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Schwitzen zwischen Hemingway und Poe

Marburgs heißeste Orte Schwitzen zwischen Hemingway und Poe

Hier wird gelernt, geschrieben und geschwitzt: in den Institutsbibliotheken der Universität. Besonders heiß ist es im Sommer im siebten Stock der philosophischen Fakultät. Dort befindet sich die Institutsbibliothek der Amerikanistik.

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Hier rauchen die Köpfe – in der Institutsbibliothek der Anglistik.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. „Siebtes Obergeschoss“, tönt es aus dem Lautsprecher. Die Tür öffnet sich und warme Luft strömt in den Aufzug. Dagmar Kolbe-Schmid tritt in den sonnendurchfluteten Flur. Die Fensterfront, die sich über die gesamte Fassade der philosophischen Fakultät erstreckt, ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits bietet sie einen atemberaubenden Blick auf Marburg und das Umland.

Andererseits bietet sie keinerlei Schutz vor der Sonne, die besonders in den Sommermonaten gnadenlos auf das Gebäude knallt und die Räume erhitzt. Im Winter wird es darin gemütlich warm, im Sommer unerträglich heiß. Kolbe-Schmid öffnet die Tür zur Bibliothek der Amerikanistik. Es ist warm. Sehr warm. Die Luft ist trocken. Es riecht modrig. Der Geruch alter Bücher.

Rund 12 000 Bücher und Zeitschriften stehen in der Bibliothek

„Ich mag Bücher. Ich hab immer schon gern gelesen“, sagt Kolbe-Schmid und lässt ihren Blick durch die Gänge streifen, in denen sich in Bücherregalen die Werke großer amerikanischer Schriftsteller wie Edgar Allan Poe, Ernest Hemingway, John Irving oder Emily Dickinson aneinanderreihen.

Rund 12 000 Bücher und Zeitschriften sind es insgesamt. Kolbe-Schmid nimmt einen Stapel Bücher aus dem Regal. Schnell bilden sich auf ihrer Stirn kleine Schweißperlen. Jede Anstrengung und jede noch so kleine Bewegung in der warmen Bibliothek treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Eigentlich ist Kolbe-Schmid Bibliotheksaufseherin. Sie leiht Bücher aus, nimmt sie wieder entgegen, stellt sie zurück, erteilt Auskunft und hilft verzweifelten Studenten, das richtige Buch im Signaturendschungel zu finden.

Bücher werden auf Umzug in neue UB vorbereitet

Hier oben ist sie jedoch die meiste Zeit damit beschäftigt, den Bücherbestand auf den großen Umzug in die Zentralbibliothek, die derzeit in der Stadtmitte entsteht, vorzubereiten. „Dafür muss ich jedes Buch in die Hand nehmen“, sagt Dagmar Kolbe-Schmid, öffnet ein Buch und zeigt mit ihrem Finger auf den Zahlencode im Innendeckel. Jedes Exemplar wird gemäß der sogenannten „Regensburger Verbundklassifikation“ mit so einer neuen Signatur versehen, erklärt sie.

Zudem werden die Bücher nach Sachgruppen neu sortiert, Dubletten ausrangiert, Regale verschoben – an heißen Tagen wie diesen eine schweißtreibende Angelegenheit. Während der Umstrukturierung müssen die Studenten auf die Anglistik-Bibliothek im zweiten Stock ausweichen. Wird jedoch ein Buch aus der Amerikanistik benötigt, muss Kolbe-Schmid es holen. Über mangelnde Bewegung am Arbeitsplatz kann sie sich also nicht beschweren.

Temperatur in der Bibliothek oft kühler als zuhause

Was tut sie, um sich abzukühlen? „Viel trinken und Obst essen.“ In der Pause suche sie sich außerdem oft ein schattiges Plätzchen im Grünen, wo sie sich entspannen kann. So wie auch viele Studenten. „Die meisten Studenten liegen bei den Temperaturen mit ihren Büchern an der Lahn oder im Schwimmbad. Wer keine Examensarbeit oder Hausarbeit schreiben muss, ist nicht hier“, sagt sie, im zweiten Stock angekommen.

Anina Eickmann, Anglistik-Studentin, muss hier sein. Das Buch, in dem sie gerade liest, gehört zum Präsenzbestand. Daher kann sie es nicht mit an die Lahn oder ins Schwimmbad nehmen. Das Klima in der Bibliothek findet sie jedoch „in Ordnung“. Auch eine junge Doktorandin, die in T-Shirt und Rock an ihrem Laptop im Nebenraum sitzt, kann sich über die Temperatur nicht beklagen. „Ich finde es hier angenehm kühl“, sagt sie. „Jedenfalls kühler als bei mir zuhause.“

von Ruth Korte

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