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Schulden-Helfer ächzen unter Kosten

Vereine Schulden-Helfer ächzen unter Kosten

Die Bürgerinitiative für Soziale Fragen (BSF) am Richtsberg muss Beratungsstunden für verschuldete Marburger streichen, weil bei gleichbleibender Förderung die Nebenkosten immer weiter steigen.

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Shaima Ghafury (links) und Elvira Nießen sind Sozial- und Schuldenberaterinnen bei der Bürgerinitiative für Soziale Fragen. Foto: Björn Wiske

Marburg. Die Marburger aus der Schuldenfalle retten - das ist der Job von Elvira Nießen und Shaima Ghafury. Die Sozialberaterinnen der BSF sind am Richtsberg jährlich mit mehr als 1000 Hilfesuchenden konfrontiert, die sich mit Geldsorgen plagen. „Die meisten kommen alleine, aber doch stellvertretend für eine Familie. Da stehen also pro Person die wir hier sehen, noch drei, vier Leute im Hintergrund“, sagt Nießen. Pro Woche kümmern sie und ihre Kollegin sich je rund 25 Stunden um die sozialen und finanziellen Probleme vieler Anwohner.

11 000 Euro erhält der Verein pro Jahr vom Kreisjobcenter für das Beratungsangebot. Dieser Betrag reicht für zehn Schuldner-beratungsstunden pro Woche. Jetzt muss die BSF vier Stunden kappen. Stromkosten, Heizung, Tarifsteigerungen, Bürobedarf: Die Nebenkosten verschlingen immer größere Teile der Förderung. „Der Betrag des KJC ist gedeckelt, aber er kompensiert nicht mehr den Bedarf“, sagt Karin Ackermann-Feulner, BSF-Geschäftsführerin. Und die Pädagogen befürchten aufgrund der Kostenentwicklung einen weiteren stufenweisen Abbau des Angebots - was für viele Anwohner zwischen Damaschkeweg und Badestube fatal wäre. Fast 2000 Richtsberger leben laut städtischem Sozialbericht in Bedarfsgemeinschaften, erhalten Geld aus dem Sozialsystem. „Hier im Stadtteil sind die Sorgen extrem. Die Existenzsicherung wird immer komplizierter“, sagt Nießen. Viele Rentner seien betroffen, auch Alleinerziehende und Migranten. „Es gibt hier russische Familien, da arbeiten die Leute in zwei, drei Jobs und kommen trotzdem nicht raus aus ihren Finanz-sorgen“, sagt sie.

Handyverträge, Werbung,Energiekosten als Gründe

Die Kombination aus aggressiver Werbung der Kaufhäuser, Tücken in Handyverträgen und steigenden Energiekosten sind Ghafury zufolge verantwortlich dafür, dass die meisten in den Schuldenstrudel geraten. „Extras kann sich kaum jemand leisten. Ist der Kühlschrank kaputt, steht nichts Erspartes zur Verfügung“, ergänzt sie.

Karin Ackermann-Feulners Einschätzung zufolge liegt das vor allem an der Warenkorb-Berechnung in der Sozialgesetzgebung. Demnach stehen im Regelsatz von 390 Euro für verschiedene Lebensbereiche unterschiedliche Euro-Beträge pro Monat zur Verfügung.Für Wohnungsinstandhaltung und Energie sind 32,68 Euro veranschlagt. „Davon müsste man sich für den Notfall Beträge ansparen - das ist kaum möglich. Wir beobachten daher, dass im Verbraucherbereich die Schulden steigen“, sagt die Geschäftsführerin. Am oberen Richtsberg seien es mehr Männer, am unteren Richtsberg mehr Frauen, welche die Hilfe der BSF suchen, erläutern Nießen und Ghafury. Weniger als 50 Arbeitsstunden können angesichts der immer weiter steigenden Kosten von den beiden Sozialberatern noch angeboten werden. Die Hoffnungen ruhen auf der Stadt Marburg. Sie stemmt den Großteil der Finanzierung des Vereins. „Wir hoffen, dass die Förderung dem tatsächlichen Bedarf weiter angepasst wird“, sagt Ackermann-Feulner.

von Björn Wisker

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