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Schützer der Radfahrer und Fußgänger

Langsamverkehrsbeauftragter Schützer der Radfahrer und Fußgänger

Herrschen in Marburg bald Schweizer Verhältnisse? Wenn es nach den Marburger Linken geht: ja. Denn die Fraktion beantragt, die Stelle eines „Langsamverkehrsbeauftragten“ einzurichten.

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Ein Lastwagen biegt von der Elisabethstraße nach links in die Deutschhausstraße ab, ein Fußgänger läuft am Überweg noch schnell über die Straße – Sinnbild für das „feindliche Grün“. Foto: Andreas Schmidt

Marburg. Die Idee stammt aus der Schweiz. Dort gibt es in zahlreichen Städten und Kantonen einen Beauftragten für den Langsamverkehr. Dieser kümmert sich um die Belange all jener Verkehrsteilnehmer, die ohne Motorkraft unterwegs sind, also Fußgänger, Radfahrer und Inline-Scater.

Der Marburger Hans-Horst Althaus, der nach eigenem Bekunden schon seit Jahren kein Auto mehr besitzt, wird nicht müde, dafür zu werben, auch im Marburger Rathaus eine solche Stelle einzurichten. Auf diesen Zug ist nun auch die Stadtverordneten-Fraktion Marburger Linke aufgesprungen und will einen entsprechenden Antrag im Parlament stellen.

„Der Langsamverkehr solltesich als gleichberechtigter, wenn nicht bevorrechtigter Partner in einer nachhaltigen Verkehrspolitik entwickeln können“, heißt es in den Begründung des Antrags, der am kommenden Dienstag im Verkehrsausschuss zur Sprache kommen wird. Die Linke moniert, dass immer wieder bei der Bau- und Verkehrsplanung die Interessen des Langsamverkehrs nicht oder völlig unzureichend berücksichtigt werden. Und führt als ein Beispiel die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes an. Aus Sicht der Linken, so ihr verkehrspolitischer Sprecher Henning Köster, spiele auch bei der Planung des Campus Firmanei die weitere enorme Zunahme des Langsamverkehrs bisher kaum eine Rolle, indem eine Parkplatzdebatte in den Vordergrund geschoben werde. Dasselbe gelte auch für die Planung des Gebietes zwischen renovierter Stadthalle und Auditoriengebäude.

Die Marburger Linke beklagt weiter, dass es in der Stadt Tag für Tag zu massiven Beeinträchtigungen für Fußgänger und Radfahrer komme. Es gebe unfreundliche, weil zu kurze Ampelschaltungen, zum Teil mit „feindlichem Grün“. Das heißt: Gleichzeitig haben auch einbiegende Autofahrer Grün wie zum Beispiel an der Einmündung der Elisabethstraße in die Deutschhausstraße. Außerdem wäre der Ausbau des innerstädtischen Radwegenetzes dringend erforderlich. „Stattdessen bleiben Vorschläge des nicht öffentlich tagenden Radverkehrsbeirates oft unberücksichtigt oder werden verschleppt“, heißt es in der Antragsbegründung.

Weiter reklamiert die Linken-Fraktion, den Fußgänger- und Fahrradverkehr an neuralgischen Punkten zu zählen.

Vaupel preist Einrichtung von Tempo-30-Zonen

Das werde vom Magistrat bisher weitgehend verweigert, „während Pkw-Ströme regelmäßig erfasst werden“. Es müsse endlich ein Umdenken angestoßen werden, sodass die „Leistungsfähigkeit“ einer Straße nicht mehr einzig und allein danach bemessen werde, „wie viele Pkws möglichst flüssig (und damit schnell) hindurch kommen, sondern wie viele Fahrradfahrer und Fußgänger sie möglichst wenig gefährdet nutzen beziehungsweise queren können“.

Um gegen diese - aus Sicht der Linken - Missstände anzugehen, sei die Einrichtung der Stelle eines „Langsamverkehrsbeauftragten“ notwendig.

Das sieht Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) ganz anders. Er stellt zwar nicht in Abrede, dass in Marburg Handlungsbedarf zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer, also Fußgänger und Radfahrer, bestehe. Aber das gehöre bereits zur tagtäglichen Arbeit etwa der Straßenverkehrsbehörde und des Bauamtes.

Als ein gewichtiges Beispiel dafür, was die Stadt schon bisher für die Interessen des Langsamverkehrs getan habe, führt Vaupel die Einrichtung von Tempo-30-Zonen an. „Da gibt es bundesweit wenige vergleichbare Kommunen, die das in demselben Umfang umgesetzt haben wie wir.“

Aus seiner Sicht bewähre sich dieses Konzept bereits. Er selbst habe eine Zunahme der gegenseitigen Rücksichtnahme und eine außerordentlich hohe Akzeptanz bei den Autofahrern festgestellt. Aber das Ganze brauche auch Zeit. „Ich will, dass im Kopf eines jeden Verkehrsteilnehmers ein Langsamverkehrsbeauftragter steckt“, wünscht sich Vaupel. Und schließt gleichzeitig kategorisch die Einrichtung einer solchen Stelle aus - vor dem Hintergrund des ohnehin schon stark vergrößerten Personalkostenbudgets.

Der Umwelt- und Verkehrsausschuss tagt am Dienstag, 20. August, ab 18 Uhr im Sitzungssaal Barfüßerstraße 50. Auf der Tagesordnung stehen außerdem unter anderem der Ausbau der Marburger Straße in Cappel und die Einführung eines Handy-Parksystems für die öffentlichen Parkflächen.

von Michael Arndt

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