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Breitband-Ausbau Schnell und schneller im Netz

Nach dem Abschluss des Breitband-Ausbaus 2015 plant der Kreis aktuell einen weiterführenden Ausbau. Das Ziel: noch unterversorgte Gebiete erschließen. Dabei geht es um eine Investition von 10,4 Millionen Euro.

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Beim Breitband-Ausbau im Landkreis, der 2013 begann und 2015 endete, verlegte die Telekom 502 Kilometer an neuem Glasfaserkabel. Um dies zu ermöglichen, steuerten Landkreis und Gemeinden mehr als neun Millionen Euro bei.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Über die entsprechende Vorlage des Kreisausschusses hat der Kreistag in seiner morgigen Sitzung zu entscheiden. Sie beginnt um 9 Uhr im Kreishaus und ist öffentlich. Bei dem Erweiterungsausbau fürs Breitband im Landkreis sollen jene Gebiete berücksichtigt werden, in denen nach dem abgeschlossenen Erstausbau „noch  unterversorgte Bereiche mit gewerblicher Nutzung vorhanden sind“. Als unterversorgt gelten dabei jene Gebiete, die über Bandbreiten von unter 30 Mbit/s verfügen. Eine Studie dazu läuft.

„Für diese Areale soll ein Erschließungskonzept mit Kostenkalkulation entwickelt werden“, heißt es in der Beschlussvorlage, in der auch das Ziel festgehalten wird, Schulen und Krankenhäuser unmittelbar mit Glasfaser anzuschließen, statt die letzte Meile weiterhin über das weniger leistungsfähige Kupferkabel zu bestreiten. Ausbaubeginn, so heißt es, könne noch 2016 sein, wenn der Kreis seinen Anteil über einen
Nachtragshaushalt bereitstellt.

Bund und Land Hessen fördern Erweiterungsbau

Zum Kreisanteil von rund 1,1 Millionen Euro für den Erweiterungsausbau steuern die heimischen Kommunen aus der eigenen Kasse nochmals die gleiche Summe bei. Dabei entfällt auf die Stadt Biedenkopf mit rund 75.000 Euro der größte kommunale Anteil, auf Neustadt mit rund 25.000 Euro der kleinste. Den größten finanziellen Beitrag leistet der Bund: Über seine Förderrichtlinie zur Unterstützung des Breitbandausbaus in der Republik stellt er für Marburg-Biedenkopf voraussichtlich 5,2 Millionen Euro bereit. Das Land Hessen beteiligt sich mit einem Zuschuss von 3 Millionen Euro.

Während der Hauptausschusssitzung am Montag signalisierten die Mitglieder von Koalitions- und ­Oppositionsfraktionen breite Zustimmung – so wird die Beschlussvorlage aller Voraussicht nach auch den Kreistag am Freitag passieren. Grünes Licht fehlt dann noch von den Städten und Gemeinden. Sie sind aufgerufen, bis Mitte Juli zu entscheiden, welche Gebiete in ihren Kommunen „innerhalb der als unterversorgt identifizierten Bereiche in das Erweiterungsprojekt aufgenommen werden sollen“. Ihren finanziellen Anteil sollen sie in den Haushalten fürs kommende Jahr bereitstellen – Ausschreibung und Ausbaubeginn sollen dann schon mit Mitteln des Kreises erfolgt sein. Der Landkreis kann seinen Anteil von 1,1 Millionen Euro indes mühelos im laufenden Jahr bereitstellen. Er hat seinen Haushaltsüberschuss nach dem ersten Quartalsbericht von gut 2 auf fast 7,5 Millionen Euro ausgebaut und verfügt von daher über die Möglichkeiten.

„Wir brauchen 100 Mbit/s an der letzten Waldhütte“

„Die 30 Mbit/s ist das, was sich im Moment realisieren lässt“, sagte Landrätin Kirsten Fründt (SPD) im Hauptausschuss zum bevorstehenden Weiterausbau. Werner Waßmuth, Fraktionsvorsitzender der CDU, war zufrieden, dass „durch zusätzliche Kabelverzweiger“ Verbesserungen für die Internetnutzer hergestellt werden könnten. Zu Kritik, die von Anna Hofmann, Fraktionsvorsitzende der Linken, gekommen war, sagte Waßmuth, dass ein weiterführender Breitbandausbau schon im ersten Schritt für den Landkreis schlicht nicht erschwinglich gewesen sei: „Auch noch die letzte Meile mit Glasfaser, das hätte uns damals 250 Millionen Euro gekostet.“

Hofmann hatte zuvor moniert, dass der Kreis nur ein Jahr nach Ausbauabschluss in eine Erweiterung investieren müsse – und dass die dann erreichte Leistung absehbar schon wieder überholungsbedürftig sei. „Eigentlich müsse man der Telekom sagen: Was ihr uns damals verkauft habt, das ist der totale Schrott“, sagte Hofmann. Waßmuth war empört über diese Äußerungen, schließlich habe sich der Landkreis mit dem flächendeckenden Breitbandausbau ab 2013 an die Spitze einer Bewegung gesetzt und sei als einer der ersten Landkreise überhaupt flächendeckend versorgt gewesen.

Hofmann zog den Vergleich mit großen Städten, wo die Versorgung sehr viel besser sei. Und auch Frank Lerche (Piratenpartei) übte Kritik am Ausbaustand: „Die Telekom kassiert ab. Sie sollten uns eher zehn Millionen Euro geben, nicht wir der Telekom. Ich denke in die Zukunft und wir brauchen jetzt schon eine Leistung von 100 Mbit/s an der letzten Waldhütte.“ Joachim Thiemig (SPD) dazu: „Wir sind hier nicht bei ,Wünsch dir was‘, sondern bei ,So isses‘.“ Beim Breitband-Ausbau habe der Markt versagt.

von Carina Becker

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