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Schnellere Hilfe bei Brustschmerzen

Uni-Klinikum Schnellere Hilfe bei Brustschmerzen

Akuter Brustschmerz kann sich lebensbedrohlich auswirken. Die neue Brustschmerzeinheit im Marburger Uni-Klinikum soll Patienten schneller Klarheit über ihre Beschwerden bringen.

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Der Kardiologe Professor Bernhard Schieffer hat sich für die Einrichtung der Brustschmerz-Einheiten in Marburg und Biedenkopf eingesetzt.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Am morgigen Dienstag eröffnet offiziell nach einer sechsmonatigen Probephase am Marburger Uni-Klinikum die neu eingerichtete Brustschmerzeinheit, die aufgrund des in der Fachsprache gebräuchlichen Namens „Chest Pain Unit“ abgekürzt CPU genannt wird. Parallel wird eine zweite CPU-Einheit im DRK-Krankenhaus in Biedenkopf eingerichtet. Die speziellen Notaufnahmestationen mit sechs Überwachungsplätzen am Standort Marburg und vier am Standort Biedenkopf werden durch die gleichen Teams betrieben, erläutert der Marburger Kardiologie-Professor Bernhard Schieffer.

„Das war eine überfällige Einrichtung“, meint Schieffer. Auf der deutschlandweiten Landkarte gab es bis jetzt an Kliniken bereits 132 Brustschmerz-Einheiten. Ziel einer CPU ist es, Patienten mit unklaren Brustschmerzen, die beispielsweise über akute Luftnot klagen, unmittelbar und ohne den zeitverzögernden Umweg über die allgemeine Notfallaufnahme auf diese Station aufzunehmen und durch Spezialisten abzuklären. Wird ein Herzinfarkt festgestellt, kommt der Patient auf eine Intensivstation zur Überwachung und wird umgehend im Katheterlabor behandelt. Hierzu hält die Abteilung Kardiologie und Angiologie auf den Lahnbergen sechs Teams aus erfahrenen Notfallärzten in 24 Stunden Bereitschaft vor.

Die CPU-Einheit in Marburg liegt räumlich zwischen der Notfallaufnahme und der Intensivstation der Kardiologie und dient als eine Art „Puffer“-Station vor dem eigentlichen Krankenhaus, erläuterte Schieffer im Gespräch mit der OP.

Die Grundidee der „Chest Pain Unit“ ist es, allen Einwohnern der Stadt und des Landkreises und ihren behandelnden Ärzten rund um die Uhr einen kompetenten Ansprechpartner anzubieten, der Patienten bei akutem Brustschmerz, insbesondere mit Verdacht auf Herzinfarkt, Lungenembolie oder drohendem Hauptschlagader-Einriss unkompliziert übernimmt und eine rasche, qualitativ hochwertige Diagnostik und Therapie bereitstellt.

Gemeinsam hat ein Team an Oberärzten angepasst an die örtlichen Gegebenheiten Behandlungspfade erstellt. So wird unter anderem der Herzrhythmus der Patienten überwacht. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Notärzte der Stadt und des Landkreises, die auch schwierige Transporte zwischen den Kliniken jederzeit leisten können, erklärt der Leitende Notarzt PD Dr. Clemens Kill.

Für diese Aufgabe wurde die „Chest Pain Unit“ mit langjährig kardiologisch geschultem ärztlichen und pflegerischen Personal sowie einer spezialisierten technischen Ausstattung ausgerüstet. Die „Chest-Pain Unit hat Zugriff auf alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten wie Computertomographie der Koronararterien, Kernspintomographie, Herzkathetertherapie oder Herz- und Gefäßchirurgie. Abgerundet wird das Notfallkonzept durch kreislaufunterstützende Systeme. Nach Ausschluss eines akuten Herzinfarktes oder anderer lebensgefährlicher Erkrankungen kann der Patient zur weiteren stationären Diagnostik auf eine Station verlegt oder bereits innerhalb der ersten 24 Stunden nach Hause entlassen werden. So können stationäre Behandlungskosten reduziert und Fehlbelegungen vermieden werden, hofft Schieffer.

Der Probebetrieb läuft bereits seit Ende vergangenen Jahres. Die ersten Erfahrungen sind Schieffers Darstellung nach positiv. Im ersten Jahr wurden rund 450 Patienten aufgenommen und diagnostiziert. 32 Prozent der Patienten wurden kurzfristig wieder entlassen. 40 Prozent der Patienten wurden stationär aufgenommen. 28 Prozent litten an nicht-kardiologischen Erkrankungen.

von Manfred Hitzeroth

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