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Schwimmer aus Leidenschaft

Special Olympics Schwimmer aus Leidenschaft

Von Dienstag bis Donnerstag finden in Marburg die ersten Hessischen Landesspiele der Special Olympics statt. Insgesamt 1300 Sportler mit geistiger Behinderung werden daran teilnehmen. Einer von ihnen ist Philipp Koch.

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Philipp Koch am Schwimmteich seiner Eltern, in dem er mit fünf Jahren schwimmen gelernt hat. Bei den Special Olympics wird er zusammen mit Simon Kreuder, Liv Perle und Tobias Kühn als Unified-Schwimm-Staffel-Team antreten.

Quelle: Ruth Korte

Lahntal. Philipp isst gern Nudeln. „Mit Tomaten und Käse“, betont er. Er geht gern ins Kino und hört Musik, am liebsten die Wise Guys. Ihren Hit „Der Ohrwurm“ hört er gern ganz laut in seinem Zimmer, so dass es alle hören. Wie ein ganz normaler junger Erwachsener. Und doch ist er anders.

Philipp hat Trisomie 21, eine Chromosomstörung die auch unter dem Namen „Down-Syndrom“ bekannt ist. Menschen mit einem Down-Syndrom besitzen drei statt zwei Exemplare des Chromosoms Nummer 21 und sind in der Regel geistig beeinträchtigt - wie stark, das hängt von der jeweiligen Förderung ab, die sie bekommen.

Philipps Eltern, Anke Koch-Röttering und Herbert Koch, haben sich stets um eine gute Förderung für ihren Sohn bemüht und darum, ihm das Gefühl zu geben, dazuzugehören, ein ganz normaler Teil dieser Gesellschaft zu sein.

Keine Integration in Vereinen

Nach seinem Schulbesuch auf einer integrativen Schule der Lebenshilfe in Gießen kämpften sie dafür, dass Philipp nicht, wie von der Schulbehörde vorgegeben, an einer Sonderschule, sondern an einer Regelschule unterrichtet wird - mit Erfolg (die OP berichtete).

Weniger Erfolg hatten sie hingegen im Vereinssport. Obwohl Philipp ein paar Mal die Fußballjugendgruppe im Dorf besuchte und es ihm Spaß machte, hat es mit der Integration „irgendwie nie so richtig geklappt“, wie seine Mutter sagt. „Er kann super schießen, aber die Leute konnten nicht mit ihm umgehen.“

Heute arbeitet Philipp auf dem „Biolandhof Buseck“ der Lebenshilfe Gießen e.V. als Gärtnergehilfe. Unkraut jäten, Erde umgraben, Salate und Tomaten ernten - all das macht der 21-Jährige gern. Philipp liebt den Sport. Besonders den im und auf dem Wasser. Bereits im Alter von fünf Jahren lernte er im Teich seiner Eltern schwimmen. Auch Kanu fährt er gern.

Inklusion ist, wenn sie gar nicht bemerkt wird

Mit 14 Jahren besucht er zum ersten Mal die integrative Schwimmgruppe „Ohne Norm in Form“, die ihren Namen von einem Gießener Verein hat, bei dem sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung unter dem Motto „Jeder kann mitmachen“ sportlich betätigen. „Bei uns gibt es dicke und dünne Kinder, Kinder mit großen und kleinen Nasen, mit und ohne Behinderungen“, erklärt die Schwimmlehrerin Conny Schindler, welche die dreizehnköpfige Gruppe zwischen 14 und 18 Jahren schon seit mehreren Jahren betreut. Sie weiß: „Der Sport baut Barrieren ab und lässt Freundschaften entstehen.“

Das zeige sich auch bei den Schwimmstunden, die einmal in der Woche im Aquamar stattfinden und in denen sich die Kinder und Jugendlichen über ganz normale Themen unterhalten und sich gegenseitig helfen. „Das ist doch gelebte Inklusion, dass die Gruppe es nicht mal merkt, dass sie Inklusion lebt“, so Schindler. Sie kritisiert, dass viele Sportgruppen vielmehr eine Ausgrenzung leben.

Inzwischen ist Philipp schon seit mehreren Jahren Mitglied der Jugendschwimmgruppe und hat bei lokalen Schwimmwettkämpfen schon viele Medaillen gewonnen. „Wenn Philipp krault, kann ich schon lange nicht mehr mithalten“, sagt Herbert Koch, der mit seinem Sohn zuletzt an den Winter Special Olympics in Inzell als Teil des Unified Teams der Lebenshilfe Gießen e.V. teilgenommen und in den Disziplinen Slalom und Riesenslalom im Team eine Bronzemedaille gewonnen hat.

Gemischtes Team

Zusammen mit vier Jugendlichen aus der Schwimmgruppe wird Philipp nun an der Unified-Freistilstaffel an den Special Olympics in Marburg teilnehmen. Zwei Jugendliche mit Handicap, sogenannte „Athleten“, er und Simon Kreuder, und zwei Jugendliche ohne Handicap, genannt „Partner“, Liv Perle und Tobias Kühn befinden sich in dem Team. Die Mannschaft schwimmt in der Schwimmstaffel 4 mal 50 Meter. Dafür haben sie seit Februar trainiert.

Philipp nimmt zudem an den Wettbewerben 50m Rückenschwimmen und 100m Freistilschwimmen teil.

Bis zum Wettkampf trainiert er weiter da, wo er es gelernt hat und wo er sich so wohl fühlt: Im Teich seiner Eltern.

von Ruth Korte

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