Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Schuss auf Ruderer sorgt für Aufruhr

Sicherheit Schuss auf Ruderer sorgt für Aufruhr

Auf Mitglieder des Marburger Rudervereins soll geschossen worden sein. Von einem Hochsitz aus ist eine Gewehrkugel knapp über die Köpfe der Hobby-Sportler gestreift, sagen die Hobby-Sportler.

Voriger Artikel
Agenda fordert 3500 Sozialwohnungen
Nächster Artikel
Eine unvergessliche Nacht
Quelle: Björn Wisker

Gisselberg. Der Schock kommt beim Pizza essen. Marco Schwarz sitzt am Abend mit seinen Ruderfreunden am Bootshaus, sie quatschen über dies, fachsimpeln über jenes. Sie ahnen nicht, dass jemand auf der gegenüberliegenden Straßenseite gleich einen Schuss in ihre Richtung abfeuern wird.

Peng! Die Gruppe erschrickt. Im Nu saust eine Gewehrkugel durch die Bäume vor ihnen, am Vereinsheim vorbei in Richtung Lahn. „Knapp über unsere Köpfe hinweg“, sagt Schwarz. Hätte jemand auf der Rampe gestanden - der 36-Jährige möchte gar nicht daran denken. „Da steht immer mal jemand drauf. Es ist purer Zufall, dass es nicht so war, als der Schuss von dort drüben abgefeuert wurde“, sagt Karlheinz Teichmann (62) vom Marburger Ruderverein. Er deutet durch die Baumreihe, hinter der das Bootshaus versteckt liegt, auf den Wald. Davor ist ein Hochsitz aufgebaut, am Rand eines Feldwegs, das Vereinsheim liegt mehr als 100 Meter entfernt, wird vom Feld durch eine Schnellstraße und einen Radweg getrennt. Versteckt sich da der Schütze?

Schwarz schüttelt den Schreck ab, läuft vom Vereinsheim über die Straße in Richtung Wald. „Ich weiß nicht, wieso ich dorthin bin. Man weiß ja nicht, was einem da passieren kann, wer da geschossen hat und ob da noch mehr passiert“, sagt er. Der Paddler sieht einen Mann auf dem Hochsitz, ein ortskundiger Jäger. „Da war ich richtig überrascht.“

Galt der Schuss einem Fuchs?

Auch Teichmann ist entsetzt. „Ich gehe eigentlich davon aus, dass gerade so jemand mit einer Waffe verantwortungsvoll umgeht.“ Als Schwarz den Jäger zur Rede stellt, habe dieser den Schuss zugegeben - sagt aber, dass er im Feld einen Fuchs habe schießen wollen. Die Ruderer sind irritiert. Wie soll das erklären, dass der Schuss über ihre Köpfe streifte?

Unverständnis auch beim Landesjagdverband: „Ein Jäger darf nur in die Richtung schießen, die für ihn einsehbar ist. Wenn Bäume, Hecken, Kuppen oder gar Häuser im Weg sind, darf er keinesfalls schießen“, sagt Dr. Klaus Röther, Sprecher aus dem Ebsdorfergrund. Grundsätzlich gelte, dass Jäger gegen die Erde schießen, also in einem bestimmten Winkel den Boden anvisieren müssten. Stimmt dieser Winkel nicht, droht die Kugel abzuprallen. Wenn der Jäger in Gisselberg in Richtung Straße, Radweg und Ruderhaus gezielt habe, sei das nicht zu verantworten. „Geradeaus zu schießen, zumal wenn man ahnt, dass ein paar Meter weiter Menschen sein könnten, geht natürlich gar nicht“, sagt Röther.

Die Gisselberger Vereinsmitglieder berichten, dass der verdächtige Jäger auf dem Hochsitz eine Begleiterin gehabt haben soll. Verboten sei das nicht, die Bauten seien durchaus für zwei oder mehr Personen ausgelegt, sagt Röther. „Aber wenn nicht gerade ein anderer Jäger dabei ist, stört jeder beim Jagen, lenkt ab und verscheucht durch Geräusche die Tiere.“

Den Verweis auf das Erspähen eines Fuchses hält Röther indes für seltsam. Mitte Juni sei die Jagd auf diese Tiere noch problematisch. „Da sind Muttertiere, die noch mit der Aufzucht des Nachwuchses beschäftigt sind, unterwegs. Die sollte man zu diesem Zeitpunkt gar nicht jagen.“

Hochsitz verschoben

Ein Ziel haben die Vereinsmitglieder in Gisselberg bereits erreicht: Der Hochsitz, von dem aus geschossen worden sein soll, ist demontiert, an einer anderen Stelle des Feldes wieder aufgebaut worden. „Immerhin hat man diese Gefahr wohl erkannt und reagiert“, sagt Teichmann.

Ob der Schuss strafrechtliche Konsequenzen hat, ist unklar. Ein Problem: Den Ruderern fehlt der Beweis, die Kugel zischte am Haus vorbei in Richtung Lahn. Wo das Projektil letztlich einschlug, ist nicht festzustellen gewesen.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr