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Schock bei Suche nach Lebensrettern

Defibrillatoren Schock bei Suche nach Lebensrettern

In einigen öffentlichen Gebäuden und Kaufhäusern stehen seit einigen Jahren medizinische Schockgeber bereit. Hinweistafeln an Häusern zeigen die Standorte , aber wo genau sie deponiert sind, ist oft ein Rätsel.

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Im Rathaus liegt einer von etwa zwei Dutzend Defibrilatoren, die im Notfall leben retten sollen. Doch nicht nur Joachim Scholz (36) vom Deutschen Roten Kreuz hat Probleme, ihn zu finden.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Der Schlüssel zum Überleben liegt in einem Versteck. Staub rieselt von ihm herunter, die Batterie des Lifepaks ist schwach. Dass die Poststelle im Rathaus der Hüter des Defibrillators ist, der bei Herzproblemen Leben retten kann, irritiert Joachim Scholz (36) vom Deutschen Roten Kreuz Marburg. Und das Rathaus ist nicht das einzige in der Stadt, in dem Retter erstmal umher irren müssen, bevor sie die Schockgeber finden. „Es geht um Minuten. Wenn die Geräte zwar vorhanden, aber nicht schnell greifbar sind, ist das ganze recht sinnlos“, sagt er.

In der Regel markieren Hinweistafeln an der Fassade zwar den Standort für einen Defibrilator. Problem: Dieser kann jedoch irgendwo im Haus herumliegen. Gerät man nicht auf Anhieb auf einen Ersthelfer, verrinnt wertvolle Zeit. „Eine genau Beschilderung, wo das Gerät im Haus zu finden ist, wäre nötig“, sagt er. Etwa eingezeichnet auf den ausgehängten Rettungs- und Notfallplänen.

Aktion "Herz für´s Herz"

Scholz und seine Kollegen sind jedoch froh, dass überhaupt medizinisches Gerät vorhanden ist. Das ist der Initiative von Dieter Oberländer zu verdanken. Der Ex-Chef des Ordnungsamts preschte gemeinsam mit der Universität Marburg und der Kardiologie am Klinikum vor und rief die Aktion „Herz für‘s Herz“ ins Leben. Laut einer Bestandsliste der Verwaltung sind in und um Marburg 32 Standorte mit Defibrilatoren ausgerüstet. Neben Stadtbüro, Sporthalle am Georg Gassmann Stadion, Rathaus und Stadthalle, stehen in den Feuerwehren Cappel, in der Ketzerbach, Marbach, Ockershausen, Sterzhausen und Wehrda medizinische Schocker bereit. Zudem sind die Apotheken in der Reitgasse und Wilhelmstraße, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) an der Hirsemühle sowie einige Arztpraxen mit der Technik ausgestattet. Die Stadt plant unterdessen, das Defi-Netz auszubauen. Gemeinsam mit Firmen soll der Kauf weiterer Geräte gestemmt werden. Das Jugendamt, Friedrich-straße 36 steht ganz oben auf der Agenda.

Scholz: Defibrillatoren sicher wie Navigationsgeräte

Profi-Lebensretter Scholz will Marburgern die Angst vor dem Einsatz der Geräte nehmen: „Defis sind idiotensicher wie ein Navi“, sagt er. Nach dem Aufklappen spricht eine Computerstimme mit dem Laien, erklärt jeden Schritt. „Notruf wählen“, Pause. „Opfer die Kleidung ausziehen“, Pause. „Klebe-Elektroden auspacken“, Pause. So geht das Schritt für Schritt. Liegen die Sensoren richtig am Körper, misst die Technik den Herzrhythmus, berechnet, empfiehlt einen Schock - oder eben nicht. „Nur, wenn die Wert es erfordern, lädt er sich auf und man kann den Knopf drücken“, sagt der 36-Jährige. Dazu müssen die Elektroden - wie auf den Pads eingezeichnet - auf den rechten Brustkorb und den linken Rippen geklebt werden. „Um einen Impuls hin und her, quasi durch das Herz zu schicken“, sagt Scholz. Doch was, wenn Retter von der Extremsituation, von Aufregung und Hektik wie gelähmt sind? „Fehler kann man nicht machen“, sagt Scholz.

Er räumt zudem mit Klischees aus Arzt-serien wie „Grey‘s Anatomy“ und Co. auf. Ein Defi bringe das Herz nicht von null wieder zum schlagen. „Das geht nur mit Herzmassagen“, sagt Scholz. Doch bei sogenanntem Kammerflimmern, „wenn alle Muskeln unkoordiniert machen, was sie wollen“, stelle der Defi-Impuls die Ordnung wieder her.

„Wichtig ist, überhaupt etwas zu tun. Für Laien sollte gelten: Jeder Verletzte lebt, braucht Hilfe. Den Tod kann nur ein Arzt feststellen.“

von Björn Wisker

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