Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Schüler folgen Fairtrade-Spuren

Projekt der KKS Schüler folgen Fairtrade-Spuren

Konsumkritik aus der Käthe-Kollwitz-Schule: Eine Arbeitsgruppe hat sich bei einem Stadtrundgang mit Billig-Preisen und internationaler Arbeits-Ausbeutung befasst.

Voriger Artikel
Datendiebstahl – Machen Sie den Test!
Nächster Artikel
Weitere Klinik-Mitarbeiter auf Keim untersucht

Fleischproduktion, Schokoladen-Herstellung, Rosen-Zucht: Die Schülerinnen der Käthe-Kollwitz-Schule klärten rund 20 Gäste während eines Stadtrundgangs über die Probleme bei den Wirtschaftskreisläufen auf . Fotos: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Sie denkt an Schokolade, doch die Bilder auf dem Boden betrüben Müzeyyen Küccükoruc. Die Jugendliche blickt auf Leinensäcke, Macheten und einen Geldbeutel - Symbole für das, was sie anprangert: Ausbeutung. „Kinder in armen Ländern müssen den ganzen Tag zwölf Kilogramm schwere Säcke voller Kakao schleppen. Doch von dem, was mit Schokolade irgendwo auf der Welt verdient wird, bekommen sie nichts“, sagt sie.

Küccükoruc ist eine Schülerin aus dem Wahlpflichtkurs „Fairer Handel“ an der Käthe-Kollwitz-Schule (KKS), die bei einem öffentlichen Stadtrundgang Vorträge zu Ursachen und Folgen von Billig-Konsum hält. Fleisch, Rosen, Schokolade - auf drei Etappen sprechen die jungen Frauen über Massenware, Minilöhne und Moral. „Es hat Gründe, wieso einige Tafeln Schokolade 39 Cent, andere fast zwei Euro kosten“, sagt Küccükoruc. Es sei „eine Gewissensfrage, für welches Produkt man sich entscheidet“. 1,8 Millionen westafrikanische Kinder, so haben ihre Recherchen für das Projekt ergeben, versorgen die Welt pro Jahr mit 5 Millionen Tonnen an Rohstoffen für Schokolade. Das solle man beim Schlendern durch den Supermarkt bedenken.

Auch Sophie Scherer, Johanna Theis, Kimberly Curtis und Sina Peter richten ein Appell an die Marburger: Zügelt euren Fleischkonsum! Die Gruppe sprach über das Schlachten, Massentierhaltung, Produktionsketten. „Mit Antibiotika werden Tiere, die nur in riesigen Ställen hausen, am Leben erhalten. Und diese Medikamente sind bei Verzehr gefährlich für Menschen“, erklärt Johanna Theis. Sie spielt damit auf Antibiotika-Resistenz an.

Zahlen, Fakten, Prognosen: „Das hier ist aber kein Frontal-Unterricht“, sagt Curtis. Prompt packt sie Folien aus, legt sie auf den Boden, spricht die 20 Rundgänger an: „Auf welchem Kontinent wird am meisten Fleisch verzehrt?“ Schüchtern wagt sich eine junge Frau vor, gibt ihren Tipp ab, klebt farbige Streifen auf die Landkarte. Sophie Scherer nickt anerkennend, „das stimmt so“. Nordamerika 130 Kilogramm pro Kopf und Jahr, Europa 70, Südamerika 60, Asien 40 und Afrika 20. „1094 Tiere verzehrt ein Deutscher in seinem Leben“, sagt Scherer. Doch - so Sina Peter - seien die Zahlen seit rund fünf Jahren rückläufig.

Weniger bekannt sind die Probleme in der Blumen-Industrie. 80 Millionen Rosen sowie 40 Millionen Nelken und 10 Millionen Chrysanthemen werden jährlich nach Deutschland importiert - acht Millionen Rosen werden alleine zum Muttertag verkauft. Doch dafür, dass bei jeder Feier ein Blumen-gesteck auf dem Tisch stehen könne, schuften etwa Kenianer auf Hochebenen unter gefährlichen Bedingungen: giftige Pflanzenschutzmittel, fehlende Arbeitsschutzkleidung, Magerlöhne bei 52 Stunden Arbeit pro Woche. Die Schülerinnen plädieren für mehr Problembewusstsein beim Einkauf.

„So ein schulisches Engagement gab es bisher noch nicht“ sagt Oliver Mundy von der Marburger Ortsgruppe der Organisation „Weltbewusst“. 16 ähnliche Rundgänge veranstaltete die Umwelt-Initiative vergangenes Jahr, letzt halfen sie den Schülern bei der Umsetzung einer eigenen Stadtführung. Ziel sei es, den Umweltschutz zu fördern. „Die Mädels haben sich das Konzept überlegt und die Themen im ganzen Schuljahr vorbereitet“, sagt Sabine Behle, Wahlpflicht-Lehrerin an der Fachoberschule der KKS.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr