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Schwangere Ehefrau starb bei Bluttat

Mordprozess Schwangere Ehefrau starb bei Bluttat

Die Aussage des Angeklagten zur Bluttat vom Richtsberg am 1. Juli vergangenen Jahres stand gestern im Mittelpunkt des auf vier Tage angesetzten Mordprozesses.

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Der Angeklagte wird in Handschellen von einem Justizwachtmeister in der Gerichtssaal gebracht, wo sein Verteidiger Stefan Adler (rechts) zum Beginn des Prozesses bereits auf ihn wartet. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Bluttat in einem Wohnhaus im Marburger Stadtteil Richtsberg sorgte Anfang Juli 2013 für viel Aufsehen: Eine 37-jährige Mutter von drei Kindern starb an den Folgen einer Vielzahl von Messerstichen. Auf der Anklagebank saß gestern ihr damals 31-jähriger Ehemann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die zum Tatzeitpunkt seit wenigen Wochen schwangere Ehefrau mit einem Messer aus der Küche heimtückisch getötet zu haben.

Zum Prozessauftakt verlas Verteidiger Stefan Adler eine kurze Erklärung, wonach sein Mandant einräume, seine Frau getötet zu haben. Unmittelbar zuvor sei ein Streit der Eheleute eskaliert, so die Erklärung. Jedoch habe er keine Erinnerung mehr an den Tatablauf und könne auch nichts weiter sagen. Neben der fehlenden Erinnerung an das Tatgeschehen sei jede Beschäftigung damit für ihn eine erhebliche Belastung.





                   

 

Die nachfolgende richterliche Vernehmung des Angeklagten gestaltete sich schwierig, weil dieser immer wieder von Tränen übermannt wurde und sichtlich angespannt war. Zudem musste Richter Dr. Carsten Paul dem Angeklagten immer wieder Punkt für Punkt seine Aussagen aus der polizeilichen Vernehmung direkt nach der Tat vorhalten, um ihn zu weiteren Aussagen zu bewegen.

"Das Blut hat mir einen Schock versetzt"

Kernpunkt der Aussage war, dass sich der Familienvater nur noch an den Streit vor der Bluttat und an das Geschehen danach erinnern könne, nicht aber an die Tat selber. „Das Blut hat mir einen Schock versetzt. Das war für mich eine Katastrophe, als ich gesehen habe, was ich angerichtet habe“, sagte der Angeklagte.

Folgendes muss passiert sein, wie es in der Anklage der Staatsanwaltschaft hieß: „Er ging auf seine Ehefrau los und versetzte ihr eine Vielzahl von Stichen und Schnitten in Hals, Oberbauch und Rücken“. Dabei trug sie tödliche Verletzungen davon. Die aufgrund der wenig später erfolgten Selbstanzeige des Täters benachrichtigten Rettungskräfte und die Polizei fanden die Ehefrau am 1. Juli 2013 kurz nach 17 Uhr nur noch tot in einer großen Blutlache liegend im Wohnzimmer vor.

Während der aus erster Ehe der Frau stammende Sohn im Alter von sieben Jahren draußen spielte, befanden sich der kleine Sohn im Alter von zwei Jahren und die kleine Tochter im Alter von einem Jahr nach Aussage des Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat in der Wohnung, die er mit ihnen auf dem Arm verließ.

Angeklagter: Frau wollte abtreiben

Doch was führte zu der Familientragödie mit tödlichem Ausgang? Seine Frau habe keine Kinder mehr von ihm haben wollen und im Gegensatz zu ihm angesichts der neuerlichen Schwangerschaft eine Abtreibung vornehmen wollen.

Dann habe sie ihm auch eröffnet, dass er auch nicht der Vater des jüngeren Sohns sei. Damit habe sie ihn dann im folgenden aufgezogen. Klar ist im Nachhinein aufgrund eines DNA-Tests, dass diese Behauptung, wenn sie denn gefallen ist, nicht zutreffend war. Der Angeklagte war demnach der Vater der beiden kleineren Kinder. Dies berichtete eine als Sachverständige geladene Gerichtsmedizinerin, die auch den Obduktionsbericht erläuterte.

Im Laufe des Streits müsse er die Kontrolle verloren habe. so der Angeklagte. Dabei habe er zuvor noch nie mit seiner Ehefrau einen Streit körperlich ausgetragen. Allerdings habe er sich auch vorher bereits öfter mit ihr gestritten, denn sie sei sehr eifersüchtig gewesen.

Seine Hände haben gezittert

Als „eher ruhigen Typ“, der „hilfsbereit und freundlich“ gewesen sei, schätzte ein langjähriger Freund den Angeklagten ein. „Die Beziehung mit seiner Frau war gut. Ich habe nie gesehen, dass sie sich gestritten haben“, sagte er als erster Zeuge. Allerdings sei ihm am Tattag bei einem Treffen am Vormittag aufgefallen, dass der 32-Jährige „ein bisschen zu laut“ gewesen sei.

„Sie sind immer zusammen gewesen und liebevoll miteinander umgegangen“, sagte eine Nachbarin über die Beziehung des Ehepaars aus, in der es aus ihrer Sicht nach außen hin keine Probleme gegeben habe. Die Nachbarin befand sich am Tattag auf einem Spielplatz vor dem Haus, als der Angeklagte zusammen mit seinen Kindern nach draußen kam. Er habe gestammelt, dass er seine Frau umgebracht habe und seine Hände hätten gezittert.

von Manfred Hitzeroth

Das Video von damals:





                   

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Die Tür zur Wohnung der Getöteten ist im Juli 2013 mit einer Siegelmarke der Polizei verschlossen.

Am zweiten Tag im Mordprozess sagten gestern auch der Vater sowie Bruder und Schwester der 37-jährigen Frau aus, die im Juli 2013 von ihrem Ehemann am Richtsberg erstochen wurde.

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