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Schrumpfende Kirche muss sparen

Frühjahrssynode Schrumpfende Kirche muss sparen

Die Beschlüsse der Landessynode, mittels derer die Landeskirche bis 2026 rund 30 Millionen Euro einsparen will, standen im Mittelpunkt der Frühjahrssynode. Außerdem standen Nachwahlen auf dem Programm.

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Dekan Hermann Köhler (Zweiter von links), mit den neu Gewählten: Pfarrerin Wilma Ruppert-Golin (von links), Irmtraud Michel und Gunther Martin.

Quelle: Manfred Schubert

Kirchhain. Die Gemeindegliederzahl der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sinkt und damit verbunden ebenfalls die Einnahmen. Um dem bei der Erstellung der künftigen Haushaltspläne Rechnung tragen zu können, war 2011 ein „Zukunftsausschuss“ eingesetzt worden.

Unter dem Motto „Volkskirche qualitativ weiterentwickeln“ hatte dieser im November der Landessynode seinen Abschlussbericht vorgestellt. Auf dieser Grundlage fasste sie weit reichende Beschlüsse mit dem Ziel, bei geringer werdenden Finanzmitteln auch in Zukunft ein zuverlässiger Partner für die Menschen in den Kirchengemeinden, Bildungseinrichtungen und Diakonischen Diensten zu sein.

77 Synodale bei der vierstündigen Frühjahrssitzung

Diese Beschlüsse, die allein 25 Seiten umfassen und die in den nächsten zehn Jahren umgesetzt werden sollen, erläuterte Pfarrer Wolfgang Kallies (Foto: Schubert), Geschäftsführer des Zukunftsausschusses der Landessynode, am Mittwochabend den 77 Synodalen, die im Gemeindezentrum zu ihrer vierstündigen Frühjahrssitzung zusammengekommen waren.

In fünf so genannten „Korridoren“, die Gebäude und Liegenschaften, theologisches Personal, Sonderhaushalte, Diakonie und Verwaltung umfassen, wurden Vorschläge unterbreitet, wie die Landeskirche bis 2026 rund 30 Millionen Euro einsparen könne.

Kirchengebäude werden in drei Kategorien aufgeteilt

So sollen die Kirchengebäude gemäß ihrer Nutzung in drei Kategorien eingeteilt werden. Die höchste davon ist die „Regionalkirche“, für diese sollen Landeskirchenmittel zur Bauunterhaltung und Ausgestaltung fließen. Bei „Lokalkirchen“ soll Bauunterhaltung durch Instandsetzung, ohne Ausgestaltung, stattfinden.

Nur zu bestimmten Anlässen genutzte „Okkasionalkirchen“  sollen in ihrer Gebrauchsfähigkeit gesichert werden bei reduziertem Umfang der Instandhaltung. Der Bauausschuss des Kirchenkreises soll einen Vorschlag zur Kategorisierung erarbeiten, bis 2018 soll diese abgeschlossen sein.

200 Quadratmeter für je 1700 Gemeindeglieder

Pfarrhäuser für halbe Gemeindepfarrstellen sollen in der Regel aufgegeben werden, bei Dreiviertelstellen erfolgt eine Prüfung im Einzelfall. Der 2013 erstmals aufgestellte Gebäudebedarfsplan für Gemeindehäuser, der 200 Quadratmeter je 1700 Gemeindeglieder vorsieht, wird fortgeschrieben.

Für den Pfarrdienst sind Einsparungen von 133 Gemeindepfarrstellen und 94 funktionalen Pfarrstellen bis 2026 vorgesehen. Mindestens 400 Gemeindepfarrstellen und 150 funktionale Pfarrstellen sollen die flächendeckende pfarramtliche Versorgung der Gemeinden gewährleisten.

Pfarrstellen sollen mit Formel bemessen werden

Ab 2018 wird eine neue Pfarrstellenbemessungsformel eingeführt, bei der die Zahl der Gemeindeglieder eines Kirchenkreises mit 85 und dessen Fläche mit 15 Prozent gewichtet wird. Der Stellenplan soll bis 1. Januar 2020 von der Kreissynode beschlossen und nach Genehmigung durch die Landeskirche bis 1. Januar 2023 umgesetzt werden.

Pfarrstellenpools sollen der basisnahen Verteilung von Pfarrstellen dienen. Die Bildung so genannter „Kooperationsräume“ soll neue Formen der Zusammenarbeit von Gemeinden im Kirchenkreis ermöglichen.

Neue Assistenzstellen sollen geschaffen werden

In der Verwaltung soll es Entlastung geben durch Schaffung von einer halben Assistenzstelle pro fünf Pfarrstellen, möglichst bezogen auf Kooperationsräume. Vorschläge zu deren Bildung sollen bis zur Sommerpause vom Kirchenvorstand kommen, kündigte Dekan Hermann Köhler an, 2017 die Umsetzung und die verbindliche Zusammenarbeit ab 1. Januar 2018.

Bei den Sonderhaushalten geht es um kirchliche Handlungsfelder wie Kirchenmusik, Bildung, Krankenhausseelsorge und Öffentlichkeitsarbeit. Ab 2018 soll es eine Offensive in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf der mittleren und  gemeindlichen Ebene geben.

Fusion zum Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf  

Die Forderung zur Fusion der regionalen Diakonischen Werke (DW) ist mit der Bildung des Diakonischen Werkes Marburg-Biedenkopf aus den DW Oberhessen und Biedenkopf seit diesem Jahr bereits erfüllt. In Modellregionen sollen bis 2020 Trägerverbände für Kindertagesstätten evaluiert werden.

Der Kirchenkreis Kirchhain ist eine davon, bis 2016 soll sich ein Zweckverband evangelischer Kindertagesstätten bilden. Auch Verwaltungswege würden überprüft, betonte Kallies am Ende seines Vortrags, wie man sie verschlanken könne. 25 Prozent sollen im Vergleich zu 2010 eingespart werden.

Kirchengemeinden engagieren sich für Flüchtlinge

In seinem Bericht über die Arbeit im Kirchenkreis legte Dekan Köhler einen Schwerpunkt auf die Flüchtlingsarbeit. Angesichts der Vielzahl, die in unseren Dörfern und Städten Aufnahme suchten, habe „auch der blanke Hass gegen alles Fremde wieder seine hässliche Fratze gezeigt. Wir haben als Christen in Deutschland einen ganz eindeutigen Auftrag, dem entgegenzutreten, wo immer er auch begegnet, indem wir zeigen, dass es auch anders geht“. Dass es anders geht, würden viele Kommunen und Kirchengemeinden im Kirchenkreis beweisen.

Zur Statistik merkte er an, dass im Vorjahr die Zahl der Taufen und Kircheneintritte zugenommen habe, aber auch die Zahl der Bestattungen und Austritte. Die Zahlen zum Gemeindegliederstand Ende 2015 lagen noch nicht vor, Ende 2014 waren es 41.536.

Wilma Ruppert-Golin zur geistliche Vertreterin gewählt

Köhler gab außerdem bekannt, dass Pfarrer Wilhelm Hammann (Goßfelden-Sarnau) zum Dekan des Kirchenkreises Schlüchtern berufen wurde. Köhler dankte Hammann insbesondere für dessen Dienst als stellvertretender Dekan in der Vakanzzeit des Dekanats. Um das Amt des geistlichen Vertreters in der Landessynode bewarben sich Pfarrerin Wilma Ruppert-Golin (Rosphetal-Mellnau) und Pfarrer Dr. Georg Kuhaupt (Kirchhain), erstere setzte sich mit zwei Drittel der Stimmen durch.

Weitere Nachwahlen: Stellvertretendes Mitglied im Kirchenkreisvorstand ist Gunther Martin (Kirchhain) und neues Mitglied in der Verbandsvertretung des Diakonischen Werkes Marburg-Biedenkopf Irmtraud Michel (Kleinseelheim).

von Manfred Schubert

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