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Schröcker Priester gesteht Missbrauch

Sohn der Haushälterin missbraucht Schröcker Priester gesteht Missbrauch

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 14 Fällen muss sich der ehemalige Priester aus dem Marburger Stadtteil Schröck seit gestern vor dem Würzburger Landgericht verantworten.

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„Es war aber die große Ausnahme, dass wir zusammen nackt im Bett lagen“, sagt der ehemalige Schröcker Pfarrer.

Quelle: dpa

Würzburg. Der Ordensgeistliche räumte die Vorwürfe ein. Die Taten haben sich in seiner Zeit als Pfarrer im Bistum Würzburg zwischen 1993 und 1998 abgespielt. Von August 2010 bis zu seiner Suspendierung im März 2011 war er Pfarrer in Schröck.

Noch ist er Priester, zwar abgeschottet in einem schwäbischen Kloster, zwar „von allen seelsorgerischen Aufgaben entbunden“ - aber doch ein „Mann Gottes“. Er habe einen Jungen missbraucht, gesteht er vor Gericht, und das mehrere Jahre lang. Das hat der 58-Jährige auch bei seiner Selbstanzeige beim Missbrauchsbeauftragen seines Ordens 2011 so gesagt und damit die Ermittlungen in Gang gebracht.

Fünf Jahre alt war das Kind laut Anklage, als der Pater zum ersten Mal das mit ihm machte, was Erwachsene nie und nimmer mit Kindern machen dürfen. Bei den letzten Übergriffen war der Junge zehn. 1991 lernte der katholische Priester den Vater des Buben kennen. Ein evangelischer Pfarrer, der mit Frau, Sohn und Tochter lebte. Man habe sich befreundet, erzählt der Pater vor Gericht. Als die Ehe zerbrach, habe er die Frau „seelsorgerisch begleitet“, ihr auch mal den Sohn abgenommen, wenn sie Zeit für sich brauchte.

So kam es, dass das Kind bei dem Pater schlief und von ihm missbraucht wurde. „Es war aber die große Ausnahme, dass wir zusammen nackt im Bett lagen“, sagt der Angeklagte. Und: „Großflächiger Hautkontakt reizt, das ist naturgegeben.“

Die Ehe wird geschieden, die Frau, Zahnärztin von Beruf, entscheidet sich, fortan dem katholischen Priester den Haushalt zu führen, zieht mit Sohn und Tochter zu ihm.

Das Mädchen interessiert den Pater nicht. Aber den Sohn seiner Haushälterin bringt er ins Bett, legt sich zu ihm, erzählt ihm Geschichten. Geht mit ihm ins Schwimmbad, zeigt ihm ein umstrittenes Aufklärungsbuch. Und er missbraucht ihn.

Manchmal versucht der 58-Jährige, sein Verhalten zu verteidigen. Dann sagt er, dass er den Jungen nicht habe „sexuell stimulieren“ wollen. „Ich wollte ihm nur zeigen, dass er ein starker Mann ist.“ Und dass das Kind „unverfänglich die Physiognomie eines Menschen betrachten“ sollte. Das Kind ist heute ein Mann. 25 Jahre alt, intelligent, wortgewandt. Seine Mutter hat vor dem Prozess erzählt, dass er autistische Züge habe. 80000 Euro „Schmerzensgeld“ hat der Orden des Angeklagten ihm gezahlt. „Ich nehme wohlwollend zur Kenntnis, dass er seine Taten einräumt“, sagt der Student nach dem Geständnis des Angeklagten. Mit seinem „biologischen Vater“ habe er sich nie verstanden. In diesem „Vakuum“ habe der Pastor „freies Spiel“ gehabt. Die Verhandlung wird an diesem Donnerstag fortgesetzt.

von Gisela Schmidt

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