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Schwefelhaltige Zwiebeln heilen

Forschung in Afghanistan Schwefelhaltige Zwiebeln heilen

Der Marburger Pharmazie-Dekan Professor MIchael Keusgen erforscht die Wirkung von Heilpflanzen in Afghanistan und kooperiert mit der Hochschule in Mazar-el-Sharif.

Marburg. von Manfred Hitzeroth

Marburg. Bereits seit 2001 erkundet der Marburger Pharmazie-Professor Michael Keusgen Heilpflanzen in verschiedenen Ländern Mittelasiens. Die Route seiner Exkursionen folgte dabei der historischen Seidenstraße. Jetzt hat ihn eine Forschungsreise zum ersten Mal nach Afghanistan geführt. Zurück in Marburg räumt der Wissenschaftler im Gespräch mit der OP erst einmal mit einem in Deutschland weit verbreiteten Vorurteil auf. Afghanistan sei ein Land, das nicht nur aus Wüste oder Geröll bestehe, erklärt Keusgen. „In den Gebirgsregionen ist Afghanistan relativ feucht. Wo Wasser ist, wachsen viele Pflanzen“, berichtet der Marburger Professor.

Und in einer dieser Gebirgsregionen im Nordosten Afghanistan hat Keusgen jetzt während seiner Reise im Frühsommer dieses Jahres eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht: Es handelt sich dabei um eine Zwiebelpflanze mit dem Namen „Allium darwasicum“, die medizinisch wirksame Schwefelverbindungen enthält. Keusgen hat nun erstmals wissenschaftlich dokumentiert, dass diese Heilpflanze in Afghanistan wächst.

Entdeckt hat er sie in der Nähe des Dorfes Shingan an der Grenze zu Tadschikistan, wo auf einer Höhe von mehr als 3000 Metern überwiegend Nomaden leben. „Die Einheimischen sammeln im Frühjahr die frischen Blätter der Pflanze, um sich nach den langen, harten Wintern im Hochgebirge zu kräftigen“, berichtet Keusgen.

Aber auch andere Zwiebeln dienen den Afghanen als Heilpflanzen. So wirke die Pflanze mit dem Namen „Allium oschaninii“, die wie die deutsche Küchenzwiebel aussieht, unter anderem als Mittel gegen Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Krankheiten, erläutert der Forscher. Für ihn bedeutet die Erforschung der Inhaltsstoffe eine wichtige Grundlagenforschung. Die Dokumentation des traditionellen Wissens um die medizinische Verwendung der Pflanzen könnte eventuell auch dazu dienen, die Entwicklung von neuen Medikamenten voranzutreiben. Zunächst gehe es vor allem darum, zu analysieren, welche Pflanzen gesundheitsfördernd sind, erläuterte Keusgen im Gespräch mit der OP. Bei seiner Forschungsreise erhielt er auch durch die Befragung der Bevölkerung detaillierte Informationen über die Verwendung von rund 20 Pflanzenarten. So wurde ihm beispielsweise berichtet, dass auf dem Basar verkaufte Pilze zum Essen verwendet werden, aber auch als Heilmittel gegen Augenleiden gelten. „Es gibt wahrscheinlich wenige Regionen auf dem Globus, in denen sich derart wertvolle Informationen zu Arznei- und Nutzpflanzen sammeln lassen“, meint Keusgen.

Bei seiner vom Deutschen Akademischen Austauschdienst finanziell unterstützten Forschungsreise erhielt der Marburger Pharmazie-Dekan Unterstützung von Beratern der Balkh-Universität in Mazar-el-Sharif. Besonders unterstützte ihn Bastian Roos, der vom Frankfurter Centrum für internationale Migration und Entwicklung an die Hochschule entsandt worden war.

Keusgen will an der Universität in der Stadt, in der auch das Hauptquartier der ISAF-Truppen liegt, den Aufbau von Forschung und Lehre vorantreiben. „Talentierten Wissenschaftlern von der Balkh-Universität wollen wir die Möglichkeit geben, in Marburg zu promovieren“, kündigte Keusgen an.

von Manfred Hitzeroth

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