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Schüler erinnern an Opfer der Nazi-Verbrechen

Holocaust-Gedenktag Schüler erinnern an Opfer der Nazi-Verbrechen

Am Holocaust-Gedenktag gab es an der Elisabethschule eine Gedenkfeier, an der Martin-Luther-Schule wurde eine Ausstellung eröffnet.

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Die Neuntklässler der Elisabethschule trafen sich auf dem Schulhof zu einer Gedenkfeier. An der Martin-Luther-Schule begrüßte Arne Erdmann (Foto, unten rechts
außen) mit seinem Team die Ehrengäste Dr. Heinz Düx mit Ehefrau (4. und 5. von links) sowie Amnon Orbach (3. von links).

Quelle: Rike Werner / Arnd Hartmann

Marburg. Mindestens 39 jüdische Schülerinnen der Elisabethschule wurden während der Nazi-Zeit ermordet. „Alle dieser Ermordeten und Verfolgten sind ein Teil der Schulgeschichte, den wir nicht vergessen wollen“, sagte die Religionslehrerin Jutta Soltendieck-Plenge.

Um der Opfer zu gedenken, hatten sich Schüler der neunten Jahrgangsstufe mit den Biografien einiger Opfer beschäftigt und stellten diese ihren Klassenkameraden und zwei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde vor. „Die Schicksale der verfolgten Schülerinnen erinnern uns in diesen Tagen, dass wir für Toleranz und Respekt einstehen müssen“, erläuterte Soltendieck-Plenge und verwies damit auch auf die Flüchtlingskrise. So seien die Flüchtlinge schließlich in einer vergleichbaren Situation wie die Juden damals.

Im Anschluss besuchten die Schüler die Synagoge in der Liebigstraße, wo sie von Amnon Orbach einen Einblick in das jüdische Leben bekamen. Der Marburger Ehrenbürger ist der Schule schon sehr lange verbunden, seit vielen Jahren nimmt er dort an der jährlichen Gedenkfeier teil. „An der Schule fühle ich mich wie ein Kind, mit einer Familie“, betonte er.

„Die jährliche Gedenkfeier ist für uns ein wichtiger Termin“, betonte Schulleiter Tobias Meinel. „An der Schule herrscht ein gelebter Ausdruck von religiöser Toleranz. Das vermitteln wir im Unterricht und in der Praxis.“

Schülerin Luzie Hegele sagte: „Ich fand die Gedenkfeier sehr schön. Wir haben im Vorfeld viel über die Opfer recherchiert.“ Die 14-Jährige stellte die Biografie von Hedwig Jahnow vor, der ersten Frau im Magistrat der Stadt Marburg und ehemaligen stellvertretenden Schulleiterin.

„Ich finde, dass es ziemlich wichtig ist, zu besprechen, was damals passiert ist, weil ich glaube, dass viele nicht genug darüber wissen“, meinte auch Mila Schmidt (14). „Durch die Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde bekommt man nochmal ganz andere Dinge zu sehen.“

Die Martin-Luther-Schule (MLS) und die schuleigene Gedenken-AG erinnerten an die zivilen Opfer des NS-Regimes mit einer neuen Ausstellung „Die Arbeit der Gedenken-AG ist vor allem für euch gemacht“, richtete Schulleiter Karl Goecke sich an seine Schüler. Mit einem Gebet gedachte Amnon Orbach, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Marburg, der Opfer des Faschismus.

Platz für Ausstellung im neuen Anbau der Schule

Ehrengast Dr. Heinz Düx, der 1942 sein Abitur an der MLS erlangte und als späterer Untersuchungsrichter in Frankfurt die Strafverfolgung von NS-Tätern in den Auschwitz-Prozessen begleitete, gilt als „leuchtendes Vorbild“ für die Schulgemeinde, sagte Gedenken-AG-Vorsitzender Arne Erdmann. Zeitzeuge Düx berichtete später von seiner Schulzeit und dem Engagement gegen das damalige politische System. „Die Gedenken-AG schafft gebührende Erinnerungen gegen die begangenen Verbrechen“, dankte Düx den Schülern.

Insgesamt acht gläserne Tafeln entstanden im Zuge der AG-Arbeit. Sie dokumentieren vier ausgewählte Lebensläufe und zwei Lebenslinien systemkritischer Köpfe, aber auch den Schulalltag unter der Diktatur. Und sie enthalten eine Auflistung aller 39 Opfer und ehemaligen Schüler. Einen Platz sollen die Tafeln künftig im neuen Anbau der Schule finden.

Neben der eigentlichen Schulzeit engagieren sich die AG-Mitglieder in wöchentlichen Treffen, um „die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart zu sichern“, erklärten die Mitglieder Nico Meinert und Myriel Schiller. Mit Zeitzeugeninterviews und Pflege der in der Stadt angelegten Stolpersteine, wollen die Schüler so gegen das Vergessen ankämpfen.

von Rike Werner und Arnd Hartmann

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