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Schluss mit lustig - Lachen als Therapie

Lach-Yoga Schluss mit lustig - Lachen als Therapie

Lachhaft, dieser Text. Von vorne bis hinten. Und trotzdem mit ernstem Hintergrund. Karin Kirchhain ist Lach-Yoga-Trainerin. Sie kämpft völlig witzlos für ein bisschen mehr Leichtigkeit im Leben.

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Karin Kirchhain weiß: lachen ist lernbar. Man muss es nur wollen. Muss den Witz in Alltagssituationen erkennen und sich darauf einlassen.

Quelle: Nadine Weigel/ Grafik: Vera Lehmann

Marburg .  Sie erzählt keine Witze – und hat die Lacher doch auf ihrer Seite. Sie ist nicht permanent fröhlich und kann doch  auf Knopfdruck losprusten. So laut, so schallend, dass ihr die Tränen kommen. So herzhaft, dass es ansteckend wirkt. Karin Kirchhain ist Trainerin für Lach-Yoga. Sie ist der festen Überzeugung: Lachen bedeutet eines –  Auszeit vom Alltag. „Wer lacht, der denkt nicht. Das sind oft nur kurze Momente. Aber die sind sehr erholsam und wirken wohltuend nach.“

Gummitiere und Grimassen

Aber wie, Frau Kirchhain, soll denn gelacht werden, wenn es gerade nichts zum Lachen gibt? Karin Kirchhain kennt diese Frage. Kennt die Skepsis, die in der Stimme mitschwingt. Beeindrucken lässt sie sich davon nicht. Sie hat so ziemlich jeden in ihren Gruppen schon zum Lachen gebracht. Mit ein wenig Geduld und der Bereitschaft, sich selbst ein klein bisschen „lächerlich“ zu machen. Wer zu ihr kommt, der hat das Lachen verlernt, vergessen oder einfach im Alltag  vernachlässigt. Der trägt eine gewisse Erwartung in sich. Endlich wieder lachen. Laut und befreit. Herzhaft und schallend.
Karin Kirchhain weiß: Niemand lacht gern allein. Also geht sie mit gutem Beispiel voran. Ein offenes Lächeln bei der Begrüßung – ein freundliches Grinsen während des Gespräches. Die Grundstimmung muss passen. Zwanzig Minuten Lach-Yoga. Das sind zwanzig Minuten, in denen der Alltag ausgesperrt und die Frage „Ist das witzig?“ zur Nebensache wird.
Karin Kirchhain baut sich auf. Steht groß, atmet tief ein. Ein bisschen strecken, ein bisschen recken – dann in sich zusammenfallen. Die Gruppe macht es nach. Skeptisch noch. Aber lachbereit. Lustig? Nein. Lustig ist das nicht. Doch dann legt sie los. In einem Tempo, das Nachdenken verbietet. „Pustet euch auf wie ein Gummitier. Du bist Krokodil, du Ente, du Palme, du Schwimmreif.“ Luft anhalten. Luft ausatmen. Grinsen. Lachen. Hohoho-hahaha. Erst wirkt es gestelzt. Dann wird es immer lockerer. Wer sich selbst schon einmal als Gummitier gesehen hat, dessen Hemmschwelle ist ohnehin schon gesunken. Es wird geklatscht, geschauspielert, Grimassen geschnitten und immer wieder gelacht. Erst beabsichtigt, fast schon gezwungen. Dann irgendwann laut, gelöst und fast von allein. „Jetzt haben wir uns eingelacht“,  sagt die 52-Jährige. Sie weiß: An diesem Punkt reichen auch leise Impulse für ein lautes „Haha“.

"Kein Mensch lacht auf Befehl"

„Beim Lachen werden Hormone ausgeschüttet. Die Muskulatur wird angespannt und entspannt sich wieder, die Durchblutung wird gesteigert“, erklärt sie. Kurzum: Lachen ist gesund. Ein Argument, dass die 52-jährige Heilpraktikerin für Psychotherapie vor zwölf Jahren überzeugte. Sie ließ sich in Hamburg zur Lach-Yoga-Trainerin ausbilden: „Ich möchte die Menschen fröhlicher, gesünder und glücklicher machen. Ihnen mehr Leichtigkeit bringen. Viele sind einfach in die deutsche Ernsthaftigkeit geglitten.“

 

Sie selbst nicht. Karin Kirchhain ist weder albern noch aufdringlich fröhlich. Sie lacht einfach gern. „Seit ich mich mit dem Thema beschäftige, hat sich auch mein Humor weiter entwickelt. Mir fallen Lachsituationen einfach schneller auf“, so die Marburgerin. „Ich betrachte den Raum Mittelhessen als mein persönliches Entwicklungsland“, fügt sie hinzu. Und manchmal ist sie auch schon mit kleinen Erfolgen zufrieden. Dann, wenn sich bei ihrem Gegenüber die Mundwinkel nach oben bewegen. „Man muss ja mit etwas anfangen. Und auch ein Lächeln am Telefon kann man hören.“ Aber sie warnt auch. Nicht jedes Lachen ist echt. „Kein Mensch lacht auf Befehl. Das lässt sich nicht einfach  hervorzerren.“ Nein, einfach nicht. Aber ein bisschen zerren hat noch keinem geschadet. Und so stellt sie sich wieder vor die Gruppe. Strahlt alle an. Animiert. Zwingt durch die rasend schnell aufeinander folgenden Übungen, den Kopf auszuschalten. „Viele Menschen, besonders Männer, stehen dem Lach-Yoga erst einmal skeptisch gegenüber. Sie sind rational und fragen sich ganz vernünftig, wofür das gut sein soll.“
Die Antwort fällt der Versuchsgruppe, die sich spontan für ein paar Minuten Lach-Yoga zusammengefunden hat, einfach: Es hebt die Stimmung, es entspannt und es ist alles, nur nicht lächerlich

Hintergrund
  • Ein Lachanfall kann zum Stressabbau beitragen. Glückshormone werden freigesetzt, der Körper gleitet in eine Entspannungsphase.
  • Abnehmen durch Lachen? Möglich. Zumindest wenn man den Forschern der Vanderbilt University, Nashville, glaubt. Zehn Minuten schallendes Gelächter soll bis zu 50 Kilokalorien verbrauchen.
  • Lachen ist für das soziale Miteinander so wichtig, dass sich ein eigener Wissenschaftszweig, die Gelotologie, damit beschäftigt. 
  • Im Lach-Yoga-Kurs „Lachen macht glücklich“ von Karin Kirchhain am Samstag, 22. Februar, 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr, sind noch Plätze frei. Anmeldung  über die vhs-Marburg: 06421 - 201-246

von Marie Lisa Schulz

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