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Schwarm-Alarm versetzt Dorf in Aufruhr

Bienen Schwarm-Alarm versetzt Dorf in Aufruhr

Was tun, wenn plötzlich 20000 Bienen um einen herum summen? „Ruhig bleiben und ausweichen“, sagt Experte Dr. Ralph Büchler und erklärt die Ursache eines seltenen Schauspiels.

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Ein heutzutage selten zu beobachtendes Spektakel: Ein großer Bienenschwarm macht Rast in einem Busch vor der Albshäuser Kirche.

Quelle: Nadine Weigel

Albshausen. Ein Dröhnen und Summen zerstört die sonntägliche Idylle. Eine schwarze Wolke wabert mit ohrenbetäubendem Lärm um die Kirche. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Julia Stempfle. Die 29-Jährige zückt sofort ihr Handy und nimmt das Spektakel auf. Tausende Bienen summen durch die Luft und lassen sich dann als dunkle Bienentraube auf einem Busch an der Albshäuser Kirche nieder. Julia Stempfle fackelt nicht lange und informiert Imker Heinz Schauberer, der sich freut, seine Bienen wiedergefunden zu haben.

„Da hat der Imker aber Glück gehabt“, kommentiert Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstitutes Kirchhain, das Spektakel, das ein ganz natürlicher Prozess ist. „Ein Bienenvolk vermehrt sich durch Teilung“, erläutert der Experte. Wenn ein Volk gesund und groß ist, schlüpfen irgendwann Tochterköniginnen und die alte Königin zieht mit einem Teil des Bienenvolkes fort. Dieser Schwarm sucht sich dann einen neuen Nistplatz. „Passiert das, hat der Imker meist Pech, weil er den Schwarm nur schwer wiederfindet“, erklärt Büchler weiter.

Schwarm-Alarm ist ein gutes Zeichen

Imker Heinz Schauberer hat Glück. Rechtzeitig über die Schwarmpause seiner Bienen an der Kirche informiert, schneidet er einfach den Ast ab, an dem die rund 20000 Bienen hängen und verfrachtet sie wohlbehalten in einen Kasten. Vorher hat er die Bienen mit etwas Wasser besprüht und gleichzeitig mit Rauch eingenebelt. „So bleiben sie ruhiger“, sagt der Albshäuser. Zum Schutz trägt er einen Imkeranzug. „Aber eigentlich machen die nix“, betont er. Das bestätigt auch der Experte vom Bieneninstitut. „Man muss keine Angst haben. Wenn man die Bienen nicht reizt, greifen sie auch nicht an.“ Dementsprechend ruhig und gelassen fliegen am Sonntag nach einigen Minuten auch die letzten Bienen in den Kasten und Schauberer kann sein Volk zurück an seinen Platz bringen.

Für den Experten ist der Albshäuser „Schwarm-Alarm“ aus biologischer Sicht ein „wunderbares Zeichen“, da es bedeutet, dass die Bienen sich wohlfühlen und das Volk so stark ist, dass es sich fortpflanzt. Zudem sei das Schwärmen der Bienen ein heute nur noch selten zu beobachtendes Spektakel. „Die meisten Imker unterbinden das Schwärmen, indem sie zum Beispiel die Nachzucht an Königinnen verhindern oder die Brut kontrolliert herausnehmen, bevor das Volk zu groß wird“, erklärt Büchler.

Momentan ist gerade Schwarmzeit, denn im Zeitraum von Mai bis Ende Juni ist die Population in einem Bienenvolk am stärksten. Wird den Bienen ihr Zuhause dann zu eng, verstärkt sich ihr Schwarmtrieb. Es kann also sein, dass es in nächster Zeit auch an anderen Stellen des Landkreises zu Bienenschwärmen kommt. Falls das passiert, rät der Experte einfach ruhig zu bleiben und einen Imker oder die Feuerwehr zu rufen. „Die kennen sich damit aus und tragen den Schwarm an einen sicheren Ort“, sagt Büchler. Und gerade das sei wichtig, denn die Bienen können im Freien nur schwerlich überleben. „Sie brauchen einen Rückzugsort wie eine Höhle oder eben einen Kasten, wo sie vor Regen oder Feinden geschützt sind“, so der Leiter des Bieneninstitutes.

Hintergrund: Die ökologische Bedeutung von Bienen ist enorm, denn sie tragen in erheblichem Maße zum Erhalt von Wild- und Kulturpflanzen. Bienen zählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern. In Hessen gibt es laut dem Bieneninstitut Kirchhain rund 8000 Imker mit rund 50000 Bienenvölkern. Im Altkreis Marburg sind derzeit 305 Imker aktiv. Sie betreuen 2210 Völker. Im Altkreis Biedenkopf gibt es 296 Imker mit 1271 Bienenvölkern. Laut Bieneninstitut Kirchhain liegt Marburg-Biedenkopf damit über dem Landesdurchschnitt. Ohnehin sei generell ein positiver Trend in der Imkerei zu verzeichnen. „Die Imkerei ist im Aufwind. Immer mehr junge Menschen interessieren sich für das Imkern“, freut sich Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstituts.

von Nadine Weigel

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