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Schul-Fans applaudieren zum Ehrentag

175 Jahre MLS Schul-Fans applaudieren zum Ehrentag

Für den Coup der Schulgeburtstags-Party sorgen Elternvertreter und Förderverein der MLS. Sie schenken dem Gymnasium während des gestrigen Festakts 10 000 Euro um eine neue Lichtanlage in der Aula zu installieren.

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Volle Hütte im Hülsen-Haus: Rund 200 Gäste waren zum Festakt der Martin-Luther-Schule gekommen, um dem Innenstadt-Gymnasium zu seinem 175. Geburtstag zu gratulieren. Andrang herrschte auch beim Klassikkonzert am Dienstagabend. Fotos: Björn Wisker /

Marburg. Martin Schäfer ist es, der das Protokoll sprengt. Sekunden nachdem der Elternvertreter seine Lobes-Hymne zum 175. Geburtstag der Martin-Luther-Schule beendet hat und das Orchester klassische Musik spielen soll, zückt er einen Umschlag. Er bittet, gemeinsam mit Barbara Marz vom Förderverein, den Schulleiter auf die Bühne. Und so recht geglaubt hat es Karl Goecke im ersten Moment nicht, dass er da einen Scheck über 10 000 Euro in die Hand gedrückt bekommt. „Das wird uns im Kampf um besseres Licht in der Aula helfen“, sagt er. Denn dafür ist das Geld der Eltern gedacht. „Getreu dem MLS-Motto: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann bauen sie in und an der Schule noch heute“, sagt Schäfer.

Er spielt damit auf die unendliche Geschichte der Um-züge, An- und Umbauten, der Renovierungen und Pilgerschaft in Nachbargebäude an, die eine Konstante in der Geschichte der Martin-Luther-Schule sind. Eines Gymnasiums, das große Teile von Marburgs Elite ausbildet. „Der letzte Abiturjahrgang hat erstklassig abgeschnitten, hessenweit herausragend“, sagt Heike Grosser vom Staatlichen Schulamt. Überhaupt habe die MLS den Weg zur Top-Schule vor vielen Jahren konsequent beschritten, ein klares Profil entwickelt, einen musischen und naturwissenschaftlichen Schwerpunkt gebildet.

Und doch haftet dem Gymnasium nicht der Ruf der elitären Kaderschmiede an, sagt Elternvertreter Schäfer: „Hier erfahren Kinder und Jugendliche von ihrer Begabung, sie werden in ihren Stärken gefördert.“ Dass sich der Komplex an der Savignystraße zu einem Leuchtturm in Hessens Bildungslandschaft entwickelt habe, liege an „einem Lehrerkollegium, das Schülern für Kreativität Zeit lässt und nicht jeden Lernschritt empirisch misst“, sagt er. Die Rückkehr zu G9 nährt zudem die Hoffnung auf mehr Zeit für die schulische und persönliche Entwicklung der Jugendlichen. „Zumindest dann, wenn keine neuen Überraschungseier aus Wiesbaden kommen“, sagt er.

Trotz langer Geschichte: Die MLS marschiert auf dem Pfad in Richtung Bildungs-Moderne: „Neue Medien, Sozialpädagogik, Inklusion: So lauten die heutigen Aufgaben - und diese Schule lebt diese Herausforderungen“, sagt Kerstin Weinbach (SPD), Schuldezernentin.

Die Geschichte interessiert auch Schulleiter Karl Goecke weniger als die Zukunft: „Stolz auf vergangene Meriten zu blicken zu sein, ist schön. Aber unser Gymnasium muss stets nach vorne blicken, mit der Zeit gehen“, sagt er. Sei es in den Anfangsjahren nach 1838 noch um reine Fachausbildung von jungen Marburgern gegangen, rücke seit geraumer Zeit Soziales und Kulturelles in den Mittelpunkt, vor allem in der Beziehung zwischen Lehrern und Schülern. „Nur, wenn der Lehrplan nicht alles ist, wenn wir uns auch um die Sorgen und Wünsche des Einzelnen kümmern, funktioniert Schule“. Ihr Besuch sei keine lästige Pflicht, sondern die Chance „Mut für das Einsetzen des eigenen Verstands zu erlangen“.

In seinem abschließenden Festvortrag widmet sich Professor Arbogast Schmitt der Frage, ob und wie Schule zur Glückseligkeit beitragen kann. „Eine Ordnung der Lüste tut dem Menschen gut, bildet seinen Charakter. Ein Mix aus Verstand, Sinneslüsten und Gefühl“, sagt er. Und Schulen, Lehrer wie die an der MLS könnten all das, die Fähigkeiten der Schüler, deren Lebensweg prägen. „Schule ist der Schmackhaftmacher für Bedürfnisse. Sie muss in Kindern Neugier wecken, ihnen Möglichkeiten zeigen, ihre Stärken entwickeln. Und wenn die Schüler eine Fähigkeit beherrschen, sind sie glücklich“, sagt der Forscher.

Stichwort Glück: Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) verspricht der MLS Hilfe für einige Dauer-Baustellen. „Modernisierung des Lehrerzimmers und Konzeption neuer Aufenthaltsräume für Schüler.: Wir haben das auf dem Schirm“, sagt er.

von Björn Wisker

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