Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Schwere Verletzungen durch extreme Gewalt

Gericht Schwere Verletzungen durch extreme Gewalt

Nach einer Bluttat in extrem alkoholisierten Zustand, wurde ein 25-Jähriger Russlanddeutscher wegen vorsätzlichen Vollrauschs zu zwei Jahren und acht Monaten Maßregelvollzug verurteilt.

Voriger Artikel
Traum vom Fliegen wird für 20 Kinder wahr
Nächster Artikel
Bauern fürchten um Ernte

Ein 25-Jähriger musste sich vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Er hatte im Vollrausch einen 31-Jährigen lebensgefährlich verletzt.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Den zweiten Weihnachtsfeiertag 2007 nutzte eine Gruppe junger Männer für ein Trinkgelage. Bereits mittags trafen sich der Hauptangeklagte und einige Freunde, um Bier, Rum und Wodka zu trinken. „Alles in allem dürfte jeder zwei Liter Wodka und Rum sowie einige Bier getrunken haben“, meinte der 25-jährige Familienvater. Nach einer Fahrt von Marburg nach Stadtallendorf, Neustadt, Wetter und Gladenbach, endete eine dreiköpfige Gruppe in der Richtsberger Wohnung des 25-jährigen Beschuldigten.

Dort feierten er, sein Schwager und das Opfer, ein 31-jähriger Russlanddeutscher, ab 2 Uhr nachts weiter. Am nächsten Morgen lag der 31-Jährige lebensgefährlich verletzt in seiner Wohnung. Was in der Zwischenzeit passierte, versuchte das Gericht am Mittwoch in einer mehr als zehnstündigen Verhandlung zu rekonstruieren. Der 27-jährige Schwager des Hauptangeklagten, dem das Gericht unterlassene Hilfeleistung vorwarf, wurde freigesprochen. Während er nüchtern blieb, tranken die beiden anderen unentwegt weiter.

Nach eigenen Angaben verließ der 27-jährige das Treffen gegen 3 Uhr. Was danach genau passierte, blieb weitestgehend im Trüben. Da die Beteiligten laut Aussage des Rechtsmediziners einen Blutalkoholwert von „mindestens 3,3 Promille, eher deutlich mehr“ gehabt hätten, sei das Erinnerungsvermögen beider nachhaltig geschädigt. „Ich kann mich nicht erinnern wann, wie oder warum etwas passierte“, meinte das 31-jährige Opfer, der als Nebenkläger auftrat.

Seiner Rekonstruktion zufolge packte ihn sein Angreifer am Kopf, schlug ihn mehrfach auf die Tischkante und trat mit festem Schuhwerk immer wieder gegen Kopf und Brustkorb. „Ich habe immer wieder geschrieen: nicht an den Kopf. Irgendwann hörte er auf und schlug nur auf meinen Bauch ein, bevor ich mich an gar nichts mehr erinnern kann“, schilderte das der 31-Jährige aus Neustadt, der bis heute unter den Verletzungen leidet. Die erste Erinnerung habe eingesetzt, als er Tage später aus dem künstlichen Koma erwacht sei.

Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier forderte eine dreijährige Freiheitsstrafe in einer Erziehungsanstalt. „Er ist zwar erwiesenermaßen alkoholabhängig, aber nach den Erkenntnissen der Beweisaufnahme, schien er durchaus in der Lage zu sein, zu wissen was er tut“, führte sie in ihrem Plädoyer aus. Die Verteidigung sah das anders. Sie stellte die Schuldunfähigkeit ihres Mandanten heraus. „Was in der Nacht geschehen ist, weiß er nicht mehr und der immense Promillewert ist ein klares Indiz dafür“, erklärte die Verteidigerin. Ihr Kollege forderte für den Schwager des Hauptangeklagten den Freispruch, da „nicht nachgewiesen werden konnte, dass er während der Misshandlung anwesend war und hätte eingreifen können“.

Das Gericht unter Vorsitz von Mirko Schulte sah das genauso. „Die einzig verwertbaren Zeugenaussagen kamen von ihm, da er nüchtern blieb“, betonte Schulte. Die ursprüngliche Anklage gegen den 25-jährigen, die auf gefährliche Körperverletzung lautete, ließ das Gericht fallen. Stattdessen verurteilten ihn die Richter wegen vorsätzlichem Vollrausch zu zwei Jahren und acht Monaten Maßregelvollzug. „Das Rückfallrisiko bei dem Täter ist sehr hoch, daher greift ein Wegsperren zu kurz. Er benötigt dringend weiterhin die klinische Therapie“, rechtfertigte Schulte den Urteilsspruch.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr