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Schnelle Prüfung mit erstem Erfolg

Ebola-Impfstoff Schnelle Prüfung mit erstem Erfolg

Die klinische Phase-I-Prüfung eines potenziellen Impfstoffes gegen das Ebola-Virus hatte Erfolg, teilte der Marburger Virologe Professor Stephan Becker mit.

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In Afrika laufen jetzt wie hier in Liberia unterschiedliche Impfprogramme im Kampf gegen Ebola an.

Quelle: Ahmed Jallanzo

Marburg. Große Freude und Erleichterung herrschte gestern bei Professor Stephan Becker, dem Leiter des Virologie-Institutes und des BSL4-Hochsicherheitslabors auf den Lahnbergen. Er freute sich über den erfolgreichen  Ausgang der ersten Phase der klinischen Studie, bei der zum ersten Mal am Menschen die Wirksamkeit eines potenziellen  Ebola-Impfstoffes getestet wurde.
Angesichts der Heftigkeit des Ebola-Ausbruchs in drei westafrikanischen Staaten mit mehreren tausend Todesopfern in den vergangenen Monaten war Schnelligkeit angesagt gewesen. Becker machte im Gespräch mit der OP deutlich, dass die klinische Studie auch wesentlich schneller in Angriff genommen worden sei, als es ansonsten der Fall sei.

Diese Vorgehensweise habe sich aber auf jeden Fall gelohnt. „Wir haben unsere Mission erfüllt“, sagte der Virologe im Gespräch mit der OP. Zwar seien auch die wochenlangen Untersuchungen der eingesandten Blutproben (siehe HINTERGRUND) für das gesamte Team der Marburger Virologie „maximal anstrengend“ gewesen. Und es sei zwischenzeitlich unsicher gewesen, ob der Impfstoff wirklich so wirke, wie es von den Wissenschaftlern erhofft worden sei.

Doch nunmehr sei folgendes klar: Der ursprünglich von dem damaligen Marburger Forscher Heinz Feldmann entwickelte Impfstoff mit dem Namen „rVSV-ZEBOV“ sei als vorbeugender Impfstoff gegen Ebola geeignet.

Die Ergebnisse der Studie sind jetzt im renommierten „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht worden. Bei allen Teilnehmern sei das Immunsystem durch die einmalige Impfung angeregt, Antikörper zu bilden, die sich spezifisch gegen das Ebola-Oberflächenprotein richteten, bilanzieren die Forscher. Die Probanden hätten die Antikörper entwickelt und im Reagenzglas hätten diese Antikörper die Ebola-Infektion verhindern können, bilanziert der Marburger Virologe Becker. In den eingesetzten Dosen habe der Impfstoff-Kandidat das Immunsystem effektiv stimuliert.

Ebola-Impfstoff wird nach wie vor benötigt

Dabei seien bei den Probanden der Studien in den vier Ländern Deutschland, Schweiz, Gabun und Kenia insgesamt geringe Nebenwirkungen aufgetreten wie leichtes Fieber oder in Einzelfällen auch Gelenkschmerzen oder Entzündungen. Doch trotz dieser leichten Einschränkungen in bezug auf die Verträglichkeit des Impfstoffes meint Becker, dass dieser   Impfstoff durchaus geeignet sein könnte, zur Eindämmung des letzten Aufflackerns der Ebola-Pandemie in den drei westafrikanischen Staaten Guinea, Sierra Leone und Liberia mit beizutragen.

Dass ein solcher wirksamer Impfstoff notwendig ist, sieht auch Professorin Marylyn Addo so. Die Infektionsmedizinerin vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung hat die klinische Studie am Hamburger Uni-Klinikum geleitet. „Nach wie vor wird dringend ein Impfstoff benötigt, denn die aktuelle Ebola-Epidemie ist noch nicht besiegt, und weitere Ausbrüche in der Zukunft können nicht ausgeschlossen werden“, berichtet Addo. In den kommenden Wochen soll jetzt in noch umfangreicheren Studien überprüft werden, ob der Impfstoff wirklich erfolgreich ist. Geimpft werden in Guinea rund 10 000 potenziell erkrankte  Kontaktpersonen von Ebola-Patienten. Dazu laufen in dem westafrikanischen Staat sogenannte „Phase- II/III-Studien“ an.

Mit der Auswertung dieser Proben hat dann allerdings das Marburger Virologie-Labor an der Universität nichts mehr zu tun, erklärte Professor Becker im Gespräch mit der OP. Diese Überprüfung sei dann die Sache der staatlichen Gesundheitsbehörden und -organisationen.

Finanziert wurde die erste klinische Studie, für die es allein in Deutschland rund eine Million Euro gab, von einer Vielzahl von Geldgebern. Dazu zählen das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung, das Bundesgesundheitsministerium und der „Wellcome Trust“ aus Großbritannien. Der Impstoff wurde von der kanadischen Gesundheitsbehörde zur Verfügung gestellt.

von Manfred Hitzeroth

HINTERGRUND

158 gesunde Probanden wurden an den vier Standorten Hamburg, Genf, Lambarene  (Gabun) und Kilifi (Kenia)  mit Dosen des potenziellen Ebola-Impfstoffes „rVSV-ZEBOV“ geimpft. Es ist ein abgeschwächtes, gentechnisch verändertes Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV), das ein Oberflächenprotein des Ebola-Virus trägt, wogegen  das Immunsystem des geimpften Probanden Antikörper bildet, die im Falle eines Kontaktes mit dem Ebola-Virus mithelfen, die Krankheit zu verhindern. Bei der klinischen Studie wurden durch die Forscher erstmals am Menschen Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffes getestet. Die Art der Immunantwort wurde im Virologie-Labor in Marburg getestet.

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