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Schwarzfahrer schlagen im Netz Alarm

Busfahren Schwarzfahrer schlagen im Netz Alarm

Jagd auf Schwarzfahrer: 2012 erwischten Kontrolleure der Marburger Stadtwerke mehr als 1.500 Kunden, die keinen Fahrschein gekauft hatten. Die Suche könnte ab sofort schwieriger werden.

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Etwa zehn Kontrolleure - meistens sind sie zu zweit unterwegs - überprüfen die Fahrgäste in den Stadtbussen. Vor allem im Zentrum erwischen sie Hunderte Ticket-Preller. Eine Handy-App könnte die Suche nach Schwarzfahrern künftig erschweren.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Während Twitter und Facebook bereits als Waffen für Schwarzfahrer fungieren, will ein Software-Unternehmen mit einer umstrittenen App für Handys ins Rhein-Main-Gebiet und nach Mittelhessen expandieren und das Fahren ohne Fahrschein erleichtern. Den Verkehrsbetrieben entgehen durch Ticket-Preller jährlich immense Summen. Und die Zahl der Schwarzfahrer steigt in diesem Jahr an.

App für Mittelhessen

„Bis Ende Märze waren es alleine 450, die wir erwischt haben“, sagt Christoph Rau von den Stadtwerken. Die Gesamtzahl liege seit mehreren Jahren zwischen 1500 und 2500 Schwarzfahrern. Doch die Dunkelziffer schätzen Verkehrsexperten höher ein. Die Quote beträgt demnach zwischen 1,2 und 3,2 Prozent am Fahrgastaufkommen. Berechnungen in Marburg zufolge - bei einem Einzelfahrpreis von 1,80 Euro - könnte das kommunale Unternehmen jährlich mehr als eine halbe Million Euro mehr einnehmen, wenn alle Kunden ihre Karten bezahlen würden. „Wir schöpfen durch die Überprüfungen vielleicht ein Prozent ab, dementsprechend viel Geld entrinnt uns“, sagt Rau. Das Problem könnte sich bald verschärfen. Dann soll etwa eine Schwarzfahrer-App des Unternehmens Tailored-Apps auch für das Rhein-Main-Gebiet und Mittelhessen verfügbar sein. „Die App lebt von der Aktivität der Schwarzfahrer selbst“, sagt Geschäftsführer und Entwickler Lorenz Edtmayer. Die bereits vorhandenen Twitter- und Facebook-Kanäle sollen ins Programm integriert werden. Als Anleitung zum Schwarzfahren will Edtmayer die App aber nicht verstanden wissen: „Wir raten natürlich jedem, ein gültiges Ticket zu kaufen.“ Das solle künftig mit einem Klick in der App möglich sein.

Ein müdes Lächeln huscht Rainer Dersch über das Gesicht. Sein Sicherheitsdienst führt im Auftrag der Stadtwerke die Ticketkontrollen in den Bussen durch. Er kennt die Ausreden-Klassiker der Marburger wie kein anderer: Man müsse sowieso an der nächsten Haltestelle aussteigen, man habe nur eine Station mitfahren wollen, Karte vergessen. „Dabei sieht man im Laufe der Zeit die immerselben Gesichter, wir kennen die schweren Fälle und treffen sie immer wieder“, sagt er.

Kontroll-Schwerpunktist die Innenstadt

Auch beim Amtsgericht kennt man die Problematik mit den notorischen Schwarzfahrern. Bei Ersttätern ist in der Regel eine geringe Bestrafung vorgesehen. Zumeist gibt es Geldstrafen mit Tagessätzen zwischen 20 und 40 Euro. Tritt ein Angeklagter jedoch uneinsichtig auf oder ist er als Mehrfachtäter bekannt, erhöht sich mitunter das Strafmaß. Mehr als 80 Prozent aller Schwarzfahrer in Marburg sind jünger als 35 Jahre. Also jene Zielgruppe, an die sich etwa die neue Alarm-App wendet. Die Stadtwerke sehen den Frühwarn-Trend entspannt. „Denn wenn jemand veröffentlicht, wo jetzt gerade kontrolliert wird, sind die Prüfer schon wieder woanders. Die reagieren sehr flexibel, sind recht frei auf den Routen unterwegs“, sagt Rau. „Doch die, die erwischt werden, sind häufig äußerst renitent“, sagt Dersch. Immer wieder komme es zu Übergriffen, körperlichen Auseinandersetzungen. Zwei Ticketprüfer patrouillieren vor allem durch die Gelenkbusse.

Schwerpunkte liegen bei den Kontrollen zwischen Süd- und Hauptbahnhof, allen Linien, die die Innenstadt kreuzen. „In den Außengebieten haben die Busfahrer selbst eine gewisse Kontrolle und Übersicht über Kunden, die zusteigen“, sagt Dersch. Häufig ertappen Derschs Mitarbeiter Rentner, die das 9-Uhr-Ticket bereits früher nutzen oder Schüler, die ihre Monatskarte vergessen haben. Wobei: Das Risiko erwischt zu werden, ist trotz allem recht gering. Rund 50 Busse kreuzen täglich durch die Stadt, bei Tausenden Fahrgästen und nur zehn Kontrolleuren, sind kaum mehr als Stichproben möglich.Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen fordert unterdessen eine Anhebung der Strafen: Ersttäter sollen 60 Euro anstatt 40 Euro zahlen, für wiederholtes Schwarzfahren sollen 120 Euro fällig werden.

von Björn Wisker

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