiger Iran und Irak) von Bahaullah. Seine Lehren haben den Grundsatz: Die mächtigste Kraft für den Wandel des menschlichen Verhaltens, die Beziehungen und Strukturen innerhalb einer Gesellschaft ist die Religion. Zugleich handelt es sich bei den Bahai um eine unabhängige Weltreligion.

Rekel stammt aus einer mit dem kirchlichen Leben verbundenen Familie. Bereits in seiner Konfirmandenzeit begann er, bestimmte theologische Hintergründe zu hinterfragen, was bis heute erhalten geblieben ist.

„Ich fand meine Bestärkung, den Weg zu gehen, in kleinen Erlebnissen“, berichtete Rekel. Dabei waren vor allem diese kleinen Erlebnisse die Anstöße für seine Konversion. Er fand den Weg zu den Bahai über eine Hausarbeit während seines Studiums der Religionswissenschaften. Erst „über tausend Ecken“ bekam er dann auch Kontakt zu Personen, die den Bahai aktiv angehörten.

„Der freie Wille spielt eine wichtige Rolle“

„Den Punkt zu finden, es den Freunden und der Familie zu sagen, war für mich sehr schwierig“, sagte Rekel zum Abschluss seines Berichtes. Seine Mutter, die selbst sehr aktiv in der evangelischen Gemeinde ihres Heimatortes engagiert ist, musste ihm die Informationen einzeln aus der Nase ziehen.

Die Beschäftigung mit dem Glauben und Religionen birgt eine Reflexion von innen nach außen. An erster Stelle stünde die persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Weg. An zweiter Stelle kämen dann das persönliche Umfeld, wie Familie und Freunde.

Und erst dann käme die Gesellschaft, sagte eine Teilnehmerin der anschließenden Gesprächsrunde. „Diese drei Ebenen gehören zwar zusammen, müssen aber auseinandergehalten werden.“

„In der heutigen Zeit ist es schwierig, sich religiös zu bekennen, da es in der medialen deutschen Öffentlichkeit negativ konnotiert wird“, sagte eine weitere Teilnehmerin der Gesprächsrunde. Pfarrerin Simon betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Religion in diesem Zusammenhang nicht in Abgrenzung zu anderen Religionen stehen sollte.

„Die menschliche Seele sucht und braucht eine spirituelle Verbindung“, bemerkte eine junge Teilnehmerin aus der islamischen Gemeinde. Dabei sei es egal, welcher Gott angebetet werde, sagte Bilal Farouk El-Zayat, Vorsteher der islamischen Gemeinde Marburg. „Es kommt darauf an, die Religion erneut akzeptierter in der Öffentlichkeit zu machen. Daher spielt auch der freie Wille eine wichtige Rolle.“

von Verena Pophanken

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