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Schule moniert „heimliche“ Kürzungen

Schule für Kranke Schule moniert „heimliche“ Kürzungen

Kliniksdirektoren und Pädagogen kritisieren, dass das hessische Kultusministerium landesweit Lehrstellen an den Schulen für Kranke streicht – obwohl die Bettenanzahl in den Kliniken erhöht wird und somit die Schülerzahlen steigen werden.

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Schulleiter Edgar Sachse fürchtet, dass es in Zukunft mehr Schüler in Klinikschulen, aber weniger Lehrer geben wird.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. „Wir haben keine Elternlobby“, sagt Edgar Sachse, Leiter der Schule für Kranke in Marburg. „Die Eltern haben ganz andere Sorgen, sie sind froh, wenn ihre Kinder diese Schule schnell wieder verlassen können.“ Schließlich besuchen nur Schüler diese Schule, die in einer Marburger Klinik behandelt werden müssen. Die meisten Schüler sind Patienten der benachbarten Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Aber auch krebskranke Kinder, die auf den Lahnbergen behandelt werden, absolvieren ihren Unterricht an der Schule für Kranke – manchmal sogar im Krankenhausbett.

Die Herausforderungen für die Lehrer sind daher enorm. Daher können es Sachse und sein Kollegium nicht verstehen, dass ausgerechnet an den Schulen für Kranke in Hessen gespart werden soll. Der Personalrat der Marburger Schule sagt, dass das Kultusministerium „heimlich“ den Rotstift angesetzt habe.

Es geht um die Lehrer-Schüler-Relation. Sie ist von 0,17 Lehrerstellen pro Schüler auf 0,14 zurückgeschraubt worden, sagt Sachse. „Das sind 18 Prozent. Das macht bei uns zweieinhalb Lehrerstellen“, so Sachse.

Zunächst sei dies nicht einmal kommuniziert worden, erst auf Nachfrage – weil er von anderen Direktoren in Hessen davon erfahren habe –, sei ihm das bestätigt worden, so Sachse. Nachdem er sich ebenso wie viele seiner Kollegen aus anderen hessischen Städten beschwert hätte, sei der Schule nun eine Übergangslösung angeboten worden. Das Staatliche Schulamt werde aus seinem Pool an Vertretungsstunden die durch die Kürzungen fehlenden Unterrichtsstunden ausgleichen. Das Schulamt wird quasi die zweieinhalb fehlenden Lehrerstellen auffangen. Unterm Strich wird sich nach den Ferien für die Schüler also nichts ändern: Sie werden weiterhin von den gleichen Lehrern unterrichtet werden. „Doch was kommt im nächsten Schuljahr? Die Kürzungen der Lehrerzuweisungen bleiben ja“, sagt Sachse. Er sieht weitere Probleme auf die Schule zukommen: Das Land habe schließlich die Aufstockung der Betten beschlossen.

In der Marburger Kinder- und Jugendpsychiatrie werde es acht zusätzliche Betten geben. In Fulda werde eine neue Schule für Kranke mit 80 Plätzen gebaut werden – aber die Lehrerstellen sollen hessenweit so bleiben. Langfristig werde es weniger Lehrer und mehr kranke Schüler geben, sagt Sachse. Warum hier gespart werde? Lehrer mutmaßen: Bei den Schulen für Kranke gibt es keine festgelegten Stundentafeln. Die Unterrichtszeit orientiert sich an der Belastbarkeit der Schüler – diese ist individuell unterschiedlich. Im Schnitt sind vier bis acht Schüler in einer Klasse. Der durchschnittliche Aufenthalt eines Schülers beträgt acht Wochen.

von Anna Ntemiris

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