Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Schwester des Opfers: "Ehe war Katastrophe"

Mordprozess Schwester des Opfers: "Ehe war Katastrophe"

Am zweiten Tag im Mordprozess sagten gestern auch der Vater sowie Bruder und Schwester der 37-jährigen Frau aus, die im Juli 2013 von ihrem Ehemann am Richtsberg erstochen wurde.

Voriger Artikel
Studie: Frauen fürchten Männer-Faust
Nächster Artikel
Genossen sind geteilter Meinung, Bürgermeister protestieren

Die Tür zur Wohnung der Getöteten ist im Juli 2013 mit einer Siegelmarke der Polizei verschlossen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Dreimal hintereinander bat der 32-jährige Angeklagte mit tränenerstickter Stimme um Vergebung. Jeweils im Anschluss an die Zeugenaussagen des Vaters, der Schwester und des Bruders seiner von ihm getöteten Ehefrau bat er um das Wort für eine persönliche Stellungnahme. Dabei kam es zunächst zu einem bewegenden Händedruck des Angeklagten mit seinem Schwager.

Auch an seinen Schwiegervater richtete er das Wort: „Ich wollte das nicht. Ich habe meine Kontrolle verloren“, sagte der 32-Jährige unter Schluchzen und bat um Entschuldigung.

Doch Verzeihung konnte er vom Vater der Getöteten nicht erwarten. „Er hat so viele Menschen unglücklich gemacht“, erwiderte dieser. So habe er den Kindern mit seiner Bluttat ihre Mutter und ihren Vater zugleich weggenommen und die Familie ins Unglück gestürzt. Die Kinder leben jetzt bei der Familie ihrer toten Mutter. „Wenn die beiden kleinen Kinder nachts aufwachen und anfangen, nach ihrer Mama zu schreien, dann bin ich böse“, sagte der 68-Jährige.

Mit mehr als 14 Messerstichen hatte der Angeklagte am späten Nachmittag des 1. Juli vergangenen Jahres in der ehelichen Wohnung, in der auch die heute zweijährige Tochter und der heute dreijährige Sohn anwesend waren, seine damals in der sechsten Woche schwangere Frau getötet und sich anschließend der Polizei gestellt ( die OP berichtete). Eine Marburger Frauenärztin sagte als Zeugin aus, dass sie bei dem Opfer wenige Tage vor der Bluttat eine Schwangerschaft in der sechsten Woche festgestellt habe. Die 37-Jährige habe das Kind nicht austragen wollen, weil es das vierte Kind gewesen wäre. Wie verlief die Ehe, bevor es zu dem Streit kam, der in der Bluttat eskalierte? Dies Frage stand im Mittelpunkt der Vernehmungen am gestrigen zweiten Verhandlungstag. „Diese Ehe war von Anfang an eine Katastrophe“, sagte die 44-jährige Schwester des Opfers. Es habe zwischen den Eheleuten ständig Streit gegeben, und das habe nicht gut ausgehen können. Zudem sei der 32-Jährige auch auf seine einige Jahre ältere Ehefrau ständig eifersüchtig gewesen und habe sie ständig kontrolliert.

Zunächst hatte das Ehepaar gemeinsam in Berlin gewohnt, wo auch jetzt noch die Verwandten des Opfers wohnen. Dann zog zunächst der 32-Jährige nach Marburg um, weil er hier Arbeit in einem Baubetrieb fand. Einige Monate später zogen auch seine Ehefrau sowie die drei Kinder nach Marburg in die Wohnung am Richtsberg um. „In Marburg war es noch schlimmer als in Berlin“. meinte die Zeugin. Sie gab an, dass ihre Schwester schon über eine Scheidung nachgedacht habe und im April 2013 nach einer Schwangerschaft eine Abtreibung habe vornehmen lassen. Ihre Schwester habe im Gegensatz zum Ehemann keine Kinder mehr haben wollen, berichtete sie. Am Tattag habe sie noch zweimal mit ihrer Schwester telefoniert. Diese habe ihr von einem Termin beim Frauenarzt erzählt, aber nicht von einer neuerlichen Schwangerschaft.

Eine andere Einschätzung des Ehelebens zwischen dem Angeklagten und seiner Frau hatte ein Freund des Angeklagten, „Sie hatte die Hosen an und hatte einen herrischen Tonfall“, sagte der Zeuge.

„Zeitweise war die Ehe ganz in Ordnung“, meinte der Vater des Opfers. Seine Tochter habe sich bei ihm nie über ihren Ehemann beschwert und auch bei Streit hinter ihm gestanden. Trotz mancher dann auftretender Schwierigkeiten rund um das Themenfeld „Arbeit“ habe er bis zuletzt gehofft, dass die Ehe klappen könne.

von Manfred Hitzeroth





                   

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Richtsberg

Schock am Richtsberg: Vermutlich durch den Einsatz eines Messers erlitt eine 37-Jährige heute Nachmittag tödliche Verletzungen.  

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr