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Schulkost im Check: mittelmäßig bis gut

OP-Serie „Der Kreis macht Schule“ Schulkost im Check: mittelmäßig bis gut

Schulverpflegung soll gesund sein, logistisch machbar und bezahlbar. Und dann muss das Essen auch noch schmecken. In ihrer Serie „Der Kreis macht Schule“ dokumentiert die OP heute, wie der Schulträger diesen Ansprüchen gerecht wird.

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Koch Maik Scheffler (links) und Schuldezernent Dr. Karsten McGovern sind sich einig: Salat oder Gemüse – zubereitet aus frischen, möglichst regionalen Waren – gehört einfach zu jedem Schulessen dazu.

Quelle: Carina Becker

„Mittelmäßig bis gut.“ So bewertet Professor Volker Peinelt die Qualität des Essens, das an heimischen Schulen angeboten wird. Der Fachmann, der ein Verfahren zur Beurteilung von Speiseangeboten an Ganztagsschulen entwickelt hat, erstellte mit seinem Team von der Hochschule Niederrhein für den Landkreis eine Analyse zur Schulversorgung. Diese liegt nun vor.

Für den Schulträger wird das Thema Schulversorgung zunehmend wichtiger: zum einen, weil sich Schulen und öffentlicher Gesundheitsdienst der Herausforderung des Übergewichts bei mehr und mehr Kindern stellen müssen; zum anderen, weil weitere Schulen in den Ganztagsbetrieb wechseln und ihren Schülern dann auch eine Mittagsverpflegung bieten müssen.

„Um Veränderungen planen und auf den Weg bringen zu können, ist zunächst eine Analyse der Ausgangssituation wichtig“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Dr. Karsten McGovern (Grüne) während eines Mittagessens in der Kantine der Kreisverwaltung. Dort bereiten die Mitarbeiter der kreiseigenen Firma Integral die Speisen zu – und zwar nicht nur für den Kantinenbetrieb, sondern auch für fünf Marburger Schulen: die Pestalozzi-Schule, das Gymnasium Philippinum, die Otto-Ubbelohde-Schule, die Richtsberg-Schule und die Kaufmännischen Schulen. 120 bis 220 Vollmahlzeiten für die Schüler verlassen täglich die Küche im Kreishaus.

An 38 Schulen im Landkreis wird Mittagsversorgung angeboten. Integral beliefert insgesamt 16 Schulen. Peinelts Analyse zeigt, dass eine enorme Bandbreite an unterschiedlichen Verpflegungssystemen besteht. Hier und da bieten Bäckereien ihre Waren an, an manchen Schulen organisieren die Fördervereine die Versorgung. „Die Zeiten der Hausmeister-Kioske sind vorbei“, erklärt McGovern und verweist auf Peinelts Analyse. Die zeugt davon, dass an etlichen Schulen bereits viel Energie in den Aufbau der Schulverpflegung geflossen ist. Der Fachmann hebt vor allem die Versorgungskonzepte der Wollenbergschule in Wetter und der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain hervor.

Damit Schulessen auch angenommen wird, muss es verschiedene Kriterien erfüllen. Welche, das weiß Christiane Kappelhoff, die als Ökotrophologin für den Fachbereich Gesundheit beim Landkreis arbeitet. „Es soll gut aussehen, lecker schmecken und im Trend liegen.“ Doch lässt sich all das auch noch mit dem gesundheitspolitischen Anspruch in Einklang bringen? „Das ist eine Frage der Ernährungsbildung“, sagt Kappelhoff, „man kann bei den Kindern eine Haltung entwickeln.“

Dieses Ziel verfolgt der Landkreis durch das Projekt „Ernährungsführerschein“, das bereits an elf Prozent der heimischen Grundschulen angekommen ist. Dabei lernen Drittklässler und demnächst auch Fünft- und Sechstklässler, wie man sich gesund ernährt. „Man hat erkannt, dass es Kindern einfach an Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln fehlt, oft auch den Eltern.“ Durch den „Ernährungsführerschein“, bei dem Jungen und Mädchen selbst Speisen zubereiteten, lernten sie gesundes Essen schätzen.

„Man muss Kindern die Speisen einfach auf die richtige Art und Weise anbieten“, erklärt Koch Michael Freiling, bei Integral zuständig für die Schulverpflegung. Wenn er an der Alfred-Wegener-Schule einen Gemüse-Eintopf kocht, dann wird dieses Gericht für die Kinder attraktiv, weil sie zwischen Griesklößchen, Hackbällchen und Backerbsen als Einlage wählen können. „Es kommt darauf an, dass es verschiedenen Komponenten gibt, die die Schüler sich selbst zusammenstellen können.“ So ein Gericht kostet – inklusive Dessert – zwischen 1,50 und 3 Euro. Für bedürftige Kinder können die Schulen beim Land Zuschüsse beantragen.

„Am wichtigsten ist, dass ein Kind überhaupt gegessen hat“, sagt Torsten Schrodt, Leiter des Fachbereichs Schule und Gebäudemanagement beim Landkreis. „Unsere Aufgabe ist es allerdings, den Kindern gesundes Essen in guter Qualität anzubieten.“ Derzeit nehmen zehn Prozent der Schüler im Landkreis die Mittagsversorgung an den Schulen in Anspruch. Durch den sich ausdehnenden Ganztagsbetrieb werde diese Quote wohl auf 50 Prozent der Schüler anwachsen. „Darauf müssen wir uns nun vorbereiten.“

Döner, Pizza und Spaghetti – solche Wünsche tragen Schüler vor, wenn es um die Mittagsversorgung geht. Die Fachleute bestätigen jedoch, dass sie auch andere Speisen annehmen, wenn sie sie erst kennengelernt haben. Ein geeignetes Gericht für die Schule wäre beispielsweise das Gemüse-Curry, das Koch Maik Scheffler in der Kantine im Kreishaus mit Hähnchenbrust und Reis serviert. Vorab gibt es eine kalte Tomatensuppe, zum Dessert Rote Grütze mit frischen Beeren – ein Menü, das nicht nur ausgezeichnet schmeckt, sondern auch gesund ist.

von Carina Becker

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