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Schüler geben den Denkanstoß

Stolpersteine für Kirchhain Schüler geben den Denkanstoß

Die Idee stammt von Schülerinnen und Schüler der Alfred-Wegener-Schule: Die Erinnerung an das einst reiche jüdische Leben in Kirchhain soll durch die Stolperstein--Aktion in der Stadt wachgehalten werden.

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In über 870 deutschen Städten hat Gunter Deming schon Stolpersteine verlegt. So auch in Lohra,
wo Messing-Quadrate an von ihrem Zuhause deportierten und zum Teil ermordeten Juden erinnern. Demnächst soll es diese auch in Kirchhain geben. Archivfotos: Bernshausen / dpa

Quelle: Benedikt Bernshausen

Kirchhain. Und diese Idee hat nun gute Aussichten, auch umgesetzt zu werden. Einstimmig verabschiedet die Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und des Stadtverordneten Stefan Heck (Die Linke). In diesem Antrag wird der Magistrat gebeten, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auf den Gehwegen und Straßen der Stadt zum Andenken an die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten, ermordeten, deportierten jüdischen Mitbürger Erinnerungssteine des Künstlers Gunter Deming verlegt werden können.

Der Kölner Bildhauer beschäftigt sich seit 1990 mit dem Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Die Namen stehen auf den Messingplatten auf der Oberseite der Stolpersteine. Wer sie und die Lebensdaten lesen möchte, muss sich bücken, was der Künstler als symbolische Verbeugung vor den Opfern verstanden wissen möchte. Inzwischen finden sich Demings Stolpersteine in 18 Ländern.

Die Intension des Künstlers decken sich mit der Absicht der AWS-Schülerinnen und Schüler, die am 8. November 2013 75 Jahre nach dem Pogrom in Kirchhain bei einer Gedenkfeier den ehemaligen jüdischen Mitbürgern in einer unter die Haut gehenden Performance Namen, Gesicht, Wohnort und Geschichte wiedergegeben hatten. Aus diesem Theaterprojekt heraus entstand die Stolperstein-Idee der Schülerinnen und Schüler, wie Stadtverordnetenvorsteher Willibald Preis berichtete. Preis begründete für die Fraktionen den Antrag und erklärte, dass das Projekt ausschließlich über Spenden und Fördergelder finanziert werden solle. Ein entsprechender Förderantrag werde bei der Region­ Burgwald-Ederbergland gestellt.

Ein Arbeitskreis, bestehend aus den AWS-Schülern, des Heimat- und Geschichtsvereins, der Stadtverwaltung und Vertretern der im Stadtparlament vertretenen Fraktionen solle das Vorhaben voranbringen, Spenden einwerben und das Einverständnis der Anlieger einholen, berichtete Willibald Preis.

Bekannteste Zeugnisse des vom Naziterror völlig ausgelöschten jüdischen Lebens in Kirchhain sind der jüdische Friedhof und die fast völlig erhaltene Synagoge.

Dazu kommen zahlreiche Wohnhäuser jüdischer Bürger, die Harald Pausch, Hobby-Historiker und Vorstandsmitglied des Kirchhainer Heimat- und Geschichtsvereins, vollständig dokumentiert hat.

von Matthias Mayer

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