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Seeger warnt vor Stillstand am UKGM

Streit um Trennungs-Rechnung geht weiter Seeger warnt vor Stillstand am UKGM

Großaktionär B. Braun kauft seit Tagen weitere Rhön-Aktien. In Hessen hat der Rhön-Konzern aus Bad Neustadt derweil ­Ärger mit dem Land. Ein Thema, das beim UKGM-Neujahrsempfang in Gießen zur Sprache kam.

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Das Uniklinikum in Marburg gehört zum Rhön-Konzern, das elf Kliniken betreibt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Streit um die millionenschweren Forderungen des Rhön-Konzers, der vom Land Geld für das Uniklinikum Gießen und Marburg haben möchte, belastet nach Einschätzung des Ärztlichen Geschäftsführers in Gießen, Professor Werner Seeger, zunehmend die weitere Entwicklung des gesamten Klinikums.

„Wir brauchen dringend eine Lösung, weil der Konflikt die Investitionen und Baumaßnahmen blockiert“, sagte Seeger am Freitag beim ­
gemeinsamen Neujahrsempfang von Fachbereich Medizin der Universität und UKGM in Gießen. Bei dem Streit geht es um die Frage, für welche Leistungen am Klinikum das Land aufkommen muss und für welche das Klinikum selbst. Unbestritten sind Forschung und Lehre Landessache. Die Krankenversorgung muss das Klinikum bezahlen, das dazu Geld von den Krankenkassen erhält.

Die „Trennungs-Rechnung“ will klären, wer jeweils zuständig ist. In der Praxis ist das allerdings oft nur schwer möglich. Dies bekräftigte Seeger noch einmal – der im Übrigen als beamteter Professor und Geschäftsführungsmitglied des UKGM den Interessenkonflikt zwischen Staat und Unternehmen „in persona“ symbolisiert. Seeger erinnerte daran, dass das Uniklinikum Gießen vom Land seit den 90ern kaum noch Geld bekomme und die Rhön AG mit ihren Investitionen von insgesamt 600 Millionen Euro am UKGM den Standort Gießen „gerettet“ habe.

„Schwarze Null ist ein Wunder“

Das Uniklinikum Frankfurt dagegen habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten vom Land mehr als eine Milliarde Euro erhalten. Zwar habe die Rhön AG auf öffentliche Baumittel für das UKGM verzichtet. Unbestritten gelte diese Erklärung für die ersten Jahre nach der Privatisierung. „Aber jetzt schreiben wir das Jahr 2017.“ Seeger sagte, dass Rhön dem Standort Gießen mitnichten ein Klinikum „geschenkt“, sondern dem UKGM Kredite für Bau und Ausstattung gewährt habe, die es nun abbezahlen müsse.

Zinsen, Tilgung und Abschreibung summierten sich jährlich auf 40 Millionen Euro. Dass unterm Strich dennoch eine „schwarze Null“ übrig bleibe, sei „eine gigantische Leistung. Es ist eigentlich ein Wunder“, so Seeger. Der UKGM-Geschäftsführungsvorsitzende Dr. Gunther Weiß erläuterte im Wesentlichen die Position der Rhön AG, dass die Forderungen an das Land voll und ganz berechtigt seien.

Während Seeger vor Stillstand am UKGM warnt, bewegt sich an der Börse einiges. Seit Tagen­ werden meldepflichtige Aktienkäufe von B. Braun aus Melsungen mitgeteilt. Der Medizintechnikkonzern hielt bisher 20 Prozent an der Rhön-Klinikum AG. Inzwischen sind es mehr. Für einen Stückpreis von zirka 25,40 Euro kaufte Braun zum Beispiel am Freitag 45.000 Aktien.

Sowohl B. Braun als auch die Rhön AG wollten am Dienstag auf Anfrage der OP keine Stellungnahme zu den Aktienkäufen geben. Rhön-Sprecher Achim Struchholz sagte, der Konzern werde die Kliniken in Marburg und Gießen weiterentwickeln. Am Donnerstag, 26. Januar, findet der Neujahrsempfang am Klinikum in Marburg für geladene Gäste statt.

von Stephan Sippel 
und Anna Ntemiris

 
 
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