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Schröcker fordern Schutz der Vögel

Protest gegen Windkraft-Pläne Schröcker fordern Schutz der Vögel

Die geplanten Windkraftanlagen der Stadtwerke am „Lichten Küppel“ sorgen für Zündstoff in den umliegenden Stadtteilen – auch in Schröck. Von der Stadt gefragt wurde der Ortsbeirat nicht, an der Debatte teilnehmen wird er trotzdem.

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Schröcker Bürger kritisieren die Planung von Windrädern auf den Lahnbergen.

Quelle: Archiv

Schröck. Für Ärger unter den Anwesenden sorgte eine Information des Regierungspräsidiums Gießen: Im Genehmigungsverfahren des Projekts sei nicht vorgesehen, dass der Ortsbeirat Schröck oder Nachbar Moischt zum Thema gehört werden sollen – im Gegensatz zu Cappel als direkt betroffene Gemarkung.

Dabei würden die geplanten Anlagen „fast vor der Haustür“, geschätzt nicht mal 1500 Meter entfernt, stehen, ärgerten sich einige Schröcker. „Strom brauchen wir alle, in jedem Bereich“, sinnierte Ortsvorsteher Uwe Heuser. Neben Windkraft sei die Energiegewinnung aus Photovoltaikanlagen eine annehmbare Alternative, diese setzte jedoch großflächige freie Gebiete voraus. „Tausende Quadratmeter bewirtschaftbare Fläche würden wegfallen“, gab Heuser zu bedenken.

Über die befürchtete Beeinträchtigung durch die geplanten Windräder für die Region sprach Jens Mengel-Vornhagen. „Die Lahnberge kommen für die Windkraft nicht infrage“, betonte das Ortsbeiratsmitglied und forderte seine Amtskollegen auf, sich gegen das Projekt zu stellen. Kummer machen ihm die Auswirkungen auf Mensch und Tier. Er sprach sich gegen das Projekt und für einen Erhalt des „Lichten Küppels“ als wichtiges Naherholungsgebiet aus. Das Entscheidende an dem geplanten Bau sei die Zerstörung tierischen Lebensraumes.

Mengel-Vornhagen bezog sich auf die Kritik des Marburger Vogelschutzbeauftragten Professor Martin Kraft. Dieser hatte sich Anfang November entschieden gegen Windkraftanlagen auf den Lahnbergen ausgesprochen und auf die tödliche Gefahr für Brut- und Zugvögel hingewiesen (die OP berichtete).

Marburger Land für Vögel „das Frankfurter Kreuz“

Eine der Routen der Zugvögel, die zweimal im Jahr in großen Schwärmen aus dem Vogelschutzgebiet Lahntal strömen, liege direkt im Gebiet von Schröck, betonte Mengel-Vornhagen. Das Marburger Land sei für die Tiere „wie das Frankfurter Kreuz“ und habe einen besonderen Schutz verdient. Zudem gelte das Gebiet als Kernverbreitungsgebiet des seltenen Rotmilans, der regelmäßig am „Lichten Küppel“ zu beobachten sei, berichteten ebenfalls einige Zuhörer.

Dem stimmte der anwesende Stadtverordnete Uwe Volz (Grüne) zu, verwies jedoch auf die Einhaltung der gesetzlichen Regelung zum Schutz gefährdeter Vogelarten. Die Kollisionsgefahr für Vögel oder Fledermäuse könne nie vollständig beseitigt werden. In diesem Punkt werde es einen Ausgleich zwischen Natur- und Klimaschutz geben: In den Genehmigungsdokumenten werde festgehalten, dass die Anlagen zur Zeit des verstärkten Vogelfluges bei schlechtem Wetter still stehen sollen, erklärte Volz.

Dem standen einige Zuhörer kritisch gegenüber, zweifelten an der Durchführbarkeit während der wochenlangen Flugzeit der Zugvögel zweimal im Jahr. Kritisch äußerten sich die Anwesenden zudem über die allgemeine Verfahrensweise der Projektverantwortlichen und die fehlende Transparenz.

Mehrere Einwohner äußerten Bedenken, dass die Windräder „aus ideologischen Gründen“ verfrüht und „erst einmal schnell gebaut“ würden, ohne wirklich abschließende Fakten über Rentabilität und Auswirkungen zu kennen. Eine klare Stellungnahme zum Thema brachte der Ortsbeirat noch nicht zu Papier, ein entsprechender Antrag wurde verschoben. Detailliertere Informationen erhoffen sich die Schröcker von einer Informationsveranstaltung am 15. Januar in der Mehrzweckhalle Moischt.

von Ina Tannert

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